Christiane Looks hat mit dem Landschaftsrahmenplan eine zusätzliche Arbeitsgrundlage

Wasserqualität bringt Bestnote

+
Der Ahauser Bach kurz hinter dem Zufluss des Everser Bachs: Ab dort ist die Wasserqualität nicht mehr in Ordnung.

Eversen - Von Bettina Diercks. Seit vergangenem Juli ist Christiane Looks aus Eversen die Naturschutzbeauftragte im Südkreis. Kürzlich wurde der Landschaftsrahmenplan (LRP) für den Kreis veröffentlicht und liefert Looks neben einer zusätzlichen Arbeitsgrundlage auch einige Aha-Erlebnisse.

„Der LRP ist ein Fachgutachten. Seit Mai 2013 hat das Adland-Planungsbüro alte Luftaufnahmen mit neuen verglichen und nimmt vor allem Naturschutzbelange wahr“, erklärt Looks. „Die Planer werten nicht, sie stellen den Stand der Dinge fest. In einigen Bereichen machen sie Kernaussagen über den ganzen Landkreis. Das finde ich sehr interessant. Sie machen qualifizierte Aussagen und bestimmen den Ist-Zustand.“

Die pensionierte Lehrerin beeindrucken besonders die Veränderungen im Grünlandbereich. „Das ist schon beachtlich. Zur Jahrtausendwende war das Verhältnis 50/50, heute ist es ein Drittel zu zwei Drittel. Und die vielen Umbrüche zum Jahreswechsel 2014/15 sind nicht berücksichtigt.“

In Ahausen liegt der Grünlandanteil laut LRP unter 30 Prozent, in Eversen zwischen 31 und 40 Prozent – gerechnet auf alle landwirtschaftlichen Flächen der Gemeinde. Gut die Hälfte der Gesamtfläche Ahausens wird landwirtschaftlich genutzt. 66 bis 80 Prozent der Ackerflächen in Ahausen werden mit Mais beziehungsweise Hackfrüchten bestellt, in Eversen liegt der Flächenverbrauch dafür unter 50 Prozent. „Das ist so, darüber lässt sich nicht diskutieren“, sagt Looks.

Der stark gestiegene Maisanbau ist laut LRP auf die Energiewende zurückzuführen: „Auf mehr als der Hälfte der Maisanbaufläche wird Energiemais angebaut (Landwirtschaftskammer 2014) und die Zahl der Biogasanlagen im Landkreis ist ebenfalls stark angestiegen. Die Zahl genehmigter Biogasanlagen nahm bis Ende 2014 von 37 (Zeitraum 2001 bis 2004) auf 149 zu.“

Looks hat ein Faible für Gewässer und fand auch dabei Interessantes, was ihr Heimatdorf betrifft. Bestnoten bekamen der Ahauser Bach (früher Aue) und Everser Bach für ihre Wasserqualität. Kurz hinter dem Zufluss des Everser Bachs in die Aue verschlechtern sich deren Zustände rapide. „Mäßig“ lautet das LRP-Qualitäts-Urteil.

Begründung: Fast unmittelbar nach dem Zusammentreffen der beiden Gewässer nimmt die intensive Bewirtschaftung der Flächen am Bach zu, der Nitrateintrag steigt, die Wasserqualität sinkt. „Ab 2016 müssen die Landwirte vier Meter Abstand zum Gewässer halten. Außerdem sind Prallteller bei der Gülleausbringung verboten“, hofft Looks auf Besserung. Sie wünscht sich für den Ahauser Bach ein Naturschutzgebiet wie entlang der Veerse. „Der Landschaftsrahmenplan gibt einen sehr allgemeinen Ausblick. Zum Beispiel bei Ausgleichsflächen. Vielleicht wird aus Ackerland doch wieder Grünland. Wenn künftig Betriebe aufgeben, könnten sich perspektivisch die Gemeinden etwas zulegen und einen Flächenpool bilden. Der darf ökologisch nicht aufgewertet werden“, so Looks.

Neu aufgenommen und damit erstmals dargestellt im Landschaftsrahmenplan sind Biotope. Die Experten des Adland-Planungsbüros empfehlen, künftig breitgefächerte Landschaftsmosaike zu planen und sogenannten Trittsteine zu fördern, um Biotopverbünde – wieder – herzustellen. „Das ist das erste Mal, dass darüber nachgedacht wird: Wie vernetzt man das?“, so Looks begeistert. Künftig werde deshalb bei Planungen darauf geachtet, dass die auf einer Karte grafisch dargestellten Suchraum-Korridore für Biotopverbünde, nicht berührt und damit kaputt gemacht werden. Auf der Karte zu entdecken ist, dass eine Verbindung vom Spanger Forst über Bortel, Bockel, Altes Dorf, Lehmhoop und Wiehoop bis hin an den Waldzug an der Ahauser Mühle wünschenswert gesehen wird.

„Ahausen wird die besondere ,Entwicklungsaufgabe Erholung‘ nahegelegt“, berichtet die Naturschutzbeauftragte. Ein Aha-Erlebnis sei für sie der Bereich Forstwirtschaft gewesen. „Das so hochgelobte Löwe-Programm ist wohl doch nicht so gut“, erklärt Looks weiter. „Im LRP wird gesagt, ,bitte nicht so viele fremde Baumarten einsetzen‘, zum Beispiel Douglasie.“ Der Wunsch der Planer, mehr Rückepferde als Harvester einzusetzen, käme auch den Vorstellung der Naturschutzbeauftragten entgegen, Wald zu bewirtschaften. Durch die häufigen und heftigen Eingriffe seien die Wälder nicht mehr wie früher von Pilzen geprägt, sondern von Brom- und Himbeeren und spätblühender Traubenkirsche.

Etwas, das auch für die Ahauser Geest gilt: „Der Nadelholzanteil liegt im Landkreis Rotenburg mit 57 Prozent immer noch über dem Laubholzanteil. Der Umbau von Nadelforsten zu natürlichen Waldgesellschaften ist somit auch außerhalb von Schutzgebiete verstärkt zu fördern. In diesem Sinne ist ebenfalls die Naturverjüngung zu fördern und nicht standortheimischer Jungwuchs zu bekämpfen“, heißt es im LRP.

Bei allen Eingriffen findet die Naturschutzbeauftragte im Südkreis es wichtig, dass alle aufeinander zugehen und sich darüber verständigen: „Jeder muss seinen Beitrag leisten. Es kann auch nicht sein, dass die Landwirte so viele Auflagen bekommen und die Forstwirtschaft nicht.“

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Sommerreise: Auf hölzernen Pfaden durch die Moorwelten Ströhen

Sommerreise: Auf hölzernen Pfaden durch die Moorwelten Ströhen

Weltrekordversuch im Dauertennis in Marhorst

Weltrekordversuch im Dauertennis in Marhorst

Sommerreise: Zu Gast im Tierpark Ströhen 

Sommerreise: Zu Gast im Tierpark Ströhen 

Diepholzer Feuerwehren helfen im Hochwasser-Krisengebiet

Diepholzer Feuerwehren helfen im Hochwasser-Krisengebiet

Meistgelesene Artikel

Kreisbereitschaft Rotenburg Süd auf dem Weg nach Goslar

Kreisbereitschaft Rotenburg Süd auf dem Weg nach Goslar

Fünfköpfige Familie übersteht schlimmen Unfall leicht verletzt

Fünfköpfige Familie übersteht schlimmen Unfall leicht verletzt

Landwirt hätte gerne vorher über Ausgrabungen Bescheid gewusst

Landwirt hätte gerne vorher über Ausgrabungen Bescheid gewusst

Auto prallt frontal gegen Baum - Fahrerin schwer verletzt

Auto prallt frontal gegen Baum - Fahrerin schwer verletzt

Kommentare