Cordula Bientzle betreibt einen „Tante-Emma-Laden“ in Bötersen

„Ich habe meine Erfüllung gefunden“

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Cordula Bientzle beim Bedienen eines Kunden in ihrem Laden in Bötersen.

Bötersen - Von Matthias Daus. Als im Zuge des Wettbewerbs „Unser Dorf hat Zukunft“ die Bevölkerung in der Gemeinde Bötersen befragt wurde, was ihr denn am Dorfleben besonders wichtig sei, war das Geschäft von Cordula Bientzle unangefochten an erster Stelle. Eine wichtige Aussage der Einwohner, denn die Zeiten für kleine Dorfläden sind in dieser Region alles andere als rosig – viele mussten in den vergangenen Jahren schließen. Worin liegt also das Geheimnis hinter dem langen Erfolg von Cordula Bientzle in Bötersen?

Ein großer Faktor ist sicherlich das Engagement, mit dem sie ihren kleinen Vollsortimenter leitet. Dabei war es eher eine Art Notlösung, als sie das Geschäft 1987 übernahm. Sie lebte damals in Berlin und wollte sich als Fleischermeisterin eine Existenz aufbauen. Ihre Eltern, die eine Fleischerei in Bötersen betrieben, kauften damals das ehemalige Schulgebäude im Dorf, in dem sich auch das Lebensmittelgeschäft der Familie de Vries befand. Diese gab den Laden jedoch kurz danach auf. Weil die Dorfbevölkerung ihre Eltern darum bat, das Geschäft zu erhalten, kam Cordula Bientzle zurück nach Bötersen und übernahm vorübergehend, wie sie damals dachte, dessen Leitung.

„Ich hatte von der ersten Stunde an unerwartet viel Spaß an der Arbeit, und es war faszinierend, dass hier der soziale Mittelpunkt für viele Menschen aus dem Dorf war“, erinnert sich Bientzle an ihre Anfänge. Das Geschäft und sie sind seitdem untrennbar miteinander verbunden, und wirklich jedermann kennt sie. Ein Umstand, den sie nicht missen mochte und schnell war klar, dass die große Stadt nicht so verlockend sein konnte, wie das Ansehen, das sie im Ort genoss. Dafür war sie bereit, viel Arbeit zu investieren.

„Ich habe eine Sechs-Tage-Woche und in all den Jahren nur zweimal Urlaub gehabt“, beschreibt sie ihre Situation, „aber es hat sich nie wie Arbeit angefühlt, denn ich habe hier meine Erfüllung gefunden.“ Doch nur die Arbeitskraft allein hält ein Geschäft wie dieses nicht am Leben. Gerade im Hinblick auf die Ausbreitung der Discountmärkte, gepaart mit deren immer längeren Öffnungszeiten und einem großen Preiskampf, sind es schwierige Zeiten für den „Tante-Emma-Laden“.

Die familiäre Unterstützung ist dabei der springende Punkt. Die Fleisch- und Wurstwaren aus dem elterlichen Betrieb sind ein wichtiger Bestandteil der Produktpalette und die Kooperation mit dem Supermarkt, den ihre Schwester und der Schwager in Sottrum betreiben, sorgt für eine gewisse Flexibilität, die oft erforderlich ist.

Die eigenen Ladenöffnungszeiten hat Cordula Bientzle in den vergangenen Jahren verringert. So ist ihr Geschäft jeden Vormittag außer sonntags geöffnet, und gerade viele ältere Menschen aus der Gemeinde nutzen die Gelegenheit, um dort alles für den alltäglichen Bedarf zu besorgen und mit Gleichgesinnten bei einem Klönschnack zu verweilen.

Ihr Laden ist für viele Menschen aus dem Ort eine Art Treffpunkt und sie nehmen sich einfach mehr Zeit für den Einkauf. Ein nostalgischer Kontrast zu der Hektik, die heutzutage den Alltag vieler Menschen bestimmt. Und gerade das scheint es zu sein, was die Gemeindebevölkerung so sehr an „ihrem“ Dorfladen schätzt. Ans Aufhören denkt Cordula Bientzle noch lange nicht, aber sie weiß auch, dass es ausgesprochen schwer sein dürfte, in ferner Zukunft einen Nachfolger zu finden.

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