Patentärger für Stapeler Firma

Aries in kuriosem Rechtsstreit wegen chinesischer Konkurrenz

Klaus-Dieter Szczesny mit der Motten-Box, die für den amerikanischen Markt patentiert wurde.
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Klaus-Dieter Szczesny mit der Motten-Box, die für den amerikanischen Markt patentiert wurde.

Damit eine Motten-Box des Stapeler Unternehmens Aries weiterhin in die USA vertrieben werden darf, musste Mit-Firmengründer Klaus-Dieter Szczesny einen teuren Weg gehen und für den amerikanischen Markt ein Patent anmelden. Nötig gemacht hatte das ein Trittbrettfahrerprodukt aus China.

Stapel – Die Nachahmung erfolgreicher Produkte ist für viele Unternehmen verlockend. Diese Erfahrung musste die Firma Aries Umweltprodukte mit Sitz in Stapel schon mehrfach machen. Bei der Motten-Box „Mottlock“, eine giftfreie und geruchslose Klebefalle zum Monitoring, gingen die Trittbrettfahrer allerdings noch einen Schritt weiter. „Eine chinesische Firma hat in Amerika ein Patent auf unsere Box angemeldet und eine Designverletzung angezeigt, so dass plötzlich unser Kunde die Original-Mottenboxen nicht mehr über Amazon verkaufen durfte“, berichtet Klaus-Dieter Szczesny, der zusammen mit seiner Ehefrau Catherine 1988 die Firma gegründet hatte – damals noch an ihrem ersten Standort im Souterrain eines Hauses im Bremer Ostertor.

Ich dachte schon, die Chinesen greifen Stapel an.

Klaus-Dieter Szczesny

Etwas sarkastisch fügt er hinzu: „Ich dachte schon, die Chinesen greifen Stapel an.“ Da in Europa kein Patent auf „Mottlock“ und ähnliche Produkte möglich ist, hatte Aries Umweltprodukte, 1991 in die Samtgemeinde Sottrum umgezogen, dies in anderen Ländern nicht weiterverfolgt. Um aber ihrem Kunden den weiteren Vertrieb in den USA zu ermöglichen, musste die Motten-Box für diesen Markt modifiziert werden.

Deutlich aufwendiger gestaltete sich die Anmeldung auf der anderen Seite des großen Teichs. „Weit mehr als ein Jahr dauerte es bis zum Abschluss des Verfahrens, an dem amerikanische und deutsche Anwälte sowie unsere eigene Anwältin beteiligt waren“, sagt Szczesny. Mehr als die 5 000 Euro Kosten, die für das Verfahren aufgewendet werden mussten, machte sich der Umsatzausfall durch den Verkaufs-Stopp bemerkbar.

Patentnummer auf jeder Box

Inzwischen hält aber Klaus-Dieter Szczesny die vom Director of the United States Patent and Trademark Office unterschriebene Patent-Urkunde in den Händen, mit der der Verkauf der Stapeler Mottenbox rechtlich abgesichert ist. „Wichtig ist, dass jede Box mit der Patentnummer versehen ist“, betont der 69-Jährige, der sich aus dem Tagesgeschäft weitgehend zurückgezogen hat. Dies liegt in den Händen seiner Töchter Mathilde und Elsa, die als Geschäftsführerinnen eingesetzt sind. Auf die zahlreichen Kontakte, das richtige Gespür und den großen Erfahrungsschatz ihres Vaters können sie aber weiterhin zählen. „Ich kümmere mich mit um die Entwicklung und bin im Boot, wenn große Entscheidungen anstehen“, verspricht er.

Durch dieses Patent ist der Vertrieb in den USA jetzt wieder möglich.

Die Produkte aus dem 250-Seelen-Dorf Stapel werden nicht nur in Europa und Amerika verkauft: „Wir haben sogar Kunden in Moskau, Taiwan und Australien“, berichet Szczesny nicht ohne Stolz. Die Anfänge von Aries Umweltprodukte gehen mehr als drei Jahrzehnte zurück, als Familie Szczesny bei den Schwiegereltern in Süd-Frankreich zu Besuch war. „Als Anna sehr von Mücken geplagt wurde, entdeckten wir das biologische Insektenspray Pistal, für das wir hier den Vertrieb übernahmen“, erzählen Catherine und Dieter Szczesny, schon damals bioaffin und aktive Mitglieder der Anti-AKW-Bewegung. Das Insektenspray sollte sich als Türöffner zur Biobranche erweisen, denn dort wurden biologische Schädlingsbekämpfungsmittel dringend gebraucht.

Entwicklung von Samenbomben

Einen Namen gemacht hat sich Aries Umweltprodukte auch mit den Samenbomben, die öde Landschaften durch Blumen zu neuem Leben erwecken. Als Klaus-Dieter Szczesny die Samenbomben für sich entdeckte, gab es zwar schon Rezepte, doch die waren verbesserungsbedürftig. Rund 3 000 bis 4 000 Stunden investierte er bereits in die Entwicklung. Und er ruht sich nicht auf den Lorbeeren aus, sondern verbessert mit seinem Team, zu dem inzwischen 35 Angestellte gehören, ständig die Qualität. Gleich nach der Markteinführung bekam er für diese Entwicklung im Jahr 2011 den ersten Preis bei der Biofach, der Weltleitmesse für Bioprodukte, im Non-Food Bereich. Auch bei den Samenbomben sind bereits Plagiate auf dem Markt zu finden.

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