Was vor der Wahl übrig bleibt

Bürgermeisterwahl in Sottrum: Der Dreikampf

Ein Mann wirft seinen Wahlbrief in die Wahlurne.
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Ein Mann wirft seinen Wahlbrief in die Wahlurne.

Am Sonntag wählen die Bürger der Samtgemeinde Sottrum ihren neuen Bürgermeister. Was bisher geschehen ist - und was danach kommt.

Sottrum – Es geht auf die Zielgerade: Noch werben sowohl Robert Abel (FDP) als auch Holger Bahrenburg und Nicolas Fricke (beide parteilos) um die Gunst der Wählerin und des Wählers. Alle drei haben das Ziel, am Sonntagabend – spätestens aber nach einer Stichwahl am 26. September – designierter Sottrumer Samtgemeindebürgermeister zu sein. Der jetzige, Peter Freytag (parteilos), tritt bei dieser Wahl bekanntlich nicht mehr an.

Die Samtgemeinde Sottrum steht vor einem Umbruch. Es gibt einiges, dass in den kommenden fünf Jahren entschieden oder zumindest auf den Weg gebracht werden muss: Ganztagsbetreuung an den Schulen zum Beispiel, oder die Neuaufstellung der Samtgemeinde an sich. Es sind drei unterschiedliche Kandidaten in diesem Dreikampf, die der Anführer in dieser Zeit sein wollen. Unterschiedlich sind sie zwar, aber über die Ziele doch recht einig: Bessere Kinderbetreuung, Klimaschutz, Feuerwehren und bürgerfreundlichere Verwaltung sind einige Beispielthemen, mit denen sie zu punkten versuchen. Doch wer ist am besten dafür geeignet, diese Ziele auch umzusetzen? Der langjährige Verwaltungsmann (Bahrenburg)? Der Jurist (Fricke)? Oder doch der Berater (Abel)? Letzterer hat im Wahlkampf schon festgestellt: „Den Menschen ist es glücklicherweise noch wichtig, wie Dinge gemacht werden. Die Ziele ähneln sich, doch die Art und Weise muss sich ändern.“

Holger Bahrenburg

Mit der Kommunalwahl am Sonntag endet zudem ein bemerkenswertes Dreivierteljahr. Ein Wahljahr, das stellenweise mehr einer Seifenoper glich, als einer anständigen lokalpolitischen Debatte. Angefangen hatte alles mit der Bekanntgabe der Kandidatur Bahrenburgs für dieses höchste Verwaltungsamt der Samtgemeinde. Damals wie heute gibt er sich siegesgewiss. Er hofft, am Sonntagabend bereits mehr als 50 Prozent der abgegebenen Stimmen auf sich vereinen zu können. Damit wäre die Stichwahl hinfällig – und der Horstedter damit Samtgemeindebürgermeister.

Anfangs war alles ganz anders geplant

Bahrenburg tritt als Einzelbewerber an, ohne die offene Unterstützung einer Partei zu haben. Fragt man bei den politischen Akteuren nach, sehnen sich viele nach einem ganz neuen Gesicht an der Spitze der Verwaltung. Also niemanden wie Bahrenburg, der fast sein gesamtes Berufsleben im Sottrumer Rathaus verbracht hat. Deshalb ist auch Abel angetreten, deshalb haben SPD und Grüne sich Fricke ausgesucht.

Anfangs hatten noch alle im Samtgemeinderat vertretenen Fraktionen geplant, einen gemeinsamen Kandidaten aufzustellen; jemanden, keinen Stallgeruch hat. Die Suche dauerte lange, schließlich wurde wenige Wochen nach Bahrenburgs Kandidatur der Chef des Rechnungsprüfungsamtes des Landkreises, Wolf Linne, vorgestellt. Doch die eigentlich besprochene Unterstützung aus der vollen Breite der Sottrumer Politik bröckelte schnell. Als Erstes scherte die FDP aus, hielt ihr Samtgemeinderatsmitglied Robert Abel für besser geeignet. Eine CDU-Mitgliederversammlung hatte sich zwar noch mehrheitlich für den Kandidaten Wolf Linne ausgesprochen. Allerdings nicht wissend, dass Linne seine Kandidatur zum Zeitpunkt dieser Wahl in einem Statement gegenüber der Kreiszeitung bereits zurückgezogen hatte. Linne hatte sich zuvor bei der CDU-Versammlung nochmal vorgestellt..

Nicolas Fricke

Das Ergebnis, das aus den gemeinsamen Bemühen aller Parteien übrig geblieben ist, heißt Nicolas Fricke, der immerhin noch von der SPD und den Grünen unterstützt wird. Der Sittensener kann wenige Tage vor dem Urnengang „schwer einschätzen, wie es ausgeht“. Er war in den vergangenen Wochen viel mit Vertretern der Grünen und der SPD unterwegs, um unter anderem klassisch Haustürwahlkampf zu machen. In Sottrum war er bis zu seiner Kandidatur unbekannt, und auch sein Wohnort außerhalb der Samtgemeinde wurde seinen Worten nach immer wieder zum Thema gemacht. Fricke verweist dann immer auf die Vorgeschichte mit Linne, und dass jemand von außerhalb vielleicht gar nicht zu schlecht sei. Seinen Worten nach gebe es viele, die diese Ansicht teilen.

Es gibt viel zu tun für den neuen Bürgermeister

Abel glaubt indes nicht, dass andere Lokalpolitiker ihm seine Kandidatur sowie die Querelen danach noch nachtragen. „Diese Vorgeschichte ist verflogen“, urteilt er mit Blick auf die Ratsarbeit danach. Er selbst sei vor der Wahl „tiefenentspannt“, selbst wenn er zumindest öffentlich spät in den Wahlkampf eingestiegen ist. Zuvor sei es eher informell gelaufen, viele Gespräche mit Vereinen und Institutionen habe er geführt, ohne sie gleich öffentlich zu machen. Beispiele nennt er aber auch auf Nachfrage nicht.

Robert Abel.

Ob diese Taktik für den Ahauser aufgeht, wird sich am Sonntagabend vermutlich gegen 19 Uhr zeigen, wenn die Stimmen für die Direktwahl des Samtgemeindebürgermeisters ausgezählt sind. Die Vorgeschichte aus diesem Wahlkampf 2021 sollte dann bald in Vergessenheit geraten. Denn wer auch immer gewinnt, wird trotzdem mit einem neuen Samtgemeinderat zusammenarbeiten müssen – und die Fraktionen darin ebenfalls. Egal, ob nun un- oder doch vorbelastet. Wer ab November die Geschicke führt, wird die Ärmel hochkrempeln müssen.

Anmerkung: In einer früheren Version stand fälschlicherweise, dass sich die CDU nach einer Mitgliederversammlung nicht mehr zu einem Bekenntnis zu Wolf Linne durchringen konnte. Der Absatz wurde entsprechend korrigiert.

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