ZUKUNFT HEIMAT Lebensmittel aus der Region

Bröös liefert Regionales in den Südkreis Rotenburg

Suppen, Ketchup und Co.: Alles kommt bei Bröös aus der Region.
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Suppen, Ketchup und Co.: Alles kommt bei Bröös aus der Region.

Rockstedt/Sottrum/Rotenburg – In den Großstädten boomt das Geschäft mit den Lieferdiensten. Wer möchte, bekommt heutzutage mehr als nur die Pizza oder Getränkekisten nach Hause geliefert. Der Supermarkt bringt gelegentlich schon die Einkäufe bis zur Haustür, Unternehmen wie Gorillas oder Flink bringen ebenfalls Snacks und Co. vorbei – mit dem Versprechen, dabei möglichst schnell zu sein.

In dieser Gesellschaft befindet sich Bröös. Auch das junge Unternehmen aus Rockstedt liefert Einkäufe nach Hause. Doch anders als die teils prominente Konkurrenz fährt man dabei einen lokalen Ansatz: Die Waren kommen alle aus der Region. Mittlerweile kooperiert Bröös mit Bäcker Holste aus Sottrum, dem Hansenhof aus Stapel und Klangens Hof aus Höperhöfen auch mit drei Erzeugern aus der Samtgemeinde Sottrum. Und geliefert wird in den Südkreis neuerdings auch. Ein Ortsbesuch.

Berend Heins tritt aus der Haustür auf den Hof. Es ist ein alter Bauernhof, der zwar noch aktiv ist, aber in diesem der Straße zugewandten Teil des Grundstücks nicht mehr. Der 24-Jährige ist hier mit seinen Brüdern aufgewachsen, mit denen er Bröös gegründet hat. Die angeborene Verbindung zur Landwirtschaft ist ein Grund dafür, warum man sich später entschlossen hat, fast ausschließlich Produkte von lokalen Erzeugern anzubieten, wird Heins später erzählen. „Wir wollten den keinen Betrieben eine Plattform bieten und der breiten Masse zur Verfügung stellen.“ Die „breite Masse“ ist in diesem Fall vielleicht nicht ganz wörtlich zu verstehen, denn das Liefergebiet ist sehr ländlich geprägt. Es deckt einen großen Teil Mitten im Elbe-Weser-Dreieck ab, so formuliert es Berend Heins. In Ortsangaben: von Grasberg bis Sittensen, von Elm nördlich von Bremervörde bis Rotenburg.

Zuletzt sind die Samtgemeinde Sottrum, die Stadt Rotenburg und Gemeinde Scheeßel dazugekommen. Zunächst steuert Bröös-Transporter jedoch nur montags den Südkreis an und macht danach noch Lieferungen in etabliertere Gebiete. Erst, wenn die drei Kommunen eine volle Ladung zusammen bekommen, sollen weitere Liefertage dazukommen. Das müsse einfach Sinn ergeben, so Heins, sonst zahle man drauf. Rund 6 000 Kunden habe Bröös mittlerweile, aktiv seien 1 500 bis 1 700 dabei. Täglich gebe es 75 bis 125 Bestellungen, die über die Website www.broes.de eintrudeln, manchmal auch mehr. Das Ziel liegt bei 200 Bestellungen pro Tag – täglich. „Da haben wir noch etwas Arbeit vor uns.“

Das Sortiment umfasst etwa 2 000 Produkte. Viele davon liegen im Trockenlager, in das Heins nun führt. An den Getränkekisten mit Säften und Limonaden – das meiste davon kommt aus Hamburg – geht es zwischen die Regale. Heins erzählt, früher habe hier eine Menge Müll gelegen, alte Trecker auch. Mit dem ersten Boom im Frühjahr und Sommer 2020 hat man diesen Schuppen zum Lager umgebaut.

Hier lagern nun Suppen, Reis, Popcorn, Tee Cracker und mehr. Vom bekannten Reis-Start-up aus Bremen bis zur selbst gemachten Marmelade aus einer Küche in Brillit bei Gnarrenburg ist alles Mögliche dabei. Rund 100 Lieferanten gibt es. „Man findet bei uns so ziemlich alles, was man auch im Supermarkt findet“, sagt Heins. „Nur mit anderen Marken.“ Das meiste kommt aus dem Nordkreis Rotenburg. In den Süden komme man gerade erst rein.

So improvisiert manches bei Bröös noch aussieht, alles passt ins Narrativ. Lieferdienst und Erzeuger passen zusammen, sind beide auf Bauernhöfen zuhause. Und natürlich passt auch die Historie des Unternehmens in die Marketing-Strategie – und die wirkt bis ins Detail professionell. In Köln leitet Berend Heins mit Bröös Media eine Agentur, die Onlineshops in der Vermarktung hilft und nutzt dabei auch das eigene Unternehmen in Rockstedt als Vorbild.

Er weiß also, welche Geschichten er erzählen muss: Die Brüder Marten, der heutige Geschäftsführer von Bröös, und Berend Heins etablieren noch als Kinder 2009 einen Brötchen-Service in Rockstedt. Man expandiert, wenn man es so nennen möchte, und bis ins Erwachsenenleben liefern sie jeden Sonntag Brötchen aus – zwischendurch hilft Bruder Jaspar mit. Und wenn es sein musste, ging es auch mal aus der Disco Tatöff direkt zum Brötchenverteilen, erzählt Heins. Und irgendwann war den Brüdern klar, „wenn wir einen richtigen Job haben, war‘s das mit den Brötchen. Entweder man lässt es bleiben oder man baut es aus.“ Man entschied sich für letzteres – im Dezember 2019 ging es dann los.

Draußen sieht man, dass sich bei Bröös vieles noch im Aufbau befindet. Ein Kühllager gibt es nicht, dafür einige Kühlanhänger auf dem Hof und eine fast schon groteske Menge an Gefriertruhen entlang der Packstraße in einer ehemaligen Diele. „Dafür braucht es noch eine Lösung“, sagt Heins und stellt die beiden Mitarbeiter vor, die hier gerade einige der grauen Bestellkosten mit der Aufschrift „Genial lokal!“ befüllen.

Das Obst und Gemüse kommt gerade im Winter nicht immer aus der Region, muss Heins nun zwischen zwei Regalen voller Bananen, Äpfel und Co. einschränken. Heins betont die Qualität, die die Ware dennoch habe. Heißt aber auch: „Unsere Sachen sind ein bisschen teurer als im Supermarkt. Aber ein Hühnchen aus Bötersen muss teurer sein als Billigfleisch von Aldi.“ Der Rockstedter weiß, sein Angebot „muss man sich leisten können“.

Berend Heins hat den Dienst mit seinen Brüdern aufgebaut.

Sieben Vollzeitkräfte beschäftigt Bröös mittlerweile. Dazu kommen mehrere Dutzend Teilzeitkräfte, von denen viele auch nur sonntagmorgens beim Brötchenservice arbeiten. Den möchte man im kommenden Jahr weiter ausbauen, so der 24-Jährige zu den Zielen der Firma. „Das haben wir in den vergangenen Jahren vernachlässigt.“ Kooperationspartner dabei: Bäcker Holste aus Sottrum.

„Es gibt eine natürliche Grenze“, sagt Heins über die Ausbaupläne von Bröös. Mittlerweile sitzt er bei einem Kaffee im Meeting-Raum, die – wie soll es anders sein – umgewidmete, aber kaum veränderte gute Stube seiner Großeltern. Irgendwann sei regional nicht mehr regional, wie zum Beispiel Eier aus Rockstedt in Rotenburg. Bevor ein neuer Standort kommt, möchte man in Rockstedt mehr Frequenz in die Bestellungen kriegen, etwa durch Abomodelle. Dann trägt sich das Unternehmen vielleicht auch irgendwann selbst. „Auf die Einzelbestellung zahle man nicht mehr drauf, aber es gibt noch einen festen Kostenapparat“, erläutert Heins. Dieser wird durch Bröös Media querfinanziert.

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