Autorin Antje Holsten-Körner probiert sich im Rollstuhlbasketball / Muskelkater am Folgetag

Auch Handballerfahrung hilft wenig weiter

Auch Jessica Röhrs (am Ball), die einige Minuten mitspielt, hat ihren Spaß beim Rollstuhlbasketball. - Foto: Holsten-Körner

Sottrum - Ein knappes Jahr hat die Reeßumerin Jessica Röhrs ihren Bundesfreiwilligendienst beim TV Sottrum absolviert. Nach einem Sport-Seminarblock, bei dem Inklusion im Mittelpunkt stand, und den Erfahrungen bei der von Dorothee Heinze trainierten Behindertensportgruppe war für die 19-Jährige schnell klar, dass sich ihr Abschlussprojekt um diese Thema drehen soll. Die Wahl fiel auf Rollstuhlbasketball. Zusätzlich zu Angeboten an den vier Sottrumer Schulen hatte Röhrs für einen Abend Interessierte – ob mit oder ohne Handicap – in die Halle am Gymnasium eingeladen. Das hörte sich so interessant an, dass auch ich mich angemeldet habe.

Als ich die Sporthalle betrat, waren die Rollstühle bereits auf dem Basketballfeld unterwegs. Ich hatte nicht etwa Verspätung, sondern die Badminton-Jugend nutzte ihre Trainingszeit ebenfalls für eine Übung. Ein Spieler beeindruckte dabei besonders: Er kontrollierte Rollstuhl und Ball nahezu perfekt. „Das ist unsere Messlatte für heute“, begrüßte mich Volker Heinze, der ebenfalls mitmachte, schmunzelnd.

Schnell stellte sich heraus, dass es sich dabei um Michael Wilker aus Syke, einem Regionalligaspieler, Betreuer und Schiedsrichter, handelt. Um den Trainingsabend abwechslungsreich zu gestalten, hatte sich Jessica Röhrs Unterstützung von den Profis geholt. Dazu gehörten ebenfalls Trainer Nico Röger und Spielerin Corinna Krause vom TSV Achim, bei dem die Sportart über eine eigene Abteilung verfügt.

Mit mir standen zehn Teilnehmer in der Halle, wovon die zehnjährige Lara, Ingo Lange (55) und Rolf Rosenberger (38) im Alltag auf den Rollstuhl angewiesen sind. Mit fünf Spielern war die TV-Prellballabteilung stark vertreten, von den Handballern waren Tom Puschmann und Sascha Nijland dabei. Gestartet wurde mit der Ballaufnahme vom Boden.

„Nicht mit beiden Händen zum Ball beugen, sondern die Möglichkeiten des Rollstuhls nutzen und das drehende Rad zu Hilfe nehmen“, erklärte Corinna Krause, die seit Ausbruch einer Muskelerkrankung nur noch kurze Strecken ohne Hilfe gehen kann. Sport – ob Handball, Reiten, Tennis oder Skilaufen – war für die 52-Jährige früher selbstverständlich. Mit Basketball hat Krause eine Möglichkeit gefunden, wieder zu spielen. So kinderleicht wie es bei ihr aussah, war es für mich allerdings nicht.

Als nächstes galt es, Grundwürfe wie den Korbleger und den folgenden Rebound auszuprobieren. Gar nicht so einfach, aus dem Stuhl heraus zu werfen und zu treffen. Da half mir meine jahrzehntelange – wenn auch einige Zeit zurückliegende – Handballpraxis auch nicht viel. Bei anderen klappte es deutlich besser. Dazu gehörte Landesliga-Handballer Nijland, dessen Würfe auch über große Strecken das Ziel erreichten.

Anschließend stand ein Slalom auf dem Programm. Während der Rollstuhl vorwärts noch ganz gut zu kontrollieren war, ging es im zweiten Teil rückwärts doch langsamer voran. Nach Sprint- und einer weiteren Fahrübung folgt zum Abschluss ein Basketballspiel.

Spaß stand dabei, wie den ganzen Abend über, an erster Stelle. Und den hatten alle Beteiligten auf jeden Fall. Und das nicht nur, weil der Ball auch immer mal wieder im Korb landete. So wie bei Ingo Lange, seit einem Unfall im Jahr 1984 auf den Rollstuhl angewiesen, und vor einigen Jahren schon einmal aktiv. „Ich werde wieder mit dem Sport anfangen“, verriet er zwischendurch.

Nach der Anfangsphase kamen auch Michael Wilker und Nico Röger dazu, die mit ihrem Sportgerät schon fast über das Feld tanzten. Sie freuten sich besonders, dass sich Laras Papa nach dem Spiel nach den Trainingszeiten erkundigte, denn der Zehnjährigen hatte der Abend sehr gut gefallen. Auch von allen anderen Teilnehmern gab viel Lob für Röhrs und ihre Helfer.

Für mich hat es sich ebenfalls gelohnt, Erfahrungen aus einer anderen Perspektive zu sammeln. Dass ich von Blasen an den Händen verschont geblieben bin, habe ich bestimmt Corinna Krause zu verdanken: Sie gab mir nämlich eine Creme, die die Haut fast wie ein Handschuh schützt. Ganz ohne Folgen ist der Abend trotzdem nicht geblieben: Obwohl ich zwischendurch immer wieder meinen Rollstuhl verließ, um Fotos zu schießen oder Mitspielern Fragen zu stellen, gab es am Folgetag einen leichten Muskelkater in den Oberarmen.

Von Antje Holsten-Körner

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