Tüfteln an der Teewurst

Bei Jörg Blaskiewicz kommt fast nur Selbstgemachtes auf den Tisch

Jörg Blaskiewicz vor der Hühnervoliere und hinter dem Hochbeet in seinem Sottrumer Garten
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In seinem Garten hält Jörg Blaskiewicz Hühner und pflanzt selbst Gemüse an. Aber auch darüber hinaus macht er sich von Supermärkten & Co. immer ein Stück unabhängiger.

Eier, Wurst, Brot – und bald auch Joghurt: Schon so einiges auf dem Esstisch von Familie Blaskiewicz in Sottrum kommt aus eigener Herstellung, zum Teil nach alten Rezepten. Und geht es nach Vater Jörg, soll das noch mehr werden.

Sottrum – Es ist ein kleines, bauchiges Einmachglas, das Jörg Blaskiewicz aus dem Kühlschrank holt. Darin eine Portion heller Teig mit kleinen Bläschen – der Ausgangspunkt von dem, was jeden Tag bei dem Sottrumer auf den Frühstückstisch kommt. „Als das im vergangenen Jahr mit der Pandemie anfing und keine Hefe mehr zu bekommen war, habe ich mir gesagt: Dann setze ich eben selber einen Sauerteig an“, erklärt Blaskiewicz. Dieser Vorsatz „Dann mache ich das eben selbst!“ ist seit einigen Jahren in seinem Alltag Programm: Denn der Sauerteig ist lediglich ein weiterer Punkt in einer bereits sehr langen Do-it-yourself-Liste in Sachen Ernährung.

Sein Sohn Ole ist zwei, als Blaskiewicz erstmals beschließt, sich nicht auf die Inhaltsangaben einer Packungsrückseite zu verlassen: „Wenn man da mal genau auf die Liste schaut, wird einem schlecht. Und dann hatte ich die Nase voll von Eierskandalen“, erinnert sich der Sottrumer an den Augenblick, als 2017 der Entschluss fällt, sich Hühner anzuschaffen. Erst sind es fünf, heute gackern neun Hennen in einer großzügigen Voliere in einer Ecke seines Gartens.

Back-Tipps vom Schwager

Ein weiterer Auslöser ist eine Dorade aus einem Haltebecken irgendwo in Südeuropa, die auf Blaskiewicz’ Teller landet. „Von da an habe ich mir vorgenommen, jeden Fisch, den wir essen, selber zu angeln.“ Auch seine Idee mit dem Selberbacken von Brot und Brötchen nimmt schon vor dem Corona-Hefe-Mangel Fahrt auf. „Mein Schwager ist Bäcker auf Gran Canaria, der hat mir das erklärt“, sagt Blaskiewicz mit einem Lachen. Mit dem Resultat ist er zufrieden: „Ich backe Roggenbrot und -brötchen. Da haben wir schon festgestellt, dass das besser für die Verdauung ist – und es lässt sich dazu auch noch eine gute Woche lagern, bevor es trocken wird.“ Darunter auch eigene Kreationen, wie zum Beispiel ein Brot namens „Sottrumer Heiligabend“.

Schon als Kind schaut Blaskiewicz seiner Oma und seiner Mutter beim Kochen und Backen zu, heute ist der Steuerberater selber begeisterter Hobbykoch, der auch schon mal ein komplettes Wochenende für den heimischen Vorratsschrank durchkocht. „Ich habe einfach Lust am Experimentieren.“ Und das natürlich nicht nur mit eigenen Eiern, sondern auch eigenem Gemüse.

Reifeschrank und Räucherofen

Neben der Hühnervoliere im Garten haben zwei Hochbeete Platz, in denen Blaskiewicz Wurzeln, Pastinaken, Kohl, Erbsen und Schwarzwurzeln zieht sowie Kräuter wie zum Beispiel Kerbel und Estragon wachsen. „Da kommt alle zwei Jahre ordentlich Pferdedung rein“, erklärt er. Überhaupt hat er mittlerweile aufgerüstet: Vor- und Eingekochtes, selbst gemachter Entenfond und mehr lagern in einem großen Kühlraum, zwei Räucheröfen, die er noch von seinem Vater geerbt hat, hat er mittlerweile auch in Betrieb genommen – und ein Reifeschrank für Fleisch hat jetzt seine Premiere. Sein Equipment ist bereits großküchentauglich: „Wir planen gerade, die Küche noch etwas wachsen zu lassen. Ich brauche einfach mehr Platz“, erklärt er und lacht.

Mit einem Fleischwolf macht er in diesem Jahr seine ersten Schritte in Sachen Wurstherstellung. „Mein Vater hat das schon selber gemacht, und von ihm habe ich sogar noch ein altes Rezeptbuch, das ich jetzt benutze.“ Das Fleisch bekommt er von einem Bekannten aus Hassendorf, „wo die Tiere noch lange auf der Weide stehen“, so der 49-Jährige. „Ich sage ihm, wie ich das haben will und den Rest erledige ich selber. Dann habe ich ganz und gar die Kontrolle darüber, was in die Leberwurst kommt.“

Rezeptbücher und Ratgeber aus dem Internet

Das Wissen von der Oma, Ratschläge vom Schwager, alte Rezepte vom Vater – und dann ist da auch noch das Internet, das als Inspirationsquelle, aber auch als Ratgeber funktioniert. „Allein zum Thema Hackfleisch habe ich tausende Hinweise bekommen“, sagt er. Ein bisschen Pflege für die Gemüsebeete, das regelmäßige „Füttern“ des Sauerteiges – „das sind mittlerweile alles Handgriffe, die ich jeden Tag eben mache, und die dann nie viel Arbeit machen“, ist Blaskiewicz überzeugt. Und Dinge wie Mayonnaise oder Senf herzustellen sind inzwischen eine kleine Fingerübung für ihn.

Das, was er und seine Familie noch einkaufen, ist wenig geworden, unter anderem noch Butter und Paprika – „und Ketchup: Den haben wir mal probiert selber zu kochen, leider mit keinem guten Ergebnis“, gibt er zu.

Und wer weiß, vielleicht kaufe ich uns auch noch mal eine Kuh.

Jörg Blaskiewicz

Inzwischen sitzt auch sein mittlerweile achtjähriger Sohn mit im Selbstversorgerboot und fasst mit an. „Er hat dadurch ein ganz anderes Verständnis vom Essen bekommen“, freut sich Blaskiewicz. „Meine Frau sagt dagegen auch schon mal ,Jetzt reicht’s!‘, wenn ich wieder mal eine neue Idee habe. Aber ansonsten ist das für sie schon in Ordnung, weil sie weiß, dass mir das Spaß macht. Und für mich ist das Entspannung.“ Vater und Sohn tüfteln gerade daran, eine Teewurst sowie eigenen Joghurt herzustellen, „und wir versuchen uns gerade an Butter“. Oft sind es spontane Ideen, die Jörg Blaskiewicz in den Kopf kommen und die er dann versucht, umzusetzen.

Zur Zeit ist er dabei, mit den zahlreichen Eigenkreationen für seinen Sohn Ole ein eigenes Rezeptbuch zusammenzutragen – so, wie schon er selbst es von seinem Vater übernommen hat. Mit dabei natürlich der „Sottrumer Heiligabend“ und die Leberwurst-Kreation „Opa Peters“. „Und wer weiß“, sagt Blaskiewicz mit einem Schmunzeln, „vielleicht kaufe ich uns auch noch mal eine Kuh.“ Damit wäre dann auch gekaufte Milch vom Tisch.

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