Benedikt Vermeer zeigt unter anderem „Faust“ bei der „FlettKultur“

Die knallroten Lackschuhe

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Benedikt Vermeer nimmt die Zuschauer mit auf eine Reise nach London.

Sottrum - In der fünften Vorstellung der „FlettKultur“ der Kulturinitiative Sottrum hat Benedikt Vermeer als Solo-Künstler klassische und moderne Literatur in einem Programm geboten. In seiner kompakten Zusammenfassung von Goethes „Faust“ ließ er allein mit seiner Stimme alle Figuren des großen Dramas auf der Bühne lebendig werden.

Faust, Mephisto, Gretchen, der Bruder Valentin, die Base Marthe oder die Hexen auf dem Blocksberg erschienen vor dem inneren Auge der Zuhörer und alle gängigen Zitate ließen Erinnerungen an längst vergangene Schulzeiten aufkommen. Ob Faust sich vom Augenblick wünscht, dass er verweile, weil er so schön ist oder er dasteht als der Tor, „der so klug ist als je zuvor“ oder ob Gretchen „weder Fräulein noch schön“ ist und ungeleitet nach Hause gehen kann – immer wieder gelang es Vermeer mit seiner unnachahmlichen Bühnenpräsenz sein Publikum in den Bann zu ziehen.

Ohne Requisiten, im schlichten schwarzen Gehrock, mit knallroten Lackschuhen – die der Rolle des Mephisto geschuldet waren – verstand es Vermeer allein durch seine Schauspielkunst auch die dramatischsten Szenen eindrucksvoll und bewegend umzusetzen.

Im zweiten Teil des Abends hatte das Publikum die Gelegenheit, Stefan Zweigs „Sternstunden der Menschheit“ zu lauschen. Gemeinsam mit Vermeer ging es nach London, um bei der Entstehung des „Messias“ von Georg Friedrich Händel dabei zu sein, ihn ein Stück seines Lebens zu begleiten und mitzuerleben wie er seine musikalische Schaffenskraft von Krankheit und Schlaganfall nicht besiegen lässt.

Auch den dramatischen Wettlauf von Scott und Amundsen um die Entdeckung des Südpols brachte Vermeer auf die Bühne und ließ sein fasziniertes Publikum fast die eisigen Temperaturen und die Verzweiflung Scotts mitfühlen, der kurz vor seinem Tod in der Eiswüste feststellen muss, dass Amundsen der Sieger in diesem Entdeckerkampf geworden ist.

Zahlreiche Gespräche zwischen Künstler und Publikum in der Pause und nach der Vorstellung belegten, dass das Konzept der „FlettKultur“ aufgeht, so die Veranstalter. Im nunmehr fünften Jahr bietet die Kleinkunstbühne ein Programm, das auf den Geschmack des Publikums zugeschnitten zu sein scheint und einen hohen kulturellen Anspruch verwirklicht. Fast selbst ein wenig erstaunt, wiesen die Veranstalterinnen Renate Köster und Heidi Stahl daraufhin, dass dieser Abend im Heimathaus nun schon die 28. Vorstellung war, die sie allein und in ehrenamtlicher Arbeit unter dem Dach der Kulturinitiative Sottrum dem Publikum in den vergangenen Jahren, erst im Turm der St.-Georg-Kirche und nun im Heimathaus bieten konnten.

hs

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