Daniel Müller aus Ahausen: Ein Schornsteinfeger unterwegs in Rumänien, Japan und Co.

Von Dracula zu den Samurai

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Wiedersehen in Italien: Daniel Müller (l.) trifft auf den japanischen Kollegen, den er besucht hat. Der hat gleich die ganze Familie im Gepäck. Mit dabei sind auch Schornsteinfeger aus Bayern.

Ahausen - Von Inken Quebe. Normalerweise ist Daniel Müller aus Ahausen in Rotenburg unterwegs, um Schornsteine zu fegen. Doch seit er im vergangenen Jahr auf dem internationalen Treffen der Kaminfeger in Santa Maria Maggiore (Italien) war und Kollegen aus der ganzen Welt kennengelernt hat, hat ihn das Reisefieber gepackt. So hat er in diesem Jahr schon Kamine in Rumänien, Japan und Frankreich auf Vordermann gebracht.

Immer nur in Deutschland kehren? Nein, dabei hat es Daniel Müller nicht belassen wollen. „Ich gucke mir gerne an, wie das Schornsteinfegen in anderen Ländern so funktioniert – ich möchte meinen Horizont erweitern“, erklärt der 30-Jährige, der vor ein paar Jahren aus Paderborn nach Ahausen gezogen ist. Seit vergangenem Jahr ist er Teil des Teams von Schornsteinfeger Michael Gottwald in Rotenburg.

Durch das internationale Treffen der Kehrer in Italien machte er im September 2014 Bekanntschaft mit Kollegen aus aller Welt. Schon im Frühjahr brach er zu seiner ersten Reise auf. „Ich habe einen Kollegen in Transsilvanien in Rumänien besucht.“ Statt zu Graf Dracula ging es zu einem Professor, um dessen Kamin und Ofen zu reinigen. „Der war so zufrieden mit mir, dass ich schon im nächsten Jahr wiederkommen soll.“ Was den Stand der Technik beim Kaminkehren angeht, ist Rumänien allerdings nicht sonderlich fortschrittlich – „eher oldschool“, erinnert sich Müller. Trotzdem sei die deutsche Technik für die Kollegen dort nicht so interessant. „Die rechnen nach Zeit ab, also stört es sie nicht, wenn es länger dauert.“

Doch er ist nicht nur so viel unterwegs, um die Schornsteine in anderen Regionen der Erde zu kehren. Meist nehme so etwas nur einen Tag bei seinen Reisen in Anspruch, erzählt er. „Den Rest der Zeit erkunde ich Land und Leute.“ Um einen Einblick in die Kultur zu erhalten, wohnt er meist bei den Kollegen und ihren Familien. So wie in Japan: „Dort gab es Bier mit Tomatensaft. Das fällt in die Kategorie: Muss man mal gemacht haben.“ Gewöhnungsbedürftig, findet Müller. Was das Schornsteinfegen in Japan betrifft, war sportliches Geschick gefragt. Als es in einer Siedlung mitten im Dschungel an die Arbeit ging, musste er auf ein Dach klettern und von oben den Kamin säubern. „Die Stangen für die Reinigung hatten wir in einem Köcher auf dem Rücken – wie bei Robin Hood.“ Nach solchen Erlebnissen sei er umso glücklicher, wenn er weiß, welche Möglichkeiten es in Deutschland gibt.

Auch für die Zukunft plant Müller weitere Reisen: Nach Neuseeland, Schweden, Kanada und in die USA soll es auf jeden Fall noch gehen. Im kommenden Jahr muss der Ahauser aber kürzer treten: „Da stehen Weiterbildungen an.“ Und noch was haben die Aktivitäten mit anderen Fegern mit sich gebracht: Beim letzten Treffen der Biker vom Verein World wide chimney sweeps – weltweite Schornsteinfeger – in Castrop ist Daniel Müller schon jetzt als Präsident für das Jahr 2017 ausgewählt worden. Das heißt: Dann findet das Treffen in Rotenburg statt. Müller ist für die Planung und Durchführung der Veranstaltung, die am ersten Wochenende im Juli stattfindet und zu der Schornsteinfeger-Biker aus den Nachbarländern anreisen, verantwortlich. Das Programm soll bis zum nächsten Treff 2016 in Lübeck stehen: „So viel habe ich schon jetzt geplant: Für die Ausfahrt mit 150 bis 200 Bikern soll es auf ein Schiff gehen!“

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