Brigitte und Klaus Könsen haben mit ihrem Laden in Stuckenborstel Dorfgeschichten geschrieben

„Drachenfutter“ für den Ehefrieden

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Brigitte und Klaus Könsen: Ihr Herz hängt heute noch an ihrem längst geschlossenen Tante-Emma-Laden. Erich Schwinge (r.) macht Fotos für seine Ausstellung.

Stuckenborstel - Von Wieland Bonath. Fotograf Erich Schwinge erarbeitet eine Ausstellung zum „Thema „Dörfer im Wandel“. Eine aufregende Aufgabe, wie sich für den pensionierten Berufsschullehrer besonders bei dem Ehepaar Könsen in Stuckenborstel zeigt.

Zum Fotografieren hat Erich Schwinge seine handliche „Panasonic“ mitgebracht. Haushalt, Kinder, Wirtschaft und Geschäft – während ihr Mann Klaus als Verkaufsberater in Bremen arbeitete, war Brigitte Könsen für die Gaststätte und das Lebensmittelgeschäft in Stuckenborstel zuständig. Und sie habe, so die temperamentvolle Frau, ihre Arbeit, die Kneipe und das Geschäft geliebt.

Geputzt und gewienert wurde, was das Zeug hielt. Noch heute ist es selbstverständlich, dass Theke, Tische und Gläser für das Haake-Beck sich wie „geleckt“ präsentieren. Für Fotograf Schwinge eine Einladung, noch mehr Fotos als geplant zu machen. Die Tische, erinnert sich Brigitte Könsen, „stehen noch genau so wie am letzten Tag vor zwölf Jahren“. Ihr Mann zeigt auf den runden Tisch mit der roten Tischdecke: „Dort haben morgens immer die Viehhändler aus der Umgebung gesessen und haben Informationen ausgetauscht.“ Und dort sei regelmäßig der Stammtisch zusammengekommen, an dem anderen Tisch sonntags die jungen Leute.

Schade, so die beiden, die emotionale Bindung zu den Gästen trete heute immer mehr in den Hintergrund. Klaus Könsen: „Jetzt, wo die Räume leer sind, vermisst man die Menschen. Es sind Räume ohne Leben.“ Und deshalb ist es für die beiden ein Bedürfnis, hin und wieder in der alten Wirtschaft und in ihrem für immer geschlossenen Laden eine Erinnerungsrunde zu drehen. Deshalb beruht die Freude über solche Besuche wie dem von Fotograf Schwinge auf Gegenseitigkeit.

Eigentlich hätten der kleine Lebensmittelladen und die Gastwirtschaft schon erheblich früher als 2001 geschlossen werden müssen. Aber für die Könsens hat das Geldverdienen nie an erster Stelle gestanden, „sondern bei uns zählt der Mensch am meisten“. Deshalb sei es für sie eine besondere Erinnerung, als am Abend vor der endgültigen Schließung plötzlich Nachbarn, Freunde und Bekannte gekommen seien.

Die beiden Geschäfte waren jedoch nicht mehr zu halten. Ganz mochten sie sich allerdings von einem Teil des Inventars nicht trennen. Sie wollten ihre „Kinder“ hin und wieder besuchen können…

Ein Glück für Erich Schwinge. Denn die Chancen, eine Schaltgewichtswaage mit Neigungsgewichteinrichtung –Firma „Tacho“, geeicht bis 2003 – und eine Aufschnittmaschine gibt es nicht alle Tage zu fotografieren.

In Erinnerung geblieben ist auch der Franzose, der Jahr für Jahr in der Vorweihnachtszeit von der Autobahn abbog und bei Brigitte Könsen das gesamte Sortiment Hachez-Pralinen für die Ehefrau kaufte. Das Fach dafür existiert heute noch. Sie erinnert sich auch an diese skurrile Kleinigkeit: „Ein Kunde hat immer die dritte oder vierte BILD-Zeitung von oben herausgezogen, um garantiert ein unbeschädigtes Blatt zu bekommen.“ Sie erinnert sich an die „Verbund-Geschäfte“ mit „Drachenfutter“: Ehemänner, die dem Alkohol zu viel zugesprochen hatten, kauften für ihre Frau etwas Süßes…

In kaum einem Dorf gibt es heute noch einen Tante-Emma-Laden – ein kleines Geschäft, in dem man längst nicht alles kaufen kann, nur das Notwendigste. In dem aber genug Zeit und Platz ist, um zwischenmenschliche Beziehungen zu pflegen. Klaus Könsen: „Meine Frau war eine Seele für das Dorf, ein Anlaufpunkt für Menschen mit den unterschiedlichsten Sorgen.“

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