Ersatz für das zweite Auto

Bürgerenergiegenossenschaft zieht Bilanz nach E-Carsharing-Testphase

Lühr Klee (l.) und Gilberto Gaidano vor der Stromladesäule an der Straße Auf der Riege in Sottrum.
+
Lühr Klee (l.) und Gilberto Gaidano von der Bürgerenergiegenossenschaft Sottrum hoffen, demnächst mit dem E-Carsharing für alle durchzustarten.

Ein paar Monate lang hatten die Mitglieder der Bürgerenergiegenossenschaft Sottrum (BEGS) die Möglichkeit, E-Car-Sharing zu testen. Jetzt ziehen die Verantwortlichen Gilberto Gaidano und Lühr Klee eine erste Bilanz.

Sottrum – 1 000 gebuchte Stunden, 4 500 gefahrene Kilometer: Die erste Bilanz, die die Bürgerenergiegenossenschaft Sottrum (BEGS) nach dem Start des E-Carsharing-Projekts im April zieht, kann sich ihrer Meinung nach sehen lassen. „Das ist für uns das Zeichen, dass so ein Modell auch auf dem Land funktionieren kann“, ist Gilberto Gaidano vom BEGS-Vorstand überzeugt.

Bislang richtete sich das E-Carsharing in der Testphase lediglich an Mitglieder der Genossenschaft. Ob auch Außenstehende die beiden Fahrzeuge nutzen können, ist jedoch noch unklar. „Das rechnen wir gerade durch“, erklärt BEGS-Mitglied Lühr Klee. Die Nachfrage sei da, sagen sie. Und das, obwohl die Mitglieder über die ganze Fläche der Samtgemeinde verstreut sind. „Wir wissen, wie anderswo Carsharing-Modelle laufen, dort ist oft der Radius erheblich enger. Wenn man das zugrunde legt, ist unsere erste Bilanz bemerkenswert.“

Anfragen auf dem Tisch

Zehn BEGS-Mitglieder hatten die beiden E-Renaults regelmäßig genutzt, weitere 50 sporadisch, teilweise waren beide Fahrzeuge zeitgleich in der Nutzung. Pro Fahrt kamen da durchschnittlich 40 bis 50 Kilometer zusammen, „aber auch eine Tour über insgesamt rund 280 Kilometer war drin“, freut sich Gaidano. Damit jetzt allerdings auch Nichtmitglieder von dem Modell profitieren, von denen auch schon einige Anfragen auf dem Tisch lägen, hat die BEGS noch einige Rechenaufgaben zu lösen. „Dabei geht es noch um die Versicherung, die Steuern und das Abrechnungsmodell“, sagt Klee. „Daher können wir noch nichts zu den Kosten sagen“, ergänzt Gaidano.

Klar ist allerdings: Die Nutzer bekommen zum Stromtanken eine Karte, das Reservieren, Öffnen und Verschließen des Fahrzeugs soll dann über eine App möglich sein. „Dazu soll auch der Ladestatus des Akkus einsehbar sein, dass bei den Reservierungsoptionen eventuell nötige Ladezeiten mit eingeplant sind“, so Klee. Bei Zahl der Fahrzeuge sind sie noch schwankend: „Eines ist zu wenig, zwei sind noch ein bisschen zuviel, aber grundsätzlich werden wir um zwei Fahrzeuge nicht herumkommen, denn wenn ein Carsharing-Fahrzeug selten verfügbar ist, bietet das keinen Anreiz“, findet Klee. „Da müssen wir noch einen schlauen Weg finden.“

Auch Nichtmitglieder nutzen Ladesäule

Ein Wermutstropfen die noch anhaltende Sperrung der Sottrumer Ortsdurchfahrt seit Mitte August. „Da haben wir das Carsharing erst einmal eingestellt“, so Gaidano. „Die Bauarbeiten haben uns da ordentlich in Zeitverzug gebracht, dabei war der Start der Arbeiten zu Beginn des Projekts noch unklar.“ Und die Baumaßnahmen hatten weitere Folgen – nämlich für die E-Ladesäule, die die BEGS just vor einigen Wochen an der Kreuzung B75/Auf der Riege eingeweiht hatte. „Die Nutzung ist zwar auch während der Sperrung möglich, allerdings natürlich mit einem großen Umweg“, so Gaidano. Was ihn und Klee trotz allem freut: Nicht nur BEGS-Mitglieder nutzen die Säule, auch Externe haben dort schon Strom für ihr E-Auto gezapft.

Jetzt soll Mitte September eine Entscheidung fallen, und im besten Fall dann am 1. Oktober das E-Carsharing für alle starten. Und auch weitere Ideen haben die Initiatoren des Projektes in petto: Denn nach wie vor stellt die Weitläufigkeit der Flächenkommune ein Problem da. „Unsere Vorstellung ist, dass Bauherren von Mehrparteienobjekten in den Ortschaften neben Strom und Internet auch ein Mobilitätsangebot bereitstellen, dass alle Mieter so ein Fahrzeug mitnutzen können“, so Klee. „Und auch andere Einwohner könnten das Fahrzeug dann nutzen.“

Denn wir sind so vermessen zu glauben, dass dieses Projekt auf jeden Fall eine Chance hat.

Lühr Klee

Bei diesem Thema sei die BEGS bereits in Gesprächen. „Wir wiederum hätten dadurch feste Ankerkunden und entsprechende Einnahmen“, hofft der Stuckenborsteler. Von solchen Ankerkunden bräuchte man sechs pro Ortschaft, damit sich das Carsharing-Angebot dort auch rechnet, kalkuliert Gaidano. Denn eines ist ihnen klar: „Wir hören immer wieder von Carsharing-Projekten im ländlichen Raum, die nicht gut laufen.“

Dennoch hoffen sie, dass da mittlerweile in der Bevölkerung etwas in Bewegung kommt. „Wenn wir es schaffen, durch dieses Angebot zumindest das zweite Auto eines Privathaushalts überflüssig zu machen, ist das schon ein Erfolg, mit dem wir viel erreicht haben“, ist Klee überzeugt. „Denn wir sind so vermessen zu glauben, dass dieses Projekt auf jeden Fall eine Chance hat.“

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

waipu.tv feiert Geburtstag: Sichern Sie sich jetzt das Sonderangebot mit Netflix inklusive!

waipu.tv feiert Geburtstag: Sichern Sie sich jetzt das Sonderangebot mit Netflix inklusive!

E.ON-Wallbox effektiv kostenlos: staatliche Förderung nutzen und Ökotarif abschließen

E.ON-Wallbox effektiv kostenlos: staatliche Förderung nutzen und Ökotarif abschließen

Schlemmen im Sommer: Entdecken Sie kreative Rezepte im Magazin „Küchengeheimnisse“

Schlemmen im Sommer: Entdecken Sie kreative Rezepte im Magazin „Küchengeheimnisse“

Der STERNGLAS Topseller im exklusiven Deal - 50 Euro sparen!

Der STERNGLAS Topseller im exklusiven Deal - 50 Euro sparen!

Meistgelesene Artikel

„Ich bin gut vorbereitet“

„Ich bin gut vorbereitet“

„Ich bin gut vorbereitet“
„Hoffnung muss ich ja haben“

„Hoffnung muss ich ja haben“

„Hoffnung muss ich ja haben“
Bei ihm laufen die Fäden zusammen: Joost Meyer ist neuer Klimaschutzmanager in der Samtgemeinde Fintel

Bei ihm laufen die Fäden zusammen: Joost Meyer ist neuer Klimaschutzmanager in der Samtgemeinde Fintel

Bei ihm laufen die Fäden zusammen: Joost Meyer ist neuer Klimaschutzmanager in der Samtgemeinde Fintel
Visselhöveder Schüler starten Nachhaltigkeitsprojekte

Visselhöveder Schüler starten Nachhaltigkeitsprojekte

Visselhöveder Schüler starten Nachhaltigkeitsprojekte

Kommentare