Die „coole Sau“ Matti Weber überzeugt mit „Annie Laurie“ am Klavier

Gänsehautfeeling bei Adeles „Skyfall“

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Tatjana Bach sticht mit ihrer Stimme heraus.

Hellwege - Von Bettina Diercks. Was der Vorteil ist, wenn unterschiedliche Akteure ein Konzert gestalten? Die Chance erhöht sich darauf, gleich mehreren Höhepunkten beizuwohnen. Gelungen ist das am Sonntag zum wiederholten Male den Machern der „Hellweger Hausmusik“. Konzertiert wurde im Heimat- und Kulturhaus (HuK).

Auf Anhieb einen Treffer landeten „Prüsers Weberknechte“, die am Sonntag ihre Premiere gaben. Mit „I see fire“ (Ed Sheeran) und Marc Knopflers „Local Hero“, beides von Bandleader Wilhelm Wünsche für die Band arrangiert, ernteten die sieben Nachwuchsmusiker Bravo-Rufe und fast schon frenetischen Applaus. Mit erstaunlicher Coolness absolvierten die Zwölf- bis 15-Jährigen ihren Auftritt. Auch, wenn sie in einem Stück vorübergehend aus dem Takt gekommen waren. Gerade das aber macht solche Auftritte aus und gibt ihnen dieses überaus Menschliche, das bei dem Publikum gut ankommt. Der Bläsersatz mit aus Leonie Knecht (Saxophon) und Bennett Knecht (Trompete) bewies erstaunliche Selbstsicherheit. Beide sind musikalisch im „Jungen Orchester Aueland“ (Ahausen-Eversen) groß geworden, in dem sie nicht mehr mitwirken. Bennett Knecht überzeugte mit hervorragendem Ansatz und kann es, bei entsprechendem Fleiß, sicherlich weit an der Trompete bringen. An der Violine überzeugten zwei weitere Debütantinnen: Laura Gerke und Daniella Igel präsentierten souverän Werke von Vivaldi und Pleyel.

Die „coole Sau“ vom vergangenen Jahr war ebenfalls wieder mit dabei: Matti Weber. So soll seine sichtlich erleichterte, aber auch stolze Mutter nach dem Debüt des zwölfjährigen Pianisten-Autodidakten ihn im vergangenen Jahr genannt haben. Das berichtete zumindest Michael Bildhauer, Moderator und Mitorganisator der jährlich wiederkehrenden Konzertveranstaltung. Weber überzeugte erneut mit einem frei aus dem Kopf gespielten „Annie Laurie“ (Lady John Douglas Scott). Mit seinem Bruder Jannes am Schlagzeug präsentierte der Zwölfjährige ein eigenes Arrangement von Ludwig van Beethovens „Für Elise“.

Der Musik verbunden sind die Aufführenden eh schon. Was aber im vergangenen Jahr der für das Konzert geliehen Flügel auslöste, hat Bilderbuchcharakter: Nachdem Nina Prüser, die sonst am Keyboard zu hören war, im vergangenen Jahr erstmals bei der Hausmusik den Flügel spielen durfte, war sie infiziert. Bildhauer: „Auf einmal stand sie mit ihrem Vater im Schlepptau vor unser Tür und sagte: Wir wollen ein Klavier kaufen.“ Bildhauer half den beiden und fand es vorbildlich, dass Nina ihr Konfirmationsgeld investierte. „Ich hatte damals andere Dinge im Kopf“, sagte Bildhauer augenzwinkernd.

„Unmögliches Benehmen“, zischelte es in den Zuschauerreihen, als ein Anzugträger (schwarz), Kaugummi kauend und mit Sonnenbrille das HuK betrat und sich cool hinsetzte. Auf einmal zückte er die Pistole und ging mit ihr im Anschlag durch die Zuschauerreihen: „Gestatten, mein Name ist Bond, James Bond.“ Hinter Waffe und Sonnenbrille verbarg sich Jürgen Knecht, der ursprünglich zum Hellweger Vokalensemble gehört. Das lieferte zur Szene das „James Bond Finale“. Heraus stach dabei die Ahauser Sängerin Tatjana Bach. Fiel sie bereits in den zuvor gesungenen „Ziegeunerliedern“ (Brahms) mit ihrem Sopran aus dem Gesangsquartett heraus, bewies sie ihre Wandelbarkeit und legte in Alt 2 ein fesselndes „Skyfall“ (Adele/Paul Epworth) hin – Gänsehautfeeling. Offenbar teilten das die rund 100 Zuhörer, die begeistert applaudierten.

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