Bürokratie belastet das Ehrenamt

Hat für den TSV Bötersen/Höperhöfen viel Papierkram zu erledigen: Frank Ottens. Foto: Daus

Wer im Sportverein ist, will auf den Sportplatz. Wer im Schützenverein ist, will auf den Schießstand. Diese Reihe lässt sich endlos fortsetzen. Zur Realität gehört aber, dass insbesondere Vereinsvorstände ihre Zeit immer mehr im Büro verbringen müssen.

VON MATTHIAS DAUS

Bötersen – Dass die Bürokratie immer mehr um sich greift und in vielen Berufen zu einem belastenden Faktor geworden ist, lässt sich kaum wegreden. Wer will dann auch noch in seiner Freizeit mit Papierkram zu tun haben? Trotzdem gehören immer größere Regularien und ihre Umsetzung zum Alltag im Vereinsleben. So war Bürokratie zum Beispiel beherrschendes Thema auf der jüngsten Jahreshauptversammlung des Hassendorfer Schützenvereins, obwohl es gar nicht auf der Tagesordnung stand. Neue Vorschriften würden die Arbeit nicht nur erschweren, sondern lassen sie auch immer größer werden.

Doch nicht nur die Hassendorfer Schützen können darüber klagen. Überall, wo ehrenamtliche Arbeit verrichtet wird, ist dieser Trend seit einigen Jahren spürbar. Auch bei Frank Ottens aus Bötersen. Seit fast 20 Jahren ist er im Vorstand des TSV Bötersen/Höperhöfen tätig, die meiste Zeit als Kassenwart. Ein Posten, bei dem er immer viel mit Gesetzesvorgaben, Regularien und Bestimmungen zu tun hatte. Und in den Jahren als Verwalter der Finanzen des Vereins hat er ein immer größer werdendes Aufkommen dieser Regelwerke bewältigen müssen.

„Natürlich ist mir klar, dass man viele Dinge eindeutig festlegen und regeln muss“, sagt er. Aber gerade bei kleineren Vereinen solle man vielleicht mehr mit Fingerspitzengefühl agieren. Die Unterschiede zu seinen Anfangszeiten im Vorstand seien eindeutig: „Als ich damals anfing, wurde ich im Prinzip ein Stück weit ins kalte Wasser geworfen und musste mir vieles erarbeiten, was dieser Posten an Aufgaben mit sich bringt“, erklärt er. Das sei damals durchaus noch möglich gewesen. Es habe zwar zu der Zeit bereits viele der Regeln gegeben, die heutzutage greifen, aber die Umsetzung war nicht immer in der letzten Konsequenz erforderlich. Es habe Grauzonen gegeben. „So ein Herangehen an diesen Posten ist jetzt nicht mehr möglich. Heute muss man im Prinzip eine Mischung aus verschiedenen Berufen im Finanz- und Steuersektor mitbringen, damit man dem Ganzen überhaupt noch gerecht werden kann“, formuliert er etwas überspitzt.

Der erste große Punkt war die Umstellung auf Iban und das damit verbundene Sepa-Lastschriftmandat, das viele Veränderungen mit sich brachte. „Das große Problem an der Sache war, dass es keine eindeutigen Informationen für die Umsetzung gab und man sich das alles selbst erarbeiten musste“, beklagt der Bötersener. Eine Informationspolitik, die sich in vielen weiteren Bereichen wie zum Beispiel bei Gema-Gebühren fortsetzte und besonders bei der Datenschutzgrundverordnung zum Tragen kam. Eine weitverzweigte Verordnung, die für Ottens auch den bisher größten Brocken in der Zunahme der Bürokratie im Ehrenamt darstellt.

„Gerade in der Anfangsphase herrschte eine Unsicherheit darüber, was alles auf uns als Verein und besonders auf den geschäftsführenden Vorstand zukommen würde“, erinnert sich der 50-Jährige. Auf Seminaren und Lehrgängen für Vereinsvorstände zu diesem Thema sei damals ein eher düsteres Gesamtbild entstanden. Nicht wenige ehrenamtlich tätige Vorstände hätten sich von all dem überfordert gefühlt.

Mittlerweile habe sich zwar einiges davon wieder relativiert, aber es gäbe trotzdem immer noch viel zu bedenken und einzuhalten. „Ein kleines Beispiel: Unser Mitgliedsantrag war bisher zwei Seiten lang. Mit allem, was wir jetzt dort in schriftlicher Form hinterlegt haben müssen, wird er nun vier Seiten lang und dadurch ganz bestimmt nicht verständlicher werden.“ Natürlich steckt auch jede Menge Arbeit dahinter, diesen Antrag regelkonform zu gestalten und auch in Zukunft immer darauf zu achten, dass er es weiterhin bleibt. Denn wenn eines Bestand habe, dann sei es die Veränderung: Eine Regel, die heute noch gültig ist, könne morgen schon überholt und unwirksam sein. Aber das sei nur ein Beispiel und eher die Spitze des Eisbergs.

Die Probleme seien vielschichtig und neben dem immens großen Arbeitsaufwand seien es auch immer wieder Fragen der Haftung, die die Vorstandsmitglieder belasteten. „Wenn man das alles summiert, muss man einfach auch mal festhalten, dass es auf diese Weise nicht unbedingt einfacher wird, Nachwuchskräfte für ehrenamtliche Tätigkeiten zu finden. Und das ist so schon nicht gerade leicht“, sagt Ottens.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Streetfood-Feeling für zu Hause

Streetfood-Feeling für zu Hause

Der Jeep Gladiator lohnt nur für Image und Gelände

Der Jeep Gladiator lohnt nur für Image und Gelände

Trump gegen Greta in Davos: Das Rededuell um den Klimaschutz

Trump gegen Greta in Davos: Das Rededuell um den Klimaschutz

Linsen vor dem Kochen keimen lassen

Linsen vor dem Kochen keimen lassen

Meistgelesene Artikel

Rotenburger CDU hat ihren Kandidaten für die Wahl 2021 gefunden

Rotenburger CDU hat ihren Kandidaten für die Wahl 2021 gefunden

Ärger nach Trecker-Demo: Landwirte beseitigen Spuren des Protests

Ärger nach Trecker-Demo: Landwirte beseitigen Spuren des Protests

Große Party im Zweijahrestakt

Große Party im Zweijahrestakt

Erfolglose Suche nach Vermisstem: Nachbarn finden toten Mann im Garten

Erfolglose Suche nach Vermisstem: Nachbarn finden toten Mann im Garten

Kommentare