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Gegen das Knistern: Bürgerbewegung Hassendorf veranstaltet Infoaktion zum Thema Stromtrasse

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Von: Nina Baucke

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Hans-Uwe Franke (hinten l.) und Heike Stäcker (hinten r.) wollen zusammen mit den übrigen Mitstreitern der Bürgerbewegung über das Projekt informieren.
Hans-Uwe Franke (hinten l.) und Heike Stäcker (hinten r.) wollen zusammen mit den übrigen Mitstreitern der Bürgerbewegung über das Projekt informieren. © Baucke

Von Tennet gebe es „nur Informationshäppchen“, sagen die Mitglieder der Bürgerbewegung „Hassendorf unter Strom“. Sie stellen nun eine Infoveranstaltung unter eigener Regie auf die Beine – auch, um auf das Beteiligungsverfahren aufmerksam zu machen.

Hassendorf – Es ist die „Zeit der Entscheidung“, wie die Bürgerbewegung „Hassendorf unter Strom“ in ihrem jüngsten Newsletter schreibt: Denn noch knapp sieben Wochen bleiben, um Einwendungen zur geplanten Stromtrasse Stade–Landesbergen einzureichen. Diese Chance, Einfluss auf das Projekt zu nehmen, will sich die Hassendorfer Gruppe nicht nehmen lassen.

Um auch noch weitere Mitbürger dafür zu gewinnen und um über das Projekt des Netzbetreibers Tennet zu informieren, lädt sie zu einer Informationsaktion am Sonntag, 25. September, auf den Zürnshof ein.

„Die Infomärkte, die Tennet veranstaltet, sind ein Weg, um nicht einer großen Menge Menschen etwas zu vermitteln: Man muss sich anmelden, es gibt perfekt gemachte Informationshäppchen, animierte Filme – aber für uns relevante Informationen werden nicht dargestellt, an die kommen wir erst auf intensive und konkrete Nachfrage“, kritisiert Heike Stäcker von der Bürgerbewegung. „Wir wollen mit unserer Veranstaltung die fehlenden Informationen liefern.“

Wir wollen mit unserer Veranstaltung die fehlenden Informationen liefern.

Heike Stäcker

Neben denen geht es zudem darum, Interessierten aufzuzeigen, wie sie an der Bürgerbeteiligung partizipieren können. Noch bis zum 12. November liegen die Planfeststellungsunterlagen im Sottrumer Rathaus aus, „und wir brauchen Stellungnahmen“, sagt Hans-Uwe Franke, ebenfalls Mitglied der Bürgerbewegung. „Auch, dass zum Beispiel die Samtgemeinde und der Landkreis sich für eine Erdverkabelung ausspricht. Das ist für uns sehr wichtig.“

Denn das ist der Kernkritikpunkt der Hassendorfer Gruppe an dem Leitungsneubau, der eine bestehende Freileitung ersetzen soll: „Tennet begründet den Vorzug einer Freileitung damit, dass das für eine Erdverkabelung erforderliche Drehstromverfahren noch ,ganz neu‘ sei. Aber dabei nutzt man dieses in den Niederlanden, dem Heimatland des Unternehmens, schon seit zehn Jahren“, sagt Franke. „Wir sind hier keine Blockierer“, betont er. „Aber wenn man etwas neu macht, dann doch bitte als Erdverkabelung.“

Ein selbst gebautes Modell, das die Auswirkungen der verschiedenen Leitungen auf Hassendorf verdeutlichen soll, wird am Sonntag ebenfalls zu sehen sein.
Ein selbst gebautes Modell, das die Auswirkungen der verschiedenen Leitungen auf Hassendorf verdeutlichen soll, wird am Sonntag ebenfalls zu sehen sein. © -

Denn Fakt ist: Sechs Leitungen durchziehen als Freileitungen das Hassendorfer Gemeindegebiet, dazu kommt das Umspannwerk nicht weit vom Dorf entfernt Richtung Sottrum. Zwar darf keine Wohnbebauung überspannt werden. Davon ausgenommen ist das Wochenendgebiet südlich des Dorfes nahe der Wümme.

Doch auch dort haben Menschen dauernd ihren Wohnsitz, „und die fallen dabei hinten über“, kritisiert Franke. „Allein dass dort ein Haus direkt überspannt wird, erfahren wir erst auf dringende Nachfrage.“ Ein weiterer neuralgischer Punkt ist die Turnhalle im Norden der Gemeinde. Dort hat zwar ebenfalls niemand einen festen Wohnsitz, die Halle werde allerdings viel von Kindern genutzt, so Franke. „Und 60 Meter davon entfernt soll die Leitung entlang führen. Wir wollen mit der Veranstaltung am Sonntag auf solche Probleme hinweisen.“

Infoaktion

Für die Infoaktion am 25. September, von 10 bis 12 Uhr auf dem Zürnshof haben die Landtagskandidaten Tobias Koch (SPD) und Eike Holsten (CDU) sowie Roland Meyer vom Naturschutzbund Nabu zugesagt. Die Moderation übernimmt Albrecht Breitschuh. Außerdem verdeutlicht eine Demonstration mit einer Drohne die Höhe der bis zu 100 Meter hohen Strommasten.

Darüber hinaus würden beide Leitungen, sowohl die Trasse Stade–Landesbergen als auch die noch im frühen Planungsstadium befindliche Elbe-Lippe-Leitung ein ganzes Stück den Wedenweg, ein Rundwanderweg, überspannen. „Die Route können wir dann auch vergessen, denn wer will da eine ganze Zeit unser dieser knisternden Hochspannungsleitung entlang laufen?“, so Franke.

Akzeptanz, Transparenz und Beteiligung – diese Worte nutze Tennet immer wieder gerne in den unternehmenseigenen Hochglanzbroschüren, „aber Tennets Interesse ist es, die Leitung hier durchzuziehen“, sagt er. Das sieht auch Stäcker so: „Das ist unser Dorf, unsere Heimat, unser Leben – und mehrere Generationen, die dann mit dem Zustand und den Leitungen leben müssen. Das ist unvorstellbar.“

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