Bürgerenergiegenossenschaft mit großen Plänen

Carsharing in Sottrum?

Ein E-Auto des Carsharing-Anbieters Cambio. Eine Vorlage für Sottrum?
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Ein E-Auto des Carsharing-Anbieters Cambio. Eine Vorlage für Sottrum?

Sottrum – „Wir lieben große Dächer.“ Gilberto Gaidano lacht auf. Er ist Vorstandsmitglied der Bürgerenergiegenossenschaft Sottrum (BEGS), die sich zur Aufgabe gemacht hat, ihren Beitrag zum Erreichen der Klimaziele zu leisten, und das bevorzugt mit Fotovoltaik-Anlagen. Im kommenden Jahr will die BEGS zudem ein Carsharing-Angebot mit Elektroautos in die Wege leiten und im Frühjahr mit den Mitgliedern in die Testphase gehen. Zuletzt war die BEGS immer wieder Thema, wenn es darum ging, Dächer im kommunalen Besitz mit Fotovoltaik-Anlagen zu versehen. Doch was steckt eigentlich hinter der Genossenschaft?

Die Idee sei Anfang der sogenannten 10er-Jahre entstanden, so Lühr Klee, Mitglied des Aufsichtsrates. „Wir wollen den Bürgern nachhaltige Energie näher bringen und beteiligen.“ Auf diesem Wege wolle man die Akzeptanz fördern. Am liebsten auf kommunalen Flächen, doch noch sei die Initiative nicht auf viel Wohlwollen gestoßen. Mit 25 Gründungsmitgliedern sei die BEGS in den vergangenen neun Jahren auf etwa 50 Mitglieder angewachsen, sagt Aufsichtsratsvorsitzender Stefan Hunsche. Alle möglichen Altersstufen machten mit.

Ihnen gehören die Fotovoltaik-Anlagen auf dem Sottrumer Feuerwehr-Haus, auf der Sporthalle der Grundschule am Eichkamp sowie auf einer privaten Halle an der Straße „An der Riege“. 130 000 Kilowattstunden im Jahr werden somit erzeugt. „Wir versorgen theoretisch alle unsere Mitglieder“, sagt Vorsitzender Gaidano. Zudem ist die BEGS an einem Windpark bei Hannover beteiligt. Eine Million Kilowattstunden sei der Anteil groß und diene in erste Linie dazu, die laufenden Kosten der Genossenschaft zu decken. „Hannover hat einfach für uns gepasst“, sagt Gaidano. Wobei man sich auch ein Windrad in Sottrum vorstellen könne, etwa am Klärwerk. Die erzeugte Energie könnte die Anlage nutzen. Doch bislang findet diese Idee wenig Gegenliebe.

Vielleicht trifft das nächste große Projekt der BEGS mehr den Geschmack der Sottrumer. Im kommenden Jahr möchte man ein E-Auto-Carsharing in Sottrum anbieten – zunächst als Probephase für die Mitglieder. Die Verantwortlichen stehen in Verhandlungen mit den Autohäusern im Ort, ob sie Fahrzeuge testweise zur Verfügung stellen würden. Diese parken dann an einem zentralen Punkt. Die Absprache unter den Mitgliedern, wer gerade Bedarf hat, erfolgt zunächst niederschwellig über eine Whatsapp-Gruppe. Bewertet die BEGS den Probebetrieb – angepeilt ist ein Zeitraum von März bis Mai – für gut, wird das Carsharing groß aufgezogen, mit App und allem, was dazu gehört. Nutzer müssen dann zahlen, um die Kosten zu decken.

„Carsharing ist ein schwieriges Projekt auf dem Land“, weiß Lühr Klee. Mit nur einem Auto mache das auch keinen Sinn. Sie sollen mit Fotovoltaik-Anlagen aufgeladen werden. Laut Gaidano habe man Kontakt mit größeren Unternehmen in diesem Segment aufgenommen und sich beraten lassen. Die Art, wie solche Modelle in Großstädten funktionieren, ließen sich aufgrund der Größenverhältnisse nicht so einfach auf Sottrum übertragen. „Wir wollen ein elegantes Paket schnüren“, sagt Gaidano. Er ist optimistisch, was die Testphase mit den Mitgliedern anbelangt. „Der Vorteil ist, unsere Mitglieder sind bereits für das Thema sensibilisiert.“ Parallel dazu ist die Genossenschaft immer noch weiter auf der Suche nach den großen Dächern. Ein Auge hat sie auf das Sottrumer Gymnasium geworfen, und vielleicht erlebt die Windrad-Idee am Klärwerk irgendwann ihre Renaissance. Gaidano: „Wir sind immer offen für Kooperationen.“ Selbst wenn Investoren nach der Beratung auf eigene Faust weitermachen. „Dann ist unser Ziel trotzdem erreicht.“

Die Bürgerenergiegenossenschaft

Die Bürgerenergiegenossenschaft Sottrum (BEGS) ist 2011 aus der Taufe gehoben worden und hat heute etwa 50 Mitglieder. Der Vorstand setzt sich zusammen aus Gilberto Gaidano und Jens Cordes. Im Aufsichtsrat sitzen Stefan Hunsche, Lühr Klee und Stefan Bruns. In den neun Jahren ihres Bestehens hat die BEGS drei Photovoltaik-Projekte auf Sottrumer Dächern ins Rollen gebracht, dazu ist man an einem Windpark bei Hannover beteiligt. Sie sei laut Vorstand nicht gewinnorientiert. Eine Rendite wurde noch keine ausgeschüttet.

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