Christian Seitz hat Trisomie 21 und spielt Prellball beim TV Sottrum

Er gehört dazu

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Der 14-Jährige (hinten, 2.v.r.) hat viel Spaß beim Prellball und den Spielern der C- und D-Jugend.

Sottrum - Von Antje Holsten-Körner. Christian Seitz schlägt den Prellball souverän ins gegenüberliegende Feld. Im Tennis wäre es ein As, denn kein Gegner bekommt den Ball unter Kontrolle. Wer die technische Ausführung sieht, verschwendet keinen Gedanken daran, dass der 14-Jährige ein Handicap haben könnte. Da bei ihm aber das 21. Chromosom dreifach vorhanden ist, hat er Trisomie 21, bekannt als Down-Syndrom.

Als Christian vom Kindergarten in die Grundschule gewechselt ist, suchte seine Mutter, Britta Seitz, eine passende Sportart für ihn. „Hand- und Fußball schieden aus, denn dort sind viele Regeln zu beachten und es gibt oft große Gruppen“, erzählt die 48-Jährige, die selbst viele Jahre beim TV Sottrum Handball spielte. Bei einem Gespräch mit Dorothee Heinze, die damals das Kinderturnen leitete, an dem Christian und seine jüngere Schwester Melanie teilnahmen, schlug sie Prellball vor. Das war im Frühjahr 2008. Gleich der erste Besuch beim Training war ein voller Erfolg. Nicht nur für Christian.

„Mama, das macht ja Spaß“, schwärmte auch die damals sechsjährige Melanie. Nur wenige der anderen Kinder hatten zuerst Berührungsängste. „Weil Volker Heinze, der Leiter der Prellballabteilung, aber die Ansage gemacht hat, dass Christian dazugehört, war es kein Problem mehr“, erinnert sich Britta Seitz.

Während des Besuchs der Kreiszeitung beim Training geht es auf dem Spielfeld hin und her. „Chrissi, unser Punkt“, sagt Volker Heinze. Christian weiß Bescheid, dass die anderen die nächste Angabe machen dürfen. Der 14-Jährige beherrscht viele Regeln, doch es klappt nicht immer. „Als er noch jünger war, hat er in einem Team, das außer Konkurrenz antrat, mitgespielt“, erzählt Heinze. „Jetzt geht das bei den Kleinen nicht mehr, denn die Bälle spielt er so hart, dass er die Kinder damit umhauen könnte.“ In Kürze bekommt er aber wieder die Gelegenheit dazu, denn dann stellt der Trainer ein Team außer Konkurrenz zusammen.

Da Christian nur selten die Gelegenheit hat, richtig mitzuspielen, darf er als einziger im Training das Trikot tragen. Wichtig ist Heinze, dass der 14-Jährige sonst beim Training über keinen Sonderstatus verfügt. Wenn es allerdings notwendig ist, darf er sich aber während der anderthalb Stunden in der Halle eine Auszeit nehmen und am Spielfeldrand beschäftigen. Auch dabei lernt er: Vieles, womit er auf dem Spielfeld glänzt, hat er abgeschaut. „Der Unterarmschlag, den Christian beherrscht, ist sehr schwierig, denn man sieht den Ball dabei nicht“, lobt Verena Ehlert, die mit Volker Heinze und Anneke Schulz zu den Prellball-Trainern gehört.

Auch zu Hause dreht sich für Christian viel um Aktivitäten mit einem Ball. Genauso wie Prellball reizt ihn Fußball. Die Lust am Ballsport ist ihm nicht nur durch seine Mama in die Wiege gelegt worden, denn sein Papa, Bernd Seitz, bei dem die Kinder jedes zweite Wochenende in Sottrum sind, ist selbst Prellballer. „Christian ist einfach ein Bewegungskind. Sport ist ideal, weil er sich auspowern kann“, so Britta Seitz, „und beim Sport steht er den Gleichaltrigen in nichts nach“. Wie viele „Downies“ ist er ein Sonnenschein-Kind, denn er lacht viel und ist einfühlsam. Er ist sogar so selbständig, dass er alleine mit dem Fahrrad von Daverden, wo er jetzt zu Hause ist, zur Schule fährt. Ein Problem ist aber, dass er trotz Logopädie oft schwer zu verstehen ist. Beim Prellball wird er manchmal ungeduldig, wenn seine Mitspieler nicht wissen, was gemeint ist.

Auf dem Spielfeld fliegt der Ball von einer Seite zur anderen. Einmal darf er auftrumpfen, bevor er angenommen werden muss. Gerade prellt das runde Leder bei Christian zweimal auf, doch das sieht niemand eng. Als der 14-Jährige dann den Ball ins gegenüberliegende Feld schmettert, ist er für die anderen unerreichbar. Für den gewonnenen Punkt klatscht Christian mit Anneke Schulz ab. „Jeder der sich mit ihm beschäftigt, hat eine Engelsgeduld“, lobt Christians Mama das Engagement der Prellballer. Ein großes „Dankeschön“ hat sie für Volker Heinze, der sich von der ersten Minute an mit ihrem Sohn beschäftigt hat.

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