Hein Benjes spricht über die Besonderheiten seines Buches / Vorstellung bei Froben

Ein Ausflug in die Bärenhöhle

Die farbigen Illustrationen in dem Buch stammen auch aus der Feder von Hein Benjes.

Hellwege - Von Bettina Diercks. Für ihn steckt die Natur voller Wunder und deshalb voller Geschichten, die er gerne erzählt: Hein Benjes aus Hellwege. Der „Hüter der plattdeutschen Sprache“ und Erfinder der Benjes-Hecke hat bereits in verschiedenen Publikationen versucht, seinen Mitmenschen seine Liebe zur Natur nahezulegen. Jetzt sind „Geschichten aus der Bärenhöhle“ unter seinem Pseudonym Hein Botterbloom erschienen. Die farbigen Illustrationen hat er ebenfalls selbst gemacht.

Dabei ist die Geschichte ganz alt. „Die habe ich schon Kindern im Ort erzählt, die heute Omas sind“, sagt Benjes, selbst Jahrgang 1936 und früher Dorfschullehrer in Hellwege. Aber, sie wollte raus aufs Papier, für die Ewigkeit. „Sie ist wirklich und wahrhaftig im Hellweger Wald entstanden“, erklärt Benjes. Nicht den Inhalt, die Rückkehr einer Bärenfamilie in norddeutsche Breitengrade, meint er damit. Benjes, der Natur- und Kinderliebhaber, der Geschichtenerfinder und Märchenerzähler sagt: „Sie ist leise durch mein Herz in den Kopf geschlichen.“ Von dort aus „hüpfte sie bereits in die Köpfe der eigenen sieben Kinder“.

So nahm die mit viel Phantasie und Naturwissen geprägte Geschichte ihren Lauf. Gespickt mit plattdeutschen Begriffen, einer Art Lebenselixiers Benjes’. „Wenn diese Geschichten langsam durch ein ganzes Menschenleben wuchsen, dann ist es ganz natürlich, dass auch mal ein Körnchen Weisheit damit verwachsen ist“, sagt der Pensionär. „Es ist wohl auch das Vergnügen, die Weltgeschichte herunterzuholen von den hohen Bäumen ins Untergehölz, wo Kinder krabbeln und Käfer kriechen – und deshalb können solche Geschichten vielleicht auch helfen, aus rasenden Leuten wieder sinnige Menschen zu machen“, sagt Benjes.

Leute, Menschen – für ihn ein himmelweiter Unterschied mit großer Bedeutung. Das wird für aufmerksame Leser schnell deutlich in „Geschichten aus der Bärenhöhle“, wenn die pelzigen Neubewohner den anderen Tieren davon erzählen. Von Leuten und Menschen. Für Benjes ist es so, wie es schon klingt: „Leute sind solche, die einfach so durch die Welt gehen, ohne ihr Umfeld wahrzunehmen.“ Kühl und unbedacht eben. „Menschen sind die, die wahrnehmen und mitfühlen“, erklärt Benjes.

Deshalb sind Nabu-Mitglieder in seinem Buch Menschen und Jäger eben Leute. So einfach ist das für Benjes. Die Kreiszeitung hat es ebenfalls in sein Buch geschafft und einige Spielorte und Personen des Buches kommen Einheimischen sicherlich bekannt vor.

Streifzug durch das Autorenleben

Zu den Urteilen in seinen Geschichten ist der Lehrer in seinen langen Jahren vielleicht auch durch Zuhören gekommen. Das kann er nämlich mindestens genauso gut wie Erzählen. Benjes zitiert schelmisch grinsend aus seinem jüngsten Werk: „Da findet der Rehbock, der nicht wie das Rotkehlchen singen und wie der Enterich schnattern kann, aber doch Ohren zum Lauschen hat, findet er Trost bei Papa-Bär: ,Zuhören ist große Kunst, viel schwerer als piepen und plappern’.“

Benjes spinnt den Gedanken weiter zwischen seiner Geschichte und der aktuellen Lage auf der Erde: „Die Bären sind auf der Flucht und haben Unheil hinter sich, erlebten, wie der Wolf getötet wurde. Im Hellweger Wald finden sie ein neues Zuhause und Freunde, die helfen. Dabei leistet jeder seinen Beitrag, weil jeder Meister auf seine Art ist.“

Benjes imitiert schriftlich Vogelstimmen, vermittelt Zuversicht, beschreibt Witz und List und gibt Nachhilfe. „Poesie und Musik verbinden Tier und Mensch: Der Ortolan schenkte Beethoven ein Lied, das Rotkehlchen Wilhelm Busch ein Gedicht“, sinniert Hein Botterbloom. Hein ist übrigens die plattdeutsche Version von Heinrich und Botterbloom, das liegt auf der Hand, von Butterblume, dem Löwenzahn.

„Ich wollte einfach nur etwas mit Witz und großer Lust zum Fabulieren, vom zauberhaften bunten Leben im Wald erzählen. Es sollte kein Fabel werden.“ Irgendwie wirkt es aber wie ein Streifzug durch Benjes Leben. Und, Hellweger werden bei den Bärenkindernamen Buja, Däde und Hennemus hellhörig. So wurden die drei Jüngsten im Hause Benjes genannt: „Kerstin konnte nicht ,Bruder’ sagen. So blieb es bei Buja, der wiederum nicht Kerstin sagen konnte, aus der „Däde“ wurde. Und Henrik, den fanden alle so süß, fröhlich und liebreizend, dass sie ihn den ganzen Tag knuddeln und zu Mus hätten herzen können: Hennemus.“

Benjes stellt die „Geschichten aus der Bärenhöhle“ übrigens am Dienstagabend ab 19 Uhr in der Buchhandlung Froben in Sottrum vor. Das 72 Seiten dicke Buch kostet 18,50 Euro.

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