Caroline Bartelingh ist Kleintierphysiotherapeutin in Ahausen und setzt auf alternative Methoden

Der Wunsch, Tieren zu helfen

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Caroline Bartelingh nutzt die Blutegel für ihre Behandlungen.

Ahausen - Von Bettina Diercks. Blutegel zum Frühstück. Das muss man erstmal aushalten. Für Caroline Bartelingh aus Ahausen kein Problem. Allerdings vernascht sie die Moränenartigen im Miniformat nicht. Die 27-Jährige ist Tierheilpraktikerin und -physiotherapeutin und benötigt sie für heilende Prozesse.

„Zu Anfang habe ich mich schon geekelt. Ich, mit meiner Schlangenphobie“, sagt Bartelingh. Und wirklich, sie haben etwas schlangenhaftes, die Egel, die sich am geschundenen Tier am liebsten selbst die Stellen suchen, wo sie saugen möchten.

Bartelingh lässt sie gewähren, obwohl in der klassischen Lehre erst ein kleiner Schnitt am Patienten vorgenommen wird, damit ein Blutstropfen erscheint und die Egel zubeißen, erklärt sie. „Die wissen selbst am besten, wo die richtige Stelle ist. Ich habe damit gute Erfahrungen gemacht, sie selbst suchen zu lassen. Das sind sowieso alles kleine Prinzessinnen. Bei Gewitter brauche ich es zum Beispiel gar nicht versuchen. Dann wollen sie einfach nicht.“

Seit zweieinhalb Jahren praktiziert die gelernte Hundegesundheitstrainerin und Kleintierphysiotherapeutin in Ahausen, wendet Kräuter, Laser, Bioresonanztherapie, Akkupunktur, Osteopathie, Massagen und Cranio-Sacral-Therapien an. Davor hatte sie mit einer Tierheilpraktikerin zusammen in Stuckenborstel wie auch in Bremen eine Praxis. Ihrer Kollegin lag die Selbstständigkeit allerdings nicht. So trennten sich die Wege. Bartelingh gefiel die Arbeit der Tierheilpraktikerin und sie ließ sich – neben ihrem Job – selbst dazu an der ATM Lehreinrichtung für Alternative Tiermedizin in Bad Bramstedt ausbilden. „Dümmer wird man dadurch ja nicht. So konnte ich mein Behandlungsspektrum erweitern“, sagt die 27-Jährige, die mit Leib und Seele ihren Berufen nachgeht und ursprünglich Tierärztin werden wollte. „Doch da muss ich dann auch mal ein Tier einschläfern, und dazu bin ich zu zart besaitet.“ Wenn ihre Kunden Rotz und Wasser heulen, leidet die Tierphysiotherapeutin mit. Sie liebt es, ihr Hobby zum Beruf gemacht zu haben.

Der Wunsch, Tieren zu helfen, entstand früh. Mit fünf fing Bartelingh an zu reiten. „Seitdem hatten wir immer Pferde und Hunde. Und immer welche, die krank waren“, sagt die frühere Dressurreiterin, die vor zehn Jahren aufgehört hat zu reiten. Von Berufs wegen. Mit einem ihrer Pferde fuhr sie drei Jahre lang durchs Land, von Tierarzt zu Tierarzt, von Klinik zu Klinik. Da festigte sich der Entschluss, Tieren helfen zu wollen und sie merkte, wie sie sich für alternative Behandlungsmethoden interessierte.

Ihr Engagement und Ruf brachte ihr dann auch schon das eine oder andere Tier ein, dass sie zu Hause beherbergt. Der Tierschutz aus Köln rief an und vermittelte zwei Pferde an sie. Eines davon hatte einen kranken Huf und war dem Schlachter nahe. Bartelingh nahm die beiden Stuten bei sich auf und behandelte die kranke Bianca, ein 16-jähriges schweres Warmblut, mit ihren alternativen Methoden. Der Huf hat sich soweit gebessert, dass sie vor kurzem das erste Mal aufsteigen konnte. Bartelingh strahlt bei dem Gedanken daran und sagt: „Vom Schlacht- zum Reitpferd“.

Noch extremer erscheint der Fall, den sie aus Rumänien bekommen hat: Die Mischlingshündin Fee wurde überfahren am Straßenrand liegen gelassen. Zwar hat sie jemand aufgelesen und operieren lassen, doch der Eingriff an der Wirbelsäule misslang. Seitdem schleift die Hündin ihr Hinterteil hinter sich her. In Ahausen ist sie mit einem Rolli zu sehen, auf dem sie quasi liegt und sich rasend schnell mit den Vorderbeinen vorwärts ziehen kann. „Mittlerweile kann sie beim Fressen stehen“, sagt die Tierheilpraktikerin stolz.

Schlimm für Bartelingh ist, mit wie wenig Wissen Tierhalter oft mit ihren Vierbeinern umgehen. „Gerade bei Kleintieren sind Allergien mehr geworden. Wenn ich die Deklarationen auf dem Tierfutter sehe, frage ich mich oft, was daran noch artgerecht sein soll. Oft sind die Tiere übersäuert.“ Hinzu kommen, zu wenig Bewegung und schlechte oder falsche Auslastung.

Auch bei Pferden ärgert sie sich, dass sie oft eine schlechte Heuqualität entdeckt und viele mit Glück zwei Stunden am Tag rauskommen. „Wie soll ein Tier bei schlechter Haltung gesund bleiben?“, fragt Bartelingh. Erkennt sie Krankheiten, grenzt sie ganz klar ab, was sie kann oder was besser in den Händen eines Tierarztes aufgehoben ist. Etwas, von dem sie gar nichts hält, ist Chiropraktik: „Ich halte nichts davon, alles, was kalt ist, zu bewegen. Oft ist das nicht nachhaltig.“ Einer ihrer Fälle mag ihr recht geben, als ein Therapeut beim Einrenken eines Pferdes die Arthrose im Fesselgelenk abriss.

Ihre Beobachtungen und Erfahrungen waren für sie Anlass, ein Buch zu schreiben: „Mein Hund – natürlich gesund“. Die Jungautorin: „Das beginnt mit der Auswahl des passenden Hundes, über die Gesunderhaltung ab Welpenkauf bis hin zum Senior.“ Das Buch erscheint im November im Eigenverlag und enthält laut Bartelingh viele Ratschläge, wann und wie Hunde von ihren Besitzern selbst behandelt werden können. Beim Buch und im täglichen Leben ist ihre Mutter Heike ihr eine große Stütze. In Kinder- und Jugendtagen behielt sie die Nerven bei all den Krankheiten der Vierbeiner, in Ahausen hütet sie die Tiere, wenn Caroline Bartelingh unterwegs bei ihren Kunden ist, und hat alles für das Buch erfasst, was ihre Tochter niedergeschrieben haben wollte.

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