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Auf Schlohs Spargelhof laufen die Vorbereitungen für die Saison

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Von: Nina Baucke

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Thorsten Schloh und Friederike Schloh ziehen die Folie für die Tunnel auf einem der Spargelfelder zurecht.
Thorsten Schloh und Friederike Schloh ziehen die Folie für die Tunnel auf einem der Spargelfelder zurecht. © Baucke

Die Vorbereitungen für die Spargelsaison 2022 laufen: Auf dem Spargelhof der Familie Schloh in Hellwege zieht das Team derzeit die Folienbahnen über die Erddämme – und fiebert dem Tag entgegen, an dem die ersten Stangen des Gemüses zu sehen sein werden.

Hellwege – Der Blick von Thorsten Schloh geht in diesen Tagen öfter mal zu den Eichen, die in der Nähe seines Hauses stehen. Noch ragen die kahlen Äste der Bäume in den Himmel, „aber wenn die Eichen langsam grün werden, dann geht es los“, sagt der Hellweger. Schloh spricht vom Spargel, der auf seinen Feldern rund ums Dorf wächst – momentan aber noch innerhalb der kleinen Erddämme.

Für Außenstehende ist es das sichtbare Zeichen, dass sich in Sachen des königlichen Gemüses aber etwas tut: die Folien, die das Team von Schlohs Spargelhof über die Dämme ziehen. „Insgesamt sind das 120 Kilometer“, sagt Thorsten Schloh, als er eine der Bahnen über einen gebogenen Draht zieht, sodass sie einen Tunnel bildet. „Auch wenn es noch sehr kalt ist: Hier drin ist es schon richtig warm, dank der Sonne.“

Vorbereitungen laufen

„Jeder Meter muss auch noch abgelaufen und die Ränder der Folie noch mal mit Erde beschwert werden“, weiß Philipp Holtermann. Er hat vor wenigen Jahren erstmals als Verkäufer auf dem Spargelhof angeheuert, mittlerweile unterstützt er die Landwirte im Büro – und während der Saison-Vorbereitung auch auf dem Feld. Bis allerdings die erste Spargelspitze aus dem Boden ragt, dauert es noch einige Wochen. Dennoch laufen in dem Familienbetrieb derzeit die Vorbereitungen für die knapp zwei Monate, in denen es dann dort auf dem Hof rund gehen wird.

„Das ist jedes Jahr so: Wir machen alles für die Saison startklar, dann kommt die Erntezeit und dann flaut alles wieder ab – und das ist hier auf unserem Hof, da wir uns auf Spargel spezialisiert haben, ein bisschen anders, als in anderen landwirtschaftlichen Betrieben“, sagt Friederike Schloh. „Es ist jedes Jahr wieder eine Art Neustart. Und dennoch begleitet uns der Spargel durch das ganze Jahr.“

Noch ist es aber ruhig, denn aktuell sind es lediglich das Ehepaar Schloh, Holtermann sowie vier weitere Mitarbeiter – zwei von ihnen die beiden ersten Saisonarbeiter aus Polen –, die die Vorbereitungen, vor allem die mit den Folien, stemmen. Geht es erst los mit dem Spargel, wird es voller auf dem Hof.

Hoffen auf die Stammkräfte

Doch eine Herausforderung ist in diesem Jahr die Aquise von Erntehelfern. Schon im vergangenen Jahr hatte es Corona den Landwirten diesbezüglich nicht einfach gemacht. „Wir sind hier unter uns geblieben, alle haben sich jeden Tag getestet“, erinnert sich Thorsten Schloh. Allerdings: „Wir hatten letztes Jahr gehofft, dass es mit Corona in diesem Jahr einigermaßen vorbei ist.“ Dazu komme, dass die Impfquote in Polen um einiges niedriger als in Deutschland ist. Aber generell werde es für die Schlohs schwieriger, polnische Arbeitskräfte anzuheuern, „denn auch dort zieht die Wirtschaft an“. Dazu komme, dass es früher oft wenige, aber dafür große Familienverbände waren. Das sei heute anders. Dennoch: „Viele sind Stammkräfte, die jedes Jahr hier sind.“

Um die Arbeiter anzuheuern, haben Schlohs eine polnische Vorarbeiterin, die die Leute anspricht und Anzeigen schaltet, dieses Mal aber haben die Hellweger eine Vermittlungsagentur zusätzlich mit an Bord geholt.

Und dann ist da noch der Krieg in der Ukraine: Einige Erntehelfer stammen aus der Grenzregion zum kriegsgebeutelten Land. „Die können zum Teil schon gar nicht mehr tanken, weil die Preise so hoch sind. Dazu haben wir gehört, dass Reservisten schon Anschreiben bekommen haben sollen, aber genaues wissen wir da noch nicht“, sagt Thorsten Schloh. Selbst wenn das zumeist die Männer betreffe und das Geschlechterverhältnis im Ernteteam in der Regel ausgewogen sei: „Natürlich stellen sich viele Menschen – Frauen und Männer – da jetzt die Frage: Gehe ich für mehrere Wochen jetzt von meiner Familie weg, wo niemand weiß, was noch passieren kann?“, sagt Friederike Schloh.

Was im Vorfeld nicht organisiert ist, geht dann auch während der Saison nicht.

Friederike Schloh

Wie viele Menschen es daher sein werden, die demnächst den Spargel aus der Erde holen werden, wissen Schlohs erst, wenn es losgeht. Die Unterkünfte bereiten sie daher erst einmal auf blauen Dunst vor. „Der Spargel ist nun mal ein Naturprodukt, eine Woche, bevor es richtig losgeht, geben wir daher unseren Saisonkräften Bescheid, dass sie sich auf den Weg machen können.“

Eine Woche Vorlauf – die haben auch die Mitarbeiter im Büro und in den etlichen Verkaufsständen in der ganzen Region. „Auch da sind wir jetzt dabei, das Team zusammenzustellen, demnächst gibt es dann noch eine Schulung für alle“, berichtet Friederike Schloh. „Das ist jedes Jahr ein Puzzlespiel, einige können nur für ein paar Stunden oder an bestimmten Tagen, und ich setze das Ganze dann zusammen.“ Sie ist zur Zeit damit beschäftigt, den Hofladen zu füllen – mit Konfitüre, Sirup und anderen Produkten aus der Region. Denn während der Saison gibt es für die Schlohs kaum einen Augenblick zum Durchatmen. „Was im Vorfeld nicht organisiert ist, geht dann auch während der Saison nicht“, ist Friederike Schloh da pragmatisch.

Dann spielt nämlich der Spargel die Hauptrolle, „am Besten mit Schinken und Kartoffeln“, findet die Hellwegerin. „Auch, wenn ich gerne mal neue Rezepte ausprobiere.“ Wird allerdings zu Ostern der erste Spargel auf dem Tisch stehen? Thorsten Schloh sieht wieder zu den Eichen hinüber, und auch, wenn an den Bäumen von Grün noch keine Rede ist, kann er sich ein zufriedenes Lächeln nicht verkneifen: „Im Augenblick spricht alles dafür.“

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