Polizist Markus Böger referiert in Sottrum über Cyberkriminalität und wie sich Unternehmen schützen können

Es beginnt mit einem Klick

Gastgeber Matthias Dittrich (l.), Gerhard Hübner (r.) und Thea Ohle dankten Markus Böger für seinen Vortrag. - Foto: Leeske

Sottrum - „Alles fing mit einem Klick an“, war eines der Schlagwörter vom Polizeihauptkommissar Markus Böger der sich beim niedersächsischen Verfassungsschutz mit Wirtschaftsschutz beschäftigt. Der Experte in Sachen IT-Sicherheit hielt auf Einladung des Überbetrieblichen Verbundes im Landkreis Rotenburg (ÜBV) einen Vortrag in den Räumen der Sottrumer Volksbank. Thema war die Cyberkriminalität und die Bedrohung für kleine und mittlere Unternehmen.

Mit dem Klick hatte Böger auch gleich die größte Bedrohung der IT-Sicherheit eines Unternehmens benannt, und zwar den Faktor Mensch: Denn der sei dabei die größte Schwachstelle, weil sich mittlerweile im Netz ein richtiger Wirtschaftszweig im Bereich Hacking entwickelt habe. „Sie können auf Seiten wie ,Rent a Hacker‘ heutzutage ihren eigenen Hacker mieten, aber Augen auf beim Virenkauf. Denn Sie wissen nie, ob der Hacker nicht eine Hintertür installiert, um einen Zugang auf ihr System zu haben“, scherzte Böger.

Durch die exponentielle Entwicklung der Digitalisierung werde die Bedrohung für IT-Systeme immer größer und schnelllebiger, wodurch die Einnahmemöglichkeit der organisierten Kriminalität auch immer vielfältiger werde. Er nannte einige Beispiele derartiger Geschäftsmodelle wie die Erpressung von Unternehmen durch Datenblockaden oder dem einfachen Clou des sogenannten CEO-Frauds, bei dem ein Mitarbeiter in der Finanzabteilung zur Überweisung eines hohen Betrages von einem vermeintlichen Chef angewiesen wird.

Beim Erpressungsmodell empfahl Böger, die geforderte Summe auf keinen Fall zu zahlen, weil die Kriminellen dann mehr Finanzmittel zur Verfügung hätten und der nächste Angriff noch besser werde. „Die Täter haben sie weiterhin im Auge und wissen, dass sie im Fall der Fälle bezahlen “, so Böger.

Außerdem sei ein sehr aktuelles Management für die Updates der Sicherheitssysteme die beste Abwehr derartiger Attacken. „Denn diese Angriffe funktionieren nur, wenn die Systeme eine kleine Lücke in ihrer Sicherheitsarchitektur haben, die nicht durch Updates beseitigt wurden“, erklärte Böger. Deswegen sei auch eine klare Regelung beim Öffnen von E-Mail-Anhängen in jeder Firma notwendig.

Ein CEO-Fraud beispielsweise könne am besten durch ein Mehr-Augen-Prinzip bei höheren Überweisungssummen verhindert werden.

Allgemein formuliert brachte Böger zum Ausdruck: „Sicherheit kostet Geld, aber ein Schaden kostet die Existenz.“ Er berichtete, dass in Betrieben nach einem Schaden oftmals plötzlich viele Mittel für die IT-Sicherheit zur Verfügung stünden. „Dann könnte es aber auch schon zu spät sein“, so Böger. Daher hielt er Maßnahmen für die Erlangung einer Versicherungswürdigkeit auch für sinnvoll. Denn die höhere IT-Sicherheit schütze das Unternehmen sofort und Versicherungsschutz sei nur ein zweitrangiger Effekt. Er schloss seinen Vortrag mit den Worten „Kein Back-up, kein Mitleid“ und beantwortete noch viele Fragen der anwesenden Unternehmer.

Von Henning Leeske

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