Bärbel Schrader hat die Hellweger Bücherei wieder aufgemacht

Bücher durchs Fenster: Die Hellweger Bücherei ist wieder offen

Bärbel Schrader führt seit fünf Jahren die Bücherei in Hellwege.
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Bärbel Schrader führt seit fünf Jahren die Bücherei in Hellwege.

Hellwege – Man könnte denken, es ist etwas Verwegenes, das da in den braunen Tüten steckt. In Filmen jedenfalls verstecken sie in solchen Tüten immer Geld, Drogen oder Schnaps. Bärbel Schrader aber verpackt darin ein anderes Suchtmittel: Bücher.

„Die Tüten habe ich von einem Gemüsehändler bekommen“, sagt Schrader lächelnd. Sie leitet die kleine Bücherei in Hellwege – im Vorzimmer des Gemeindebüros. Lange war diese nun coronabedingt geschlossen, vor wenigen Wochen hat sie allerdings wieder aufgemacht. Ausgeliehen wird nun online, ausgegeben durch das Fenster zur Hauptstraße.

Eine Frau kommt vorbei. Schrader kennt alle ihre Kundinnen und Kunden beim Namen, schließlich kommen sie alle aus dem Dorf. Die Rentnerin greift zur volleren der beiden noch übrig gebliebenen braunen Tüten und übergibt sie. Ein Plausch ist fest vorgesehen, es geht um die Wiedereröffnung der Bücherei. Vor dem zweiten Lockdown ging es schließlich ja auch. Wenn man dann wenigstens familienweise rein dürfte ... Nun muss eben durchs Fenster gehen. Und so kann Schrader wieder in die Bücherei kommen wie jeden Mittwoch von 15 bis 17 Uhr, egal ob Ferien sind oder nicht.

Bücher ausleihen ? So geht‘s

Die Ausleihe am Fenster hat Bärbel Schrader zusammen mit Tatjana Schuba und mit Peter Strohschän auf die Beine gestellt. Auf der Website der Gemeinde Hellwege www.gemeinde-hellwege.org kann an sich thematisch sortierte PDF-Listen mit Büchern herunterladen. Anschließend kann man Schrader eine E-Mail mit der gewünschten Lektüre schicken. Am nächsten Mittwoch kann sie dann von 15 bis 17 Uhr abgeholt werden.

Schrader hat lange in Berlin gelebt und das hört man ihr auch an. Das Berliner Idiom bricht immer wieder durch, wenn sie spricht. Das typische „nüscht“. Vor fünf Jahren ist sie zu ihrer Tochter und deren Familie nach Hellwege gezogen und hat sich gleich für das gerade frei gewordene Ehrenamt in der Bücherei angeboten, erzählt sie. „Ich war ja vorher schon oft hier und bin nicht als Fremde nach Hellwege gekommen.“

Es ist in der Hauptsache eine Bücherei für Kinder, doch einige Regale sind auch mit Büchern für Ältere beziehungsweise Erwachsene gefüllt. Es ist eine ungewöhnliche Bücherei“, sagt die 78-Jährige. Die Kinder suchten sich die Bücher normalerweise selbst aus, um sie dann bei ihr zu entleihen. Mehr als 60 Kinder zwischen zwei und 14 Jahren gibt es, die hier lesen. Büchereikarten gibt es nicht. Man kenne sich ja. Sie hasse diese Strenge, wolle das lieber zwanglos machen.

Schrader ist übrigens Theater- und Literaturwissenschaftlerin und hat an der Akademie der Wissenschaften in Berlin geforscht und selbst einige Bücher geschrieben – hauptsächlich zu künstlerischen Themen aus der Zeit der Weimarer Republik.

Vor einigen Jahren hat die Gemeinde Hellwege die kleine Bücherei von der Samtgemeinde übernommen. Das Budget ist klein, darüber hinaus finanziert man sich mit Spenden. Wenn Schrader mal eine schöne Buchreihe ins Auge gefasst hat, fragt sie auch mal einen Landwirt im Dorf, ob er sie nicht für die Bücherei kaufen wolle. Mehr als 2 000 Bücher sind mittlerweile schätzungsweise im Bestand, Schrader hat sie nicht gezählt.

Die Anschaffung neuer Literatur macht Schrader ebenfalls. „Ich liebe Bücher, die Kinder zum Lachen bringen.“ Oft fragen Eltern nach bestimmten Büchern, die schafft sie dann an. Eine Mutter hat Ausgaben der Reihe „Neues vom Süderhof“ aufgetrieben, ohnehin kann auch der erwachsene Besucher vieles aus seiner eigenen Kindheit und Jugend entdecken: Erich Kästner, „Die drei Fragezeichen“, Astrid Lindgren, „Was ist was?“.

Man bleibt aber auch Puls der Zeit. Schrader sucht einige Bücher raus, die das Thema Viren kindgerecht aufarbeiten. Sie achte auf Themen, sagt Schrader. „Die Kinder holen sich ja auch viele Sachen für die Schule raus.“

Bücher ausleihen? So geht’s: Die Ausleihe am Fenster hat Bärbel Schrader zusammen mit Tatjana Schuba und mit Peter Strohschän auf die Beine gestellt. Auf der Website der Gemeinde Hellwege www.gemeinde-hellwege.org kann an sich thematisch sortierte PDF-Listen mit Büchern herunterladen. Anschließend kann man Schrader eine E-Mail mit der gewünschten Lektüre schicken. Am nächsten Mittwoch kann sie dann von 15 bis 17 Uhr abgeholt werden.

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