Vor Veranstaltung in Bötersen

Reitvereinsvorsitzender Lossau erklärt, wie eine Schleppjagd funktioniert

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Friedel Lossau organisiert mit rund 30 Ehrenamtlichen die Schleppjagd des Sottrumer Reitvereins, die am Sonntag in Bötersen stattfindet. Bei den Vorbereitungen im Wald sind die beiden Hunde Amy und Alex immer mit dabei.

Bötersen - Von Matthias Röhrs. Rasend schnell stürzt das Pack durch das Holz, immer der Fährte auf der Spur. Nur kurz dahinter folgen die Pferde den Hunden im Galopp. Ihre Reiter haben sich fein angezogen für diesen sportlichen Wettbewerb, der weder Sieger noch Verlierer kennt: Eine Schleppjagd, wie sie am Sonntag in Bötersen stattfindet. Was auf dem ersten Blick aber wie ein ziemlich schnelles Durcheinander wirkt, gehorcht strengen Regeln, wie Organisator Friedel Lossau vom Sottrumer Reitverein erklärt.

Wenige Tage vorher hat es sich der Schleeßeler an seinem Esstisch, seine Hunde – das Deutsch-Kurzhaar-Geschwisterpaar Amy und Alex – haben es sich zu seinen Füßen bequem gemacht. Ein kurzer Moment der Ruhe, ehe am Sonntag die Schleppjagd in Bötersen ist. Morgen werden Lossau, Amy und Alex ein letztes Mal die Route überprüfen.

Bei einer Schleppjagd macht man keine Jagd auf Tiere. In Deutschland ist das verboten, ganz im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern wie Großbritannien, Irland oder Frankreich, wo die Tiere durch den Wald gehetzt werden, bis sie schließlich von den Hunden gestellt und von den Jägern hoch zu Ross erschossen werden. „Das ist furchtbar“, sagt Jagdherr Lossau dazu kurz angebunden.

Wenn am Sonntag die Reiter gegen 11.30 Uhr am Bötersener Gasthaus Hoops zu ihrer Jagd in die Umgebung aufbrechen, hetzen die Hunde der eigens angereisten Böhmer Harrier Meute also einer künstlichen Fährte – der Schleppe – hinterher. Die legt der sogenannte Schleppenleger mit der Lake, eine Flüssigkeit, die die Hunde wittern und der sie folgen können. Er wird von einem ortskundigen Reiter begleitet, der ihm den vorher ausgeguckten und freigeschlagenen Weg zeigt. Damit aber wirklich kein Wild in die Quere kommt, fährt der Jäger des Reviers die Strecke kurz vorher ab, um es gegebenenfalls zu vertreiben. So verringere man zumindest das Risiko, dass die Hunde auf die falsche Fährte kommen.

Fährtenlegen ist eine Wissenschaft für sich

Das Fährtenlegen, sagt Lossau, ist eine Wissenschaft für sich, darum muss auch extra ein Experte anreisen. Ist der Boden trocken, muss er mehr Lake verwenden. Ist es feucht, kann sich der Geruch besser ausbreiten und er braucht weniger. Alle ein bis zwei Kilometer – eine sogenannte Line lang – lassen sich Schleppenleger und sein Führer von den Jagdfeldern einholen, die wenige Minuten später gestartet sind.

Angeführt wird alles von der Hundemeute, die aus rund 30 Tieren besteht und ihrem „Master“. „Die bestimmen das Tempo“, so der Schleeßeler. Am Sonntag ist dies Thorsten Mönchmeyer, der Herr über die Böhmer Harrier Meute. „Das ist der Chef“, sagt Lossau. Sein Wort sei Gesetz, unter Umständen könne er sogar verfügen, dass die von den Organisatoren ausgesuchte Route nicht bejagdt wird, da sie zu gefährlich oder der Boden zu matschig sein kann.

Dem Master folgt die Equipage, eine Handvoll hervorragender Reiter. „Zur Equipage zu gehören ist eine Auszeichnung“, sagt Lossau, der selbst Teil davon war, bis er vor einigen Jahren mit dem Jagdreiten aufhörte. Danach kommt der erste Jagdherr mit dem erfahrenen Reiterfeld, das alle auf der Strecke aufgebauten Hindernisse – Gräben oder umgestürzte Baumstämme – überspringt. Es folgen das zweite Jagdfeld, das zwar mitreitet, die Hindernisse aber nicht mitnimmt, und ein drittes, das gemächlich hinterher reitet.

Strenge Regeln auf dem Platz

Alles ist streng geregelt. Wer seinen Platz verlässt, kann Ärger bekommen. Es geht dabei um Sicherheit, denn Jagdreiten ist kein ungefährlicher Sport. Lossau hat eigenen Angaben nach schon alles erlebt: Stürze, schwere Verletzungen, Todesfälle. Häufig würden Reiter sich oder das Pferd überschätzen. Hinzu kommt, dass die Hindernisse massiv sind und nicht, wie beim Springreiten, nachgeben.

Lossau rechnet mit 30 Reitern, je nach Wetter könne sich das gesamte Feld aber auch auf bis zu 70 Teilnehmern vergrößern. Die seien schon zu Spitzenzeiten nach Bötersen gekommen. Damals wie heute reisen sie aus der ganzen Bundesrepublik an. Sie alle eint die Tradition, die prägend ist für eine Schleppjagd. So gibt es eine spezielle Kleiderordnung. Tweed muss es schon sein, eine feste Reitkappe auch. „Um korrekte Jagdkleidung wird ausdrücklich gebeten“, sagt Lossau. Das schließt auch einen Rock mit ein, der wahlweise dunkel oder rot sein muss. Wobei: „Rot muss man sich verdienen, der wird einem verliehen“, so Lossau. Die Kleidung richtet sich nach Erfahrung. An mindestens 20 Jagden muss man teilgenommen haben, um einen roten Rock tragen zu können, ohne böse angeschaut zu werden.

Reitverein erwartet mehrere hundert Zuschauer

Für Interessierte gibt es am Sonntag die Gelegenheit, bei der Schleppjagd in Bötersen zuzuschauen. In den vergangenen Jahren haben mehrere hundert Besucher diese Möglichkeit wahrgenommen. Für sie stehen hergerichtete Trecker mit Anhänger bereit, die sie zu den schönsten Punkten der Jagd fahren. Die Fahrt ist kostenlos, jedoch bittet man im Anschluss um eine Spende, kündigt Organisator Friedel Lossau an. Die Schleppjagd beginnt um 10 Uhr mit der Hubertusmesse. Anschließend trifft man sich um 11 Uhr am Gasthaus Hoops, der Aufbruch zur Jagd ist etwa eine halbe Stunde später geplant. Lossau rechnet mit einer Dauer von rund drei Stunden.

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