Übungsleiterinnen geben Tipps, wie man sich im Homeoffice fit halten kann

Bewegung in Zeiten des Stillstands

Wer derzeit viel zu Hause ist, der läuft Gefahr, sich zu wenig zu bewegen. Doch auch im eigenen Wohnzimmer gibt es Möglichkeiten. Foto: imago images/thomas Trutschel

Bötersen/Taaken/Stuckenborstel - Von Matthias Daus. Homeoffice, Social Distancing und überall Beschränkungen in den alltäglichen Dingen – man kommt derzeit kaum vor die eigene Tür und als Couchpotato ist man ein Held des Alltags. Wenn also die Notwendigkeit für körperliche Aktivitäten und Bewegung nicht gegeben ist, dann ist es mit der Freiwilligkeit dafür oftmals auch nicht weit her. Eine fatale Entwicklung. Erschwerend hinzu kommt, dass auch das sportliche Angebot zeitweise komplett heruntergefahren wurde.

Was also kann man tun, wenn der tägliche Bewegungsradius daraus besteht, aus der liegenden Position bis zum Kühlschrank zu gelangen und die eigenen Kleidungsstücke auf seltsame Art immer kleiner zu werden scheinen? Wege aus dieser misslichen Lage gibt es einige, und Yoga, Pilates oder „Power Intervall Mix“ verfolgen dabei sehr unterschiedliche Herangehensweisen. „Power Intervall Mix“, oder kurz PIM, ist da eher die leistungsorientierte Variante. Wie das Wort Power schon nahe legt, geht es im Prinzip darum, den Puls und die Atmung in höhere Frequenzen zu bringen. Und das mit Übungen, deren Grundlage das eigene Körpergewicht ist. Hilfsmittel gibt es eher weniger, und die Übungen sind oftmals nicht gerade exotisch oder hoch kompliziert.

Angela Bruns besitzt einen Übungsleiterschein für diese Sportart und bietet beim SV Taaken einen Kurs an. „Wir mixen dabei verschiedene Trainingsmethoden, wie beispielsweise Tabata oder ,Body Weight‘ miteinander“, erklärt sie. Wobei die Übungen häufig aus Klassikern wie beispielsweise Liegestütz, Kniebeuge oder Sit-ups bestehen. Im Tabata hat man vorgegebene Zeiten und wiederholt dabei so oft wie möglich die einzelnen Übungen. Bei ,Body Weight‘ ist das Ziel, eine gewisse Anzahl der Einheiten zu schaffen – ohne eine konkrete Zeitvorgabe. Im Prinzip wolle man auf diese Weise die Beweglichkeit in Zusammenhang mit der körperlichen Fitness fördern.

In letzter Zeit hatte die Schleeßelerin für ihre Gruppe einige Videos produziert, in denen sie Übungen aufzeigte und Dinge des Alltags dabei integrierte. So bekamen beispielsweise Reis-Packungen oder Handtücher einen ganz neuen Verwendungszweck. Homeschooling im Sport, wenn man so will. Dazu konnte sich die Teilnehmer die passende Musik von einem großen Streamingdienst besorgen. Denn Musik gehört zum Programm dazu und gibt die Taktzahl vor. Dem Sportabend zu Hause stand also nichts mehr im Wege.

Neuerdings ist es wieder möglich, in der Gruppe zu trainieren. „Wir haben allerdings strenge Auflagen und dürfen nur außerhalb der Turnhalle agieren. Auch Umkleiden und Duschen sind derzeit tabu. Aber es trainiert sich viel besser in der Gruppe, deshalb freuen wir uns über diese Kompromisslösung“, freut sich die Übungsleiterin, die auch bei nicht ganz so gutem Wetter jeden Mittwoch ihr Training auf dem Fußballplatz in Taaken ab 19.30 Uhr anbietet.

Yoga ist hier ganz bestimmt das Kontrastprogramm, denn da ist Ruhe das oberste Gebot, weiß Simone Lünsmann. Die Stuckenborstelerin ist eine beinahe komplett ausgebildete Kursleiterin. „Einzig eine mündliche Prüfung fehlt mir, weil diese wegen der Corona-Krise verschoben werden musste“, erläutert sie. Yoga ist für den Unwissenden so etwas wie eine esoterische Gymnastik, bei der man sein eigenes Ich findet und seinen Körper in verrenkende Positionen bringt, in denen sich sämtliche Gliedmaßen auf geheimnisvolle Weise verknoten und dann wieder entwirren. Ganz so ist das anscheinend aber nicht zwingend, wie Lünsmann erläutert: „Im Prinzip geht es darum, eine größtmögliche Beweglichkeit herzustellen und zu erhalten. Die Übungen bestehen aus dem Wechselspiel aus Anspannung und Entspannung und zentral sollen die sechs Bewegungsrichtungen der Wirbelsäule erhalten und gestärkt werden.“ Dabei sei die Atmung von immenser Bedeutung und eine grundsätzliche Ruhe. Eine erhöhte Atemfrequenz sei ein Zeichen dafür, dass man seine Übung nicht richtig ausführen würde. Der spirituelle Faktor, der im Ursprung vom Yoga einen wesentlichen Teil einnimmt, sei in unseren Breiten eher in den Hintergrund gerückt. Aber häufig wiederkehrende Übungen würden automatisch dazu führen, dass man sich mit seinem Inneren auseinandersetze.

Für die Zeit der Häuslichkeit in der Corona-Krise gäbe es auch Möglichkeiten, sich daheim zu beschäftigen. „Es gibt in vielen Illustrierten Übungsvorschläge, die sich einfach umsetzen lassen, und auch das Internet ist voll mit vielen Videos“, so Lünsmann. Ein Ersatz für eine richtige Übungseinheit sei das allerdings auf Dauer nicht, weil eine direkte Anleitung auch eventuelle Fehler in der Bewegung und der Atmung korrigieren könne. Insgesamt gelte, weniger ist mehr und der Weg ist das Ziel. „Jeder macht individuell das, was für ihn sinnvoll erscheint und Yoga soll nicht anstrengen, sondern eher ein Weg zum inneren Gleichgewicht sein“, erläutert die angehende Yogalehrerin. Für Einsteiger hat sie den Tipp, dass auch einfache Übungen, wie die „Atemkatze“ positive Veränderungen bewirken können. Viele und regelmäßige Wiederholungen seien hier, wie auch in allen anderen Bereichen des Yoga das Geheimnis des Erfolges.

Für Bettina Sperwien ist die derzeit mangelnde Bewegung der Menschen allgegenwärtig. „Es gibt einfach zu wenig Anlässe, die Bewegung erfordern und zudem sind viele Menschen auch in Stresssituationen“, erläutert sie. Eine Mischung, die zu muskulären Problemen und Fehlhaltungen führen kann. Die Physiotherapeutin leitet für den TSV Bötersen eine Pilates-Gruppe, die derzeit aufgrund der Corona-Beschränkungen pausiert. Pilates markiert eine Art Mittelweg. Körperlich fordernder als Yoga, aber ruhiger als PIM verbindet Pilates Kraft, Beweglichkeit und Atmung miteinander. Entwickelt wurde diese Sportart im Ersten Weltkrieg, um Kriegsgefangenen auf engstem Raum eine Erhaltung der körperlichen Fitness zu ermöglichen. Da man für eine 60-minütige Übungseinheit nicht mehr Platz als den einer kleinen Gymnastikmatte benötige, sei diese Sportart ideal für den häuslichen Einsatz. Durch Dehnungen, Streckungen und Belastungen werden dabei sämtliche Muskelgruppen beansprucht, eine bessere Körperhaltung ermöglicht und für mehr Beweglichkeit gesorgt, erläutert Sperwien.

Es gibt also genug Möglichkeiten für Homeoffice im Sport. Hilfreiche Sportarten gibt es viele, oft auch vor der eigenen Haustür. Einzig den eigenen Schweinehund muss man selbst überwinden.

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