Constanze Ulbrich wird im Oktober Pastorin in der St.-Georg-Kirchengemeinde

„Ich bin ein Outdoorfreak“

Freut sich auf die Herausforderung: Constanze Ulbrich wird neue Pastorin in der St.-Georg-Kirche in Sottrum.
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Freut sich auf die Herausforderung: Constanze Ulbrich wird neue Pastorin in der St.-Georg-Kirche in Sottrum.

Zum 1. Oktober wechselt Constanze Ulbrich als Pastorin zur St.-Georg-Kirchengemeinde nach Sottrum. Nach 20 Jahren in Posthausen sucht sie dort eine neue Herausforderung. Besonders großen Wert legt sie auf Kinder- und Jugendarbeit.

Sottrum – Als die künftige Pastorin der St.-Georg-Kirchengemeinde in Sottrum, Constanze Ulbrich, die Kreiszeitung zum Gespräch an ihrer neuen Arbeitsstätte empfängt, stimmen Handwerker gerade die Orgel. Sie bitten um Ruhe, denn die Feinabstimmung fehlt noch.

Das gilt auch für die Vorbereitungen von Ulbrich, die erst am 1. Oktober die Pastorenstelle in der Gemeinde antreten wird und bis dahin in Posthausen tätig ist. Erst Ende September wird sie das Pfarrhaus in Sottrum beziehen, und sich ab dann auf ihre neue Gemeinde konzentrieren.

Bis dahin werden Besuche in der St.-Georg-Kirche eine Ausnahme bleiben, erklärt sie: „Solange ich noch Pastorin in Posthausen bin, bin ich mit dem Kopf voll da. Das ist mir sehr wichtig. Ich werde dort Anfang September auch noch die Konfirmation leiten.“

Der Abschied falle ihr schwer: „Ich gehe nicht im Krach oder weil es nicht mehr gepasst hat. Diese Trennung macht mich schon traurig – und ich denke, so geht es meiner Gemeinde auch.“ Nach 20 Jahren habe sie nun das Gefühl, dass es Zeit wird, sich beruflich zu verändern. Sie habe eine neue Herausforderung gesucht und hat diese in nur knapp neun Kilometern Entfernung beziehungsweise nur eine Autobahnabfahrt weiter gefunden.

Ihren Vorgänger Dietmar Meyer, der die Gemeinde nach sieben Jahren Ende 2020 verlassen hatte, kennt sie nicht erst aus seiner Zeit als Pastor in Sottrum. „Wir haben uns bereits im Studium kennengelernt und hatten auch später Kontakt im Vikariat“, erklärt Ulbrich, die Meyers Arbeit in Sottrum in den vergangenen Jahren verfolgt hat und dabei Gemeinsamkeiten genauso wie Unterschiede erkannt hat.

„Ich spiele zwar auch Gitarre, aber ich bin im musikalischen Bereich nicht so hochbegabt wie er. Was uns dagegen verbindet, ist, dass wir beide offen für alternative Gottesdienstformen sind. Ich bin dabei aber etwas konservativer als er“, glaubt Ulbrich.

Der Wechsel in eine neue Gemeinde bedeute für sie eine große Veränderung. „Als Pastorin hier leite ich dann zwar wie zuvor Gottesdienste, traue Paare, taufe Kinder und übernehme Beerdigungen.“ Aber die Strukturen in Sottrum seien andere, weil dies ein anderer Kirchenkreis ist. „Ich möchte die Gemeindearbeit zusammen mit der zweiten Pastorin Hilke Bauermeister weiter ausbauen, und ich habe dafür bereits Ideen“, erklärt Ulbrich.

Klinkenputzen steht nach meinem Umzug ganz oben auf der Agenda

Pastorin Constanze Ulbrich

Doch zunächst gelte es, die Menschen vor Ort kennenzulernen. „Klinkenputzen steht nach meinem Umzug ganz oben auf der Agenda“, sagt Ulbrich. Sie will mit vielen Menschen sprechen, um möglichst schnell im Ort anzukommen, sich vorzustellen.

Gebürtig stammt Constanze Ulbrich aus Melle. Sie ist aufgewachsen in Gifhorn und studierte Theologie in Göttingen und Heidelberg. Nachdem sie eineinhalb Jahre in der Altenpflege gearbeitet hatte, startete sie ihr Vikariat in Hildesheim. „Im Alter von etwa 30 Jahren kam ich nach Posthausen. Dort hat es für mich gepasst“, betont die Pastorin.

Als Jugendliche spielte sie noch mit dem Gedanken, Logopädin zu werden. „Ich wollte einen therapeutischen Beruf ausüben, auf jeden Fall mit Menschen arbeiten.“ Weil die Kinder- und Jugendarbeit in der Kirchengemeinde sie erfüllte, wählte sie schließlich einen anderen Weg und startete ihr Theologie-Studium.

Bei der Suche nach einer neuen Pastorenstelle legte sie großen Wert darauf, in der Region zu bleiben. „Denn mein Mann ist über 80 Jahre alt. Er ist mein Amtsvorgänger in Posthausen und in der Region verwurzelt. Ich wollte deshalb einen Neustart in einem anderen Kirchenkreis, aber trotzdem die regionale Verbundenheit erhalten.“

Ulbrich habe zwar keine eigenen Kinder, dafür aber zwei Enkelkinder: „Mein Mann ist in zweiter Ehe verheiratet. Aus der ersten Ehe stammen die Enkelkinder, die inzwischen acht und zwölf Jahre alt sind. Mit Ende 30 musste ich mich also schon Oma nennen lassen, das habe ich aber mit Fassung getragen“, sagt Ulbrich und lacht.

Auch in ihrer Zeit als Pastorin in Posthausen habe sie großen Wert auf Kinder- und Jugendarbeit gelegt, die sie dort weiterentwickelt habe, ebenso den Konfirmandenunterricht: „Der glich früher einem frontalen Schulunterricht, inzwischen gehen wir projektorientiert vor und setzen auf Freizeitpädagogik.“

Die Kirchengemeinde Sottrum sieht sie in diesem Bereich bereits gut aufgestellt: „Sie sind dort sogar weiter als die Kirchenregion, aus der ich komme. Ich bin gespannt darauf, wie hier gearbeitet wird, und möchte meine Erfahrungen einbringen.“

Ihre Stellenbeschreibung interpretiert sie so: „Die Gemeinde hat jemanden gesucht, der solide pastorale Arbeit macht. Das liegt mir. Ich bin eine Pastorin, die nahbar ist, die die Kirche zu den Menschen bringt und immer ansprechbar ist. Ich habe das gesuchte Portfolio mit meinem abgeglichen und habe das Gefühl, dass es sich passgenau gleicht. Darum habe ich mich beworben.“

Ulbrich bedauert, dass der Stand der Kirche in den vergangenen Jahrzehnten schwieriger geworden ist. „Ich sehe darin eine Herausforderung und die Chance, der Folgegeneration die Bedeutung der christlichen Botschaft zu vermitteln.“ Sie will dafür in den Dialog gehen und die Vorurteile von Menschen abbauen, die die Kirche für „verstaubt, unattraktiv und überholt“ halten. „Wenn ich das höre, hole ich einmal tief Luft und setzte gute Argumente aus meiner Sicht dagegen. Ich lade zu meinem Gottesdienst ein, der nicht immer klassisch sein muss, sondern auch Pop- und Rockmusik genauso wie Jazz beinhalten darf.“

Auch interaktive Elemente müssten künftig eine größere Rolle spielen, wenn die Kirche die Menschen erreichen will, glaubt Ulbrich. Dies habe die Corona-Pandemie gezeigt. „Ich bevorzuge aber den analogen Gottesdienst.“

In den vergangenen Monate habe sie ein neues Hobby für sich entdeckt: „Als ich wegen des Lockdowns nicht mehr in die Muckibude konnte, habe ich begonnen, Rennrad zu fahren. Vielleicht startet die Gemeinde ja beim nächsten Stadtradeln dann mit einem eigenen Team“, überlegt sie. In ihrer Freizeit gehe sie außerdem gerne auf den Nordpfaden wandern und habe dort bereits Pilgertouren angeboten. „Ich bin gerne draußen. Man kann sagen, ich bin ein Outdoorfreak“, sagt Ulbrich und lacht. Ihr falle es leicht, mit Menschen ins Gespräch zu kommen. „Ich höre mir gerne Lebensgeschichten an, von älteren Menschen genauso wie von Jüngeren. Das finde ich überaus spannend. Ich kann sehr gut zuhören.“ Schwer falle ihr dagegen die Büroarbeit, die sie „mit viel Disziplin, aber nicht gerne“ erledigt.

Musik sei für sie ein wichtiger Bestandteil des Gottesdienstes, ihr liebstes klassisches Kirchenlied „Jesus Christus herrscht als König“. Das Lied werden auch die Besucher ihrer Gottesdienste häufig hören, begleitet von der dann gestimmten Orgel in der St.-Georg-Kirche. Als sich Ulbrich verabschiedet, haben auch die Handwerker ihre Arbeit beendet.

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