Bindeglied zwischen Behörde und Bürger

Naturschutzbeauftragte Looks legt zweiten Jahresbericht vor

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Seit zwei Jahren ist Christiane Looks die Naturschutzbeauftragte des Südkreises Rotenburg.

Eversen - Von Matthias Röhrs. Seit etwa zwei Jahren ist Christiane Looks aus Eversen die Naturschutzbeauftragte des Landkreises in der Region Rotenburg. Erst kürzlich hat sie vor dem Umweltausschuss des Kreistags ihren Jahresbericht abgegeben. Das beherrschende Thema in den vergangenen zwölf Monaten seien die Menschen gewesen, sagt sie hinterher. Das klingt nach einem weiten Feld, doch die Menschen hätten teilweise Schwierigkeiten, den Naturschutz zu verstehen. Ist das der Fall, versucht Looks zu vermitteln.

Sie ist viel unterwegs. Und das weniger in der Natur wie es sich ein Laie vielleicht vorstellt. Montag schaut sie bei einer Ortsratssitzung zu, Dienstag bei einem Gemeinderat, ab und zu besucht sie einen Ausschuss, gelegentlich einen Vortrag – es gibt nur wenige Abende, an denen Christiane Looks nicht im Dienst ihrer Sache im ganzen Landkreis unterwegs ist. „Das mache ich gerne“, sagt sie. So komme sie mit den Bürgern ins Gespräch und bleibe informiert. Manchmal hält sie auch selbst Vorträge – wie beispielsweise über das Regionale Raumordnungsprogramm (RROP).

Zwei Termine gleichzeitig - Ehemann springt ein

Nein, zu viele Veranstaltungen seien es nicht. Und wenn die Zeit doch knapp wird, es zwei Termine gleichzeitig gibt, springe Ehemann Joachim ein, um stellvertretend für sie Veranstaltungen zu besuchen.

Als „Beauftragte für Naturschutz und Landschaftspflege“ – so die offizielle Jobbeschreibung der pensionierten Lehrerin – ist sie der Naturschutzbehörde des Landkreises unterstellt. Sie unterstützt und berät sie, sieht sich aber eher als Bindeglied zwischen Amt und Bürger. Denn: Naturschutz kann ziemlich bürokratisch sein. Viele Konflikte, zum Beispiel zwischen Landwirtschaft und Behörde, seien fehlendem Wissen zuzuschreiben. Da will Looks eingreifen und erklären. „Wenn ein neues Naturschutzgebiet ausgeschrieben werden soll, denken viele Grundstücksbesitzer, sie werden enteignet“, sagt Looks. Dass das aber nicht geschehe, dringe häufig nicht durch. Oft helfe es, wenn Looks auf Info-Veranstaltungen die Ausführungen der Naturschutzbehörde noch mal mit ihren eigenen Worten ergänzt. „Dabei können die Grundstücksbesitzer doch stolz sein, wenn ihre Flächen als Naturschutzgebiet ausgewiesen werden sollen. Das zeigt, dass sie gut gearbeitet haben.“

Kultur- statt Naturlandschaft

Die Ausweisung neuer Schutzgebiete wird das nächste bestimmende Thema sein, sagt Looks. Das verlaufe immer unterschiedlich. Manche würden einfach durchgewunken, andernorts gebe es aber große Gegenwehr. „In den Köpfen der Eigentümer ist immer noch fest verankert: ,Das ist mein Land, also möchte ich auch darüber entscheiden.‘“ Aber auch seitens der Naturschutzbehörde sei einiges nicht sofort nachvollziehbar. Looks sagt: „Da werden alle noch viel miteinander reden müssen.“

Auch wenn sie abends häufig in Sitzungssälen anzutreffen ist. Tagsüber geht sie oft in die Natur, führt verschiedene Projekte durch – und um für ihre Kolumne „Natur-Looks“ in der Rotenburger Rundschau zu recherchieren. So hat sie im vergangenen Jahr 350 stille Gewässer aufgesucht und herausgefunden, dass lediglich 63 von ihnen einen natürlichen Ursprung haben. Von den übrigen Gewässern zählten 114 als Fischteiche, 63 als Bodenabbauteiche, 57 für jagdliche Nutzung, 29 für freizeitliche Zwecke sowie 24 technische Anlagen wie Regenrückhaltebecken. Das zeige: „Die Landschaft im Landkreis wurde lange Zeit künstlich verändert“, so die Naturschutzbeauftragte. Es sei eine Kultur- und keine Naturlandschaft.

„Die Menschen“ bleiben das große Thema

Was war das große Thema in den vergangenen zwölf Monaten gewesen? Looks überlegt nicht lange. „Die Menschen“, sagt sie. Die Menschen hätten Schwierigkeiten mit den gegebenen Bedingungen zurechtzukommen. Sie meint Grundwasserbelastung durch Nitrat oder die Konflikte für die Landwirtschaft dadurch. „Themen wie Gülle oder Düngeverordnung sind für manche Betriebe existenziell.“

Sie habe sich ein Netzwerk aufgebaut, sagt Looks. Früher hätten manche Bürgermeister oder Landvolk-Vertreter noch die Krallen ausgefahren, als sie der damals neuen Naturschutzbeauftragten begegneten. „Dabei bin ich gar nicht in der Situation, zu kritisieren“, so Looks. Sie hat aber Verständnis. „Landwirte haben ja nicht die besten Erfahrungen mit dem Naturschutz gemacht. Ich bin nicht dazu da, die Keule rauszuholen.“

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