Rotenburger Duo Giara sorgt für italienisches Flair beim „Ahauser Sommer“

Dankbar für die Notlösung

Das Duo Giara begeistert mit wandelbarer, nuancenreicher Stimme und virtuoser Gitarrenbegleitung.
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Das Duo Giara begeistert mit wandelbarer, nuancenreicher Stimme und virtuoser Gitarrenbegleitung.

Ahausen – Ein lauer Sommerabend mit spielfreudigen Musikern, dankbaren Gästen und Kindern, die vor dem Bühnenpavillon tanzen, während zwei Heißluftballons pittoresk über das Heimathausgelände gleiten: Alles passte beim vom Heimatverein veranstalteten Konzert des Gitarristen Gianluca Frau und seiner Partnerin Laura am Freitagabend. Das Ganze hatte nur ein Manko: Der Ahauser Sommer ist eben nicht der Ahauser Herbst. Nein, ein Ersatz sei das auf keinen Fall, betont dessen Vorsitzender Carsten Kaßburg, aber immer noch die beste Notlösung. „Mit der Absage des Ahauser Herbstes haben wir gemerkt, dass dieses Jahr ein Stück Kultur fehlt.“ So wählten die ehrenamtlichen Ahauser Kulturschaffenden die im Vergleich zur Nulllösung in puncto Manpower, Schriftverkehr und Finanzen ungleich aufwendigere Alternative und stellten drei Veranstaltungen auf die Beine – zur sichtlichen Freude der Kulturinteressierten aus der Region, die sich bei Kaßburg nach dem ersten mit 150 Karten ausverkauften Konzert von „Folx Singer“ vor zwei Wochen per Mail bedankten. „Die Leute sind hungrig nach Kultur, wollen sich wieder treffen.“

Kaßburgs Beobachtung spiegelt sich auch im Geräuschpegel der rund 90 Besucher wider. Das Konzert des italienischen Duos Giara am Freitag und die Lesung am Sonntagnachmittag, „sie ziehen ganz unterschiedliche Gäste“, freut Kaßburg sich. Und auch hinter den Masken mit den Blättern – das Logo ist neben dem Namen „Ahauser Sommer“ und dem Veranstaltungsort so ziemlich die einzige Reminiszenz an den Ahauser Herbst – stecken viele neue, vorwiegend jüngere Gesichter, die den enormen Aufwand durch die hygienischen Auflagen in der Pandemie stemmen.

Für das italienische Ehepaar auf der Bühne ist es das erste Konzert seit März. Immerhin kommt das Publikum dadurch in den Genuss einiger neuer Songs aus der Feder der beiden, die sich in puncto Musikalität und Melodieführung nicht hinter den Interpretationen hierzulande eher unbekannter italienischer Musiker wie Mina verstecken müssen.

Auch, wenn die beiden durch den Lockdown zuhause kaum üben konnten, bedienen sie mit nuancenreicher Stimme und einfühlsamer, virtuoser Gitarrenbegleitung viele Stilistiken vom Chanson über Walzer bis zum funkigen Zucchero-Song in der Zugabe. Und das alles perfekt aufeinander eingespielt. Karin Siebert aus Lauenbrück, die das Duo zum dritten Mal live erlebt, schätzt neben der „fantastischen Stimme“ vor allem die Blues-Stücke. „In welcher Sprache die gesungen werden, ist mir egal“, sagt sie. Viele andere Besucher bedauern, die Texte nicht zu verstehen. Die Ansagen lassen viel Spielraum für eigene inhaltliche Interpretationen. „Mein Deutsch ist in den letzten Monaten ganz schön eingerostet“, erzählt Laura im Anschluss. Schließlich fielen in den vergangenen Monaten auch Treffen mit deutschen Freunden weg.

Zumindest vermuten lässt sich, dass die Lieder nicht nur musikalisch, sondern auch textlich lohnen. Wie in dem ersten Transgender-Stück Italiens, in der Eigenkomposition in Moll über eine Nonne wider Willen oder Gianluca Fraus Lied über schöne Frauen in der Politik. Als kleiner Trost überbrückt Lauras lebhafte Mimik wenigstens zum Teil die Sprachbarriere. Auch die Künstler goutieren den Mut der Veranstalter und die Disziplin der Besucher, die sich an die Maskenpflicht halten: „Das ist zwar nicht das Gleiche wie sonst, aber besser als nichts.“

Mit Abstand genießen die Besucher die zweite Veranstaltung des Ahauser Sommers.

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