Zusammensein ohne Druck

Bei der Rotenburger Gitarrenwoche steht das Wir im Vordergrund

In der Kapelle des Ahauser Landheims übt Gruppe zwei ein Stück ein.
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In der Kapelle des Ahauser Landheims übt Gruppe zwei ein Stück ein.

Ahausen – „Eins und zwei und drei und vier“, zählt Dirk Wieting, ein großgewachsener blonder Mann mit Zopf. Und schon im nächsten Moment beginnen sieben Gitarristen das Lied „Dirty“ zu spielen. Es dauert aber nur wenige Sekunden, da unterbricht Wieting die im Kreis sitzenden Musiker. „Passt immer auf die eins auf“, sagt er und „macht euch die Fingersätze klar“.

Wieting fängt noch mal an zu zählen und die Gruppe spielt wieder los. Es folgen einige Probedurchgänge und Unterbrechungen. Nach wenigen Minuten ist Wieting schon wesentlich zufriedener. „Jetzt nur noch mal die Läufe“, fordert er und die Gruppe legt noch mal los.

Der Musiklehrer leitet eines der zwei Ensembles der Rotenburger Gitarrenwoche. Das Stück „Dirty“ hat er selbst komponiert. Die Lehrerrolle nimmt er allerdings nur an den Nachmittagen ein, an den Vormittagen nimmt er selbst Unterricht. Vom Stargast, dem argentinischen Komponisten Máximo Diego Pujol, hat er sich zeigen lassen, wie er dessen Stücke noch besser spielen kann. Das sei schon was Besonderes, von dem Komponisten eines Stückes selbst Ratschläge zu bekommen, sagt Wieting.

Einen Raum weiter – in der Kapelle des Ahauser Landheims – probt eine zweite Gruppe unter der Leitung von Elke Köllmann, einer Sonderpädagogin aus Bremen. Sie spielen das Lied Modinha von dem brasilianischen Komponisten Celso Machado. In den Unterbrechungen bekommt die Gruppe Rückmeldung von Jessica Kaiser aus Graz, einer der Dozentinnen. Dirk Lemmermann und Hans-Wilhelm Kaufmann, die beiden Initiatoren der Gitarrenwoche, schalten sich auch ein.

Nach mehreren Durchläufen kommt das gemeinsame Spielen ins Stocken. „Manuel los, Manuel los“, fordert Köllmann einen der Gitarrenspieler auf, der seinen Solopart verpasst hat. Es geht eine Diskussion los, wie lange das Solo gehen soll. „Ich finde es gut, wenn wir uns acht Takte lang streiten“, wirft einer der Teilnehmer lachend ein. Nena, eine der jüngeren Teilnehmerinnen, hat ihren Oberkörper derweil zum Ausruhen auf ihrer Gitarre abgelegt. Der nächste Durchgang. Wieder eine Unterbrechung. Wieder eine Diskussion. Der nächste Durchgang.

Das Besondere an der Rotenburger Gitarrenwoche ist, dass dort Spieler mit unterschiedlichen Niveaus zusammen kommen. In der zweiten Gruppe sitzt eine Studentin, die keine Noten lesen kann und auf den Bass-Seiten die Gruppe begleitet, ein älterer Mann, der sich das Gitarrespielen selbst beigebracht hat und der Kontrabassist der Leipziger Philharmoniker, der in seiner Freizeit mal ein anderes Instrument spielen möchte. Zusammensein und zusammen Gitarre spielen ohne Leistungsdruck, in einem familiären Umfeld und in der Natur – so lässt sich zusammenfassen, warum sich die Teilnehmer auf dieses intensive Proben einlassen. Und natürlich viel gemeinsames Lachen.

Von der Magie des Festivals angezogen wurde auch die Gitarristin Liying Zhu. Die 30-Jährige kommt aus Kunming in China und hat Gitarre in ihrem Heimatland und Instrumentalpädagogik an der Hochschule für Musik und Tanz Köln studiert. In China haben ihre Lehrer ihr gesagt, was sie spielen soll. In Deutschland habe sie erst mal lernen müssen, dass man das mit den Schülern hier nicht machen könne, sondern herausfinden müsse, was die Anderen spielen wollen. Die Profimusikerin, die heute in Wuppertal lebt, übt mindestens zwei Stunden am Tag und ist bereits in der Carnegie Hall in New York aufgetreten. Im Rahmen der Rotenburger Gitarrenwoche hat sie ihr Können in der Ahauser Marienkirche gezeigt.

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