Einwohner denken über Nachnutzung nach

Leerstehender Dorfladen: Bötersens große Lücke

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Mit dem Bötersener Dorfladen verschwand ein wesentlicher Teil des gesellschaftlichen Lebens in der Gemeinde.

Bötersen/Otersen - Von Matthias Daus. Seit einem Monat ist der kleine Dorfladen in Bötersen leer gefegt. Nur noch die Regale zeugen davon, dass dort einst ein rege besuchter Treffpunkt der Gemeinde war. Mitten im Raum steht ein Einkaufswagen, hier und da noch ein Karton. Die Theken sind verwaist.

Nicht zu sehen ist dagegen, wie sehr der Dorfladen – der Ende Oktober nach 30 Jahren schließen musste – in der Dorfgemeinschaft fehlt. Um diese Lücke zu füllen, wird sie jetzt selbst aktiv und lotet Ideen und Möglichkeiten aus. „Es ist nicht nur der Verlust der Einkaufsmöglichkeit, sondern auch ein großes Stück der Dorfkultur, die auf der Strecke bleibt. Es ist, als wenn der Mittelpunkt fehlt“, sagt Cord Trefke. Er und die anderen Mitglieder des Organisationsteams am Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ sind nur eine von mehreren Gruppen im Dorf, die sich über die Zukunft des kleinen Ladens an der Dorfstraße Gedanken machen. Im Ort kursierende Sätze wie „Irgendwann trifft man sich nur noch auf dem Friedhof“ verdeutlichen die Situation.

Auch die Arbeitsgruppe Wirtschaft und Verkehr befasst sich mit verschiedenen Lösungsansätzen. Einer davon ist ein Bürgerladen, also ein von den Einwohnern betriebener Markt. In Otersen bei Kirchlinteln gibt es ein solches Geschäft, und eine Delegation von Bötersenern ist am Wochenende dorthin gereist, um zu prüfen, ob ein Bürgerladen auch zu ihnen passt.

Der von Bürgern geführte Dorfladen in Otersen. - Foto: Daus

Gastgeber war Günter Lühning, einer der Gründerväter und Vorstandsmitglieds des Betreibervereins. Er zeigte der Delegation zunächst einmal den Markt. Auf rund 180 Quadratmetern gibt es dort Auswahl von bis zu 2.700 verschiedenen Artikeln. „Wir haben alles, was man zum Leben braucht. Was wir nicht haben, das braucht man nicht“, sagt Lühning – von frischen Brötchen, Wurst und Käsewaren am Frischetresen, Konserven, Getränken bis hin zur Strickwolle ist alles vorhanden. Ein Sortiment, dass die Bötersener aus „ihrem“ Dorfladen noch gut kennen. Die Preise liegen dabei in etwa auf einer Höhe wie in einem normalen Supermarkt.

Der Otersener Dorfladen fährt bei seinen Waren eine sogenannte Dreiproduktstrategie. Sie reicht von günstigen Eigenmarken des Lieferanten, über Markenware bis hin zu Bioprodukten. Der Jahresumsatz beträgt in etwa 350. 000 Euro netto, was bei rund 560 Einwohnern auch das Ziel sein sollte, um das Geschäft in ausgeglichenen Finanzen zu bewegen. Dass 85 Prozent der Kunden aus dem eigenen Dorf stammen, ist ein nicht zu unterschätzender Faktor.

Ein ehrenamtlich geführter Laden, der von der Bevölkerung voll akzeptiert wird und sich in gesunden Finanzgewässern bewegt? So romantisch das klingt, einfach ist es nicht, macht Lühning deutlich. So sind die Frauen, die dort arbeiten, lediglich mit Teilzeitverträgen eingestellt und werden dementsprechend bezahlt. Es entstehen Energiekosten und auch der Abtrag für das Gebäude sollte nicht aus den Augen gelassen werden. Und nicht in jedem Jahr läuft das Geschäft gut: Es gibt auch schlechte Zeiten, die man überbrücken muss. Dazu komme der Arbeitsaufwand. „Mit der Eröffnung damals, fing die eigentliche Arbeit für den Verein erst an. Und das ist bis heute so geblieben“, so Lühning.

Eine Idee mit Potenzial

Ein ebenso wichtiger Faktor war damals die finanzielle Grundlage: Wenn eine gewisse Basis nicht von Anfang an gegeben ist, dann habe das alles keinen Zweck. 70 .000 Deutsche Mark (DM) waren es seinerzeit, die die Otersener aufbringen mussten. Dies geschah über Anteile von je 500 DM, die als Mindesteinsatz von den Vereinsmitgliedern beigesteuert werden mussten. 103.000 DM bekam man zusammen und Lühning betonte, dass es keine Selbstverständlichkeit war, dass man diese Summe erreicht. Der laufende Betrieb des Ladens erfordert viel administrative Arbeit wie die Anpassung des Sortiments an Umsätze und Bedarf innerhalb der Kundschaft, das Betreiben einer Homepage mit Neuigkeiten und Angeboten, die Lühning auch als Newsletter an seine Kundschaft versendet.

„Und manchmal müssen auch unpopuläre Entscheidungen, beispielsweise im Personalbereich, getroffen werden. Das ist nicht immer leicht“, erläutert der Otersener.

Ein solcher Laden in Bötersen? Eine Idee mit Potenzial, die aber sehr viel ehrenamtlicher Arbeit bedarf. Wie sie umzusetzen wäre, darüber wird sicher noch viel gesprochen werden. Zunächst müssen die Bötersener aber herausfinden, wie wichtig ein solcher Laden für die Gemeindebevölkerung wirklich ist und ob der Zusammenhalt der Bewohner ausreicht, ein derartiges Projekt zu stemmen.

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