Drittes Einzelkonzert der Rotenburger Gitarrenwoche

Tatyana Ryzhkova spielt in Ahausen: Anmut und Perfektion

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Tatyana Ryzhkova beeindruckte das Publikum mit ihrem virtuosen Akustik-Gitarrenspiel.

Ahausen - Von Heidi Stahl. Kaum fassen konnte die schlichte, kleine Kirche in Ahausen die vielen Gäste, die dieser jungen Künstlerin aus Weißrussland zuhören wollten.

Tatyana Ryzhkova ist 1986 in Minsk geboren, spielt seit ihrem zehnten Lebensjahr Gitarre und gehört schon heute zu den renommiertesten klassischen Gitarristinnen auf der Welt. Mit mehr als 400 Konzerten in aller Welt und Klickraten auf Youtube, die die Zwei-Millionen-Grenze schon längst überschritten haben, ist sie eine der bekanntesten Künstlerinnen, die die Gitarrenszene kennt.

Selbst vor Jahren einmal Teilnehmerin der Rotenburger Gitarrenwoche, wurde sie von den Veranstaltern dieses Mal als Dozentin verpflichtet und begeisterte die jungen Teilnehmer mit ihrer erfrischenden und unkonventionellen an ihrem Unterricht. Seit sieben Jahren lebt die Künstlerin mit ihrem Mann in Syke-Barrien und hat in Bremen eine eigene Gitarrenschule. Mit dem Solokonzert durchbrach sie alle traditionellen Erwartungen an ein klassisches Gitarrenkonzert.

Werke mit technischer Perfektion inszeniert

Waren es zu Beginn noch die vorausgesehenen zeitlosen Töne von Franciso Tárregas (1852-1909) „Capricho Arabe“ oder der von ihr selbst arrangierten „Tristorosa“ von Heitor Villa-Lobos (1887-1959), die wie Perlen an einer Kette unter ihren Händen mit vollendeter technischer Perfektion das Kirchenschiff erfüllten, so wechselte sie mit ihrer eigenen Komposition „Dream“ in ein ganz anderes Genre, indem sie sich mit der Gitarre zu ihrem Gesang begleitete. In ihrer Muttersprache Russisch hatte sie dieses Lied geschrieben, in Erinnerung an schwere Zeiten in ihrer Jugend, als es ihr gesundheitlich so schlecht ging, dass sie keine Gitarre spielen konnte.

Mit leiser Stimme in fast perfektem Deutsch erklärte sie zwischen den einzelnen Darbietungen immer wieder sehr emotional, wie sie selbst die einzelnen Kompositionen empfand und aus welchem Grund sie sie für dieses Konzert ausgewählt hatte. So wich sie auch von dem ausgedruckten Programm ab, erzählte, dass sie die Stücke ja schon vor einem halben Jahr hatte benennen müssen, damit sie dann in der Vorbereitung gedruckt werden konnten. 

„Aber wissen Sie, wenn Sie beispielsweise in ein Lokal gehen, schon ein halbes Jahr vorher, ob Sie dann Lust auf einen Obstsalat oder einen Pudding haben?“ So ginge es ihr mit diesem Abend, und sie flocht eine weitere eigene Komposition „Sternenregen“ in ihr Programm ein, weil ihr mit dem wolkenlosen, dunklen Himmel und dem fast vollen Mond über Ahausen, dieses Lied von dem Traum eines Mädchens, das sich einen vom Himmel fallenden Stern wünscht, in die Stimmung zu passen schien.

Gitarrenklänge ganz ohne Verstärker

Mit dieser Komposition machte sie wieder etwas, „was man bei einem klassischen Gitarrenkonzert keinesfalls machen darf“, wie sie verschmitzt erläuterte, nämlich einen Verstärker benutzen. Dieses unkonventionelle Experiment erklärte sich dadurch, dass sie das Stück eigentlich als Duo für zwei Gitarren für sich und einen Jugendfreund geschrieben hatte und mit dem Delay-Effekt des Verstärkers seine zweite Gitarre erklingen und so den „Sternenregen“ vor dem inneren Auge der Zuhörer sehr bildlich und lautmalerisch durch ihre einfühlsame Interpretation vom Himmel fallen ließ.

Wenn diese grazile junge Frau mit dem blassen, ebenmäßigen Gesicht und den leuchtend roten Lippen, das lange dunkelblonde Haar schlicht zusammen gebunden, in die Saiten ihrer Gitarre greift, hat sie eine überragende Präsenz auf der Bühne, die die Zuhörer atemlos in ihren Bann zieht. 

Ihre künstlerische Perfektion verbindet sie mit einer Emotionalität, die von Liebe zur Musik durchdrungen ist und technisch Anspruchsvollstes als traumhafte Leichtigkeit und Mühelosigkeit vorgaukelt. Wenn sie bei furiosen Läufen oder unkonventionellen Tapping mit der linken Hand ihre Augen schließt und ganz in ihrer Welt aufgeht, lässt sie ihr Publikum fast atemlos zurück.

Mit Alexander Vlassenkovs (geboren 1958) volksliedhafter Komposition „The Stream“ verdeutlichte sie im zweiten Teil des Konzertes das Bild eines kleinen Flüsschens von der sprudelnden Quelle bis zum träge dahinfließenden großen Strom, dass man unwillkürlich an Smetanas „Moldau“ aus dem Zyklos „Mein Vaterland“ mit großer orchestraler Besetzung erinnert wurde – und dabei hatte sie nur eine Gitarre in ihren virtuosen Händen. 

Mit Francisco Tarragas (1852-1909) Fantasie über Themen aus „La Traviata“ und dem vom Publikum bejubelten „Malaguena“ beschloss Tatyana Ryzhkova dieses beeindruckende Solokonzert, das mit Fug und Recht als ein Höhepunkt der diesjährigen Gitarrenwoche bezeichnet werden kann.

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