Anke Dunker veröffentlich ihr Erstlingswerk „Oh – Vergessen“

Erlebnisse im Klassenzimmer

Stolz auf ihre Schilderung des alltäglichen Wahnsinns: Anke Dunker ist Lehrerin am Sottrumer Gymnasium und hat nun ihr erstes Buch „Oh – Vergessen!” veröffentlicht.
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Stolz auf ihre Schilderung des alltäglichen Wahnsinns: Anke Dunker ist Lehrerin am Sottrumer Gymnasium und hat nun ihr erstes Buch „Oh – Vergessen!” veröffentlicht.

Sottrum - Ein denkwürdiger Augenblick, wenn ein Jungautor sein erstes Buch frisch aus dem Druck in den Händen hält. Umso mehr, wenn sie beim Erscheinen 52 Jahre alt ist und eigentlich Mathelehrerin – und das Buch nur entstanden ist, um sich den Frust von der Seele zu schreiben.

Nicht die einzige Kuriosität, die sich um das Erstlingswerk der Sottrumer Gymnasiallehrerin Anke Dunker rankt. Hat die rührige Pädagogin und Chorleiterin das Werk doch ohne einen Verlag im Hintergrund mit Hilfe von Verwandten gesetzt, lektoriert und verlegen lassen. Dass es so weit kam, hat Dunker eigentlich ihren Schülern zu verdanken. Die lieferten immer wieder Stoff für Situationen zwischen Schmunzeln und Nervenzusammenbruch – besonders im Unterstufenchor, dessen Leitung sie seit neun Jahren lang mit Enthusiasmus betreibt. Ob kurz vor der Aufführung T-Shirts oder Instrumente verschwunden sind oder die Solistin Minuten vor dem Auftritt Nasenbluten bekommt – es sind die kleinen Erlebnisse, die die Hüter von Schutzbefohlenen zum Wahnsinn treiben.

So auch Mathematikerin Dunker, die ihre Auftritte akribisch vorbereitet und nichts dem Zufall überlässt – wäre da nicht der Faktor Mensch, in diesem Fall Schüler oder auch deren Eltern. Wenn der Frust allzu groß wurde, schrieb die Scheeßelerin ihn sich von der Seele. Und siehe da: „Im Nachhinein und in der Summe habe ich gemerkt, dass ich darüber lachen kann!“ Dabei hatte die Niederschrift der Anekdoten auch Ventilfunktion: „Als mir die einzige Probe vom Schulleiter durch ein unbedachtes „Hitzefrei“ gestrichen wurde, natürlich aus Unwissenheit, habe ich erstmal geheult“, gibt die ehemalige Eichenschullehrerin zu.

Es blieb nicht aus, dass sie ihre Kurzgeschichten, die die kleinen Widrigkeiten des Lebens mit der einer Mathematikerin eigenen Akribie schildern, den Kollegen zeigte. Besonders, wenn diese darin vorkamen, denn: „Nicht nur bei den Schülern schüttelt man manchmal den Kopf“, so Dunker. Etwa, wenn wieder einmal die Kopiervorlage fehlte und keiner Druckerpapier im Lehrerzimmer nachgelegt hatte. Die Reaktionen waren durchweg positiv: Von Zustimmung – erleben viele der Kollegen doch täglich Ähnliches – bis zu eigenen Erlebnissen und immer wieder dem Satz: „Daraus musst du mal ein Buch machen!“

Strategisch, wie sie auch eine ungelöste Gleichung angehen würde, analysierte Dunker die Verlagslandschaft und schrieb die Unternehmen an, insgesamt ein Dutzend. Die ernüchternde Erkenntnis: „Die großen Verlage antworteten gar nicht“, der Rest: durch die Bank Absagen. Doch die leidenschaftliche Schwimmerin ließ sich nicht entmutigen: Kurzerhand suchte sie sich eine Illustratorin, die sie der Freundin ihres Neffen fand, ließ sich von letzterem die Texte setzen und verlegte das Buch in Eigenregie. Und machte sich nebenbei mit den Gepflogenheiten der Branche vertraut, von der Vergabe von ISBN-Nummern über Persönlichkeitsrechte, Vertragslaufzeiten und Einrichtungsgebühren bis zu Kuriositäten wie einer 140-seitigen Leseprobe des 187-seitigen Werks auf Amazon.

Nach zwei Probeandrucken hielt Dunker zu Ostern die ersten 250 Exemplare in der Hand. Das fertige Taschenbuch mit dem Titel „Oh – Vergessen!“ mit 13 Geschichten ist im Internet erhältlich, ein Großteil der Verkäufe läuft jedoch über die Autorin selbst, über Email-Verteiler, Facebook und Verwandte. „Inzwischen nimmt sogar meine Mutter immer ein paar Exemplare mit zum Kaffeekränzchen“, schmunzelt Dunker. Etliche der – mit geändertem Namen – Beschriebenen erkannten sich wieder, „für viele ist es eine schöne Erinnerung.“

So möchten die meisten eine persönliche Widmung. Reich werden will die Autorin mit ihrem Werk aber nicht: Die Erlöse aus den Amazon-Einnahmen will sie in den Kauf einer Ziege fürs Patenkind in Ghana investieren, ansonsten freut sie sich, dass sie mit dem Verkauf der Bücher inzwischen ihre Kosten für Druck und Illustrationen gedeckt hat. Illustratorin Sabrina Deets, angehende Fachangestellte für Medien- und Informationsdienste der Gemeindebücherei Oyten, war es dann auch, die die „Jungautorin“ zu ihrer ersten Lesung in die Bücherei, die am 6. Juli über die Bühne geht, eingeladen hat.

Wer sich schon vor dem Termin ein Exemplar des Werkes sichern möchte, kann es zum Preis von 11,90 Euro bei Amazon oder für zehn Euro per Mail bei AnkeDunker@web.de bestellen. Der Ausflug von den Zahlen zu den Buchstaben ist für die Lehrerin allerdings ein einmaliges Projekt: „Ich selbst schreibe nichts mehr auf, weil die Dinge sich irgendwann wiederholen.“ Dafür hat sie nun andere Kollegen animiert, die kleinen Unwägbarkeiten des Lehreralltags mit einem Augenzwinkern zu betrachten. In Sottrum hört man daher immer wieder den Spruch „Anke, das wär doch was für dein Buch“.

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