Benedikt Vermeer als Eugen Roth auf der Kleinkunstbühne „FlettKultur“

Das „Menschentier“ – deftig und zeitlos

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Benedikt Vermeer gibt auf der Bühne des Heimathauses Sottrum den deftigen Humor von Eugen Roth zum Besten.

Sottrum - Andrang am Heimathaus in Sottrum – die Saisonpremiere der „FlettKultur“ hat viele Fans am Samstagabend an die St.-Georgs-Straße gelockt. Auf der bayrisch mit Brezeln und Bierkrug dekorierten Bühne hat Benedikt Vermeer in Trachtenweste, Tirolerhut und derben Wanderstiefeln Eugen Roth interpretiert. Vermeer nahm sein „Menschentier“ mit feinsinnigem Anspielungen ins Visier.

Eugen Roth war kein Spaßmacher und auch kein reimender Witzbold. Als dem Lyriker 1933 ein Schreibverbot auferlegt wurde, zog er sich in die Nische von gereimtem Tierleben und hintergründigen Vergleichen zu Menschen und Machthabern zurück. Vieles von seinen zweideutigen Anspielungen ist heute noch brandaktuell.

Das zu verdeutlichen gelang dem Wortkünstler Vermeer an diesem Abend auf ganzer Linie. Neben den immer wieder aufflammenden Lachsalven hat er die Zuhörer zum Nachdenken über diese zeitlosen Wahrheiten animiert. „Zur Ohnmacht kann ein Schwindel führen, doch nehmt euch in Acht, manchmal führt ein Schwindel auch zur Macht“, heißt es bei Roth – Vermeer zieht Vergleiche zu heutigen Politikern.

Doch auch der deftige Humor von Roth kam in Vermeers Programm nicht zu kurz: der Ausflug auf die Münchner Wiesn, wo „die Menge brausend schwillt, vom Bier zum Teil schon ganz erfüllt“ oder der sarkastische Blick auf die „wundersame Heilkunst“ der verschiedenen Ärzte und Doktoren: „Gelebt, geliebt, geraucht, gesoffen – und dann alles vom Doktor hoffen“.

Helga Busch, die Vorsitzende der Kulturinitiative Sottrum, lobte stolz das Vorzeigeprojekt „FlettKultur“ der Initiative und dankte den Veranstalterinnen für ihren ehrenamtlichen Einsatz von Herzen. Ohne sie „wäre Sottrum um ein ganzes Stück Kultur ärmer“. Dem konnte das begeisterte Publikum an diesem Abend nur zustimmen.

Nach einer improvisierten Zugabe von Vermeer mit Schüttelreimen, halfen die Zuschauer traditionsgemäß ihre Stühle selber wieder aufzuräumen. Für das abschließende gesellige Zusammensein – echt bayrisch bei Laugenbrezeln und Bier – hatte sich der Künstler noch etwas Besonderes ausgedacht: Vermeer versüßte das Ganze mit der privaten Zugabe von Karl Valentins Rezept für einen „russischen Salat“, der mit den absurdesten Zutaten wie „Bismarckhering und Odol“ und „Schnupftabak und Stachelbeer“ einen gelungen Salat herstellt – genauso gelungen, wie dieser erste Abend bei der „FlettKultur“ war.

hs

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