Wahl des Bürgermeisters

Wahl in Sottrum: CDU nominiert Wolf Linne, doch der schmeißt hin

Die Bürgermeisterwahl in der Samtgemeinde gerät zur Seifenoper.
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Die Bürgermeisterwahl in der Samtgemeinde gerät zur Seifenoper.

Der Bürgermeister-Wahlkampf in Sottrum wird zur Farce. Die CDU-Mitglieder sprechen sich nun auch für Wolf Linne als Kandidaten aus. Der aber schmeißt hin.

Sottrum – Es fehle an Verlässlichkeit und Ehrlichkeit. Wolf Linne, ursprünglich gemeinsamer Kandidat von CDU, SPD, Grüne und FDP für das Samtgemeinde-Bürgermeisteramt, hat seine Kandidatur zurückgezogen. Er zieht damit die Konsequenzen aus den Ereignissen der vergangenen beiden Wochen, als ihm die Christdemokraten lange die Rückendeckung verweigerten, nachdem Robert Abel um Ostern (FDP) seine Bewerbung bekannt gegeben hat. Am Donnerstagabend sprachen sich die CDU-Mitglieder dennoch offiziell für Linne als Kandidaten aus. Doch da war es schon zu spät. Das Ringen um das Bürgermeisteramt in Sottrum entwickelt sich zur Seifenoper – die Samtgemeinde versinkt im kommunalpolitischen Chaos.

Das Wort „Katastrophe“ war am Freitag von vielen Politikern in der Samtgemeinde zu hören. Die betroffenen Parteien, CDU, SPD und Grüne, wollen nun die Lage neu bewerten, die nächsten Schritte ausloten – so lautet zumindest übergreifend der offizielle Wortlaut.

Teile der CDU seien „verlogen“

Linne, Abel und Direktkandidat Holger Bahrenburg waren am Donnerstag bei der CDU eingeladen, um sich noch einmal den Mitgliedern vorzustellen. Schon auf dem Heimweg, vor der Abstimmung, hat Linne eigenen Angaben zufolge im Kopf bereits seine Absage formuliert. Gegenüber der Kreiszeitung spricht er von „Verlogenheiten“, denen er im Zweifel nicht fünf Jahre lang ausgesetzt sein wollte. Gegen 21.30 Uhr sendet er die Absage, die der Redaktion vorliegt, an Wahlleiterin Kerstin Wendt. Ihm sei es wichtig gewesen, diesen Schritt noch vor der CDU-Abstimmung zu gehen, sagt Linne.

Er wollte die Entscheidung unabhängig vom Ausgang der Abstimmung getroffen haben wissen. Er habe Sachpolitik betreiben wollen, doch zuletzt sei bei der CDU hinter seinem Rücken agiert, gar intrigiert worden. Oder wie er es gegenüber der Wahlleiterin formulierte: Er habe feststellen müssen, „dass zwei der vier im Samtgemeinderat vertretenen Parteien weder fähig noch bereit sind, offen und verlässlich zu kommunizieren und zu agieren. Vor diesem Hintergrund sind die Voraussetzungen für eine produktive und vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Teilen des (potenziellen) Samtgemeinderates und mir, als potenziellem Samtgemeindebürgermeister, für die nächsten fünf Jahre nicht gegeben.“

CDU wirkt unglücklich

Nun ist man zumindest aus Sicht von CDU, SPD und Grüne praktisch wieder auf dem Stand vom Herbst vergangenen Jahres. Gemeinsam hatte man sich damals mit einer Findungskommission auf die Suche nach einem Kandidaten gemacht und mit Wolf Linne auch gefunden.

Der Leiter des Rechnungsprüfungsamtes des Landkreises schien aus Sicht der Kommission damals ideal zu sein, er hatte die Rückendeckung aller vier Parteien jedoch zur Voraussetzung gemacht. Den Alleingang der FDP hätte er politisch verschmerzen können, einen „Wortbruch“ der CDU, wie es zuletzt häufig von verschiedenen Seiten formuliert wurde, weniger.

Dass die Christdemokraten mehrheitlich trotzdem für den Unterstedter stimmten, birgt eine Menge Raum für Spekulationen über Zustand und Strukturen der Partei, selbst auf Ortsebene. Diplomatisch formuliert: Derartige Vorkommnisse wie zuletzt in der Samtgemeinde Sottrum sind in der Lokalpolitik unüblich.

SPD und Grüne treffen sich kommende Woche

„Für uns ist das eine überraschende Entwicklung“, kommentiert SPD-Fraktionssprecher im Samtgemeinderat sowie Mitglied der ehemaligen Findungskommission, Wolfgang Harling, die neue Situation. Wie auch der Grünen-Co-Vorsitzende Joris Immenhauser bestätigt, werden sich die Vorstände beider Parteien Anfang kommender Woche treffen und beraten. Ob es einen neuen Kandidaten der SPD und/oder der Grünen geben wird, ist aber noch offen. Nur so viel von Harling: „Robert Abel werden wir mit Sicherheit nicht unterstützen.“

Joris Immenhauser bedauert den Rückzug Linnes „extrem“, auch wenn er den Schritt menschlich verstehen könne. Der „Schlingerkurs der CDU“ sei ganz klar das Problem gewesen, notwendiges Vertrauen sei zerstört worden.

Die CDU selbst äußert sich am Freitagvormittag in einer Pressemitteilung ihr Bedauern und ihre Verwunderung über den Rückzug Linnes. „Über die weitere Vorgehensweise müssen nun erneut die Gremien der Partei entscheiden“, es folgt eine lange Rechtfertigung für das Vorgehen des Ortsvereins, der demnach entsprechend seiner Satzung handeln wollte. Der Sprecher der CDU-Samtgemeinderatsfraktion, Hans-Jürgen Krahn, kündigt gegenüber der Kreiszeitung eine weitere Stellungnahme der Christdemokraten an.

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