In Bötersen steht der vermutlich kleinste Bahnhof Deutschlands

Nur zwei Mal hält der Zug

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Das ist der winzige Bahnhof Bötersen mit Richard Landversicht aus Bötersen (l.) und Karl Hillmer aus Zeven.

Bötersen - Von Wieland Bonath. Früher, als alles noch normal war, hielten am Bahnhof Bötersen jeden Tag die Personenzüge. Die Schüler stiegen zu, ebenso die Hausfrauen, die in Rotenburg ihren Einkauf machen wollten. Inzwischen gibt es hier auf der Strecke zwischen Zeven und Rotenburg fast nur noch Gütertransport. Fast, wenn es die beiden Sonderfahrten nicht gäbe: eine Sommertour und einmal zum Weihnachtsmarkt.

Diesmal geht es Anfang Dezember nach Rostock. Aber vorweg steht die Sonderfahrt an. Heute geht es in die Rattenfängerstadt Hameln. Und bei dieser Fahrt ist so ziemlich alles anders als bei anderen Eisenbahnfahrten. Besonders der Bahnhof. Am gleichen Platz, wo früher das reguläre Gebäude und ein Wartehäuschen standen, ist inzwischen so gut wie gar nichts mehr. Nur die hohen Kastanienbäume, der von der Gemeinde liebevoll gepflegte Rasen und ein großes, selbst bemaltes Schild mit dem Bahnhofsnamen „Bötersen“. Der wohl kleinste Bahnhof Deutschlands.

Zweimal im Jahr, zu der jetzigen Sonderfahrt und zu der Weihnachtsmarkttour, halten hier Personenzüge. Sonst rumpeln Holztransporte dort vorbei. Zu einer letzten Besprechung trafen sich jetzt zwei der Organisatoren: Karl Hillmer von den Eisenbahnfreunden Zeven der WZTE (Wiestedt-Zeven-Tostedt-Eisenbahn) mit Richard Landversicht, Bötersen. Dem Zevener Verein gehören die Bötersener inzwischen an.

Der EVB hat die hintereinander gekoppelten Triebwagen (Baureihe 628) problemlos zur Verfügung gestellt. Besetzt sind sie mit etwa 150 Personen, davon steigen in Bötersen etwa 20 Personen zu. Es geht den Zevenern und den Bötersenern darum, mit den Eisenbahnfahrten eine alte Tradition zu pflegen. Gegen 7 Uhr treffen die Triebwagen (insgesamt mehr als 1000 PS) in Bötersen, der einzigen Haltestelle eingelegt, ein. Die Fahrstrecke ins Weserbergland nach Hameln: Von Rotenburg, wo die Züge umgekoppelt werden, weiter nach Verden über Hannover nach Hameln.

Im Führerhaus sitzt Triebwagenführer Maike Imrock aus Kutenholz. Um alles möglichst echt zu gestalten, gibt es auch einen Kontrolleur mit Lochkartenzange. Die Bahnfahrt dauert in den 25 Jahre alten Triebwagen etwa drei Stunden. Genug Zeit, um sich an andere Sonderfahrten zu erinnern: zum Beispiel Sylt, Rügen und in den Harz.

Landversicht: „Wir wollen uns diese Ausflüge erhalten. Mindestens sind sie im Landkreis einmalig. Wer hat schon solch einen Bahnhof!“

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