Ländliches Kulturleben

Ein Tag mit altem Handwerk

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Der Heimatverein Ahausen veranstaltet erstmals den Tag „Altes Handwerk“. Dafür haben sich die Verantwortlichen einige Aktionen überlegt, die die Besucher auf dem Gelände des Ahauser Heimatvereins erwarten.

Ahausen - Von Bettina Diercks. Wie war es früher? Wie haben unsere Vorfahren ihren Alltag bewältigt und gestaltet? Dieser Frage geht der Heimatverein Ahausen am Samstag, 16. Juli, ab 14 Uhr, nach. Erstmalig veranstaltet er den Tag „Altes Handwerk“. Zeigen und Ausprobieren steht dann obenan, da die „Bewahrung des ländlichen Kulturlebens“ und „Wissensvermittlung“ zu den Vereinszielen gehört.

Die Idee, altes Handwerk zu präsentieren, keimte schon länger unter den Mitgliedern. Vor allem, weil sich mittlerweile viele Gerätschaften von früher im Besitz des Heimatvereins befinden. Alexandra Niederee nahm federführend den Tag in die Hand. Ihr Vater hatte im Vorfeld alle Sachspenden katalogisiert.

Der Darstellungstag am Samstag ist zeitgleich Teil des Kinderferienprogramms der Samtgemeinde Sottrum. Ebenfalls etwas, das der Heimatverein erstmalig macht. Alexandra Niederee, die sich laut dem Vereinsvorsitzenden Carsten Kaßburg in den Vereinsreihen zur „Eventmanagerin“ mausert, kümmert sich um zehn Kinder.

Julia Hahn zeigt den Besuchern, wie man Wolle spinnt.

Nachdem beim öffentlichen Backtag im September vergangenen Jahres zum ersten Mal auch der „Weltspinntag“ in Ahausen begangen wurde, steht der Tag „Altes Handwerk“ vor allem im Zeichen der Wolle. Da passt es ja, dass die Kamerun-Schafe von Heiko Intemann auf der Weide gegenüber des Geländes des Heimatvereins gerade frisch geborene Lämmer bei Fuß haben.

Wer einmal frische Wolle pur anfassen will, kann das beim Verein tun. Dort liegt ein Schaffell, ein sogenanntens Flies aus. Flinke Hände zeigen den Zuschauern, wie Wolle gewaschen, gekämmt und später dann gesponnen, gefärbt und mit ihr gefilzt wird. Wer mag, darf selbst bei der einen oder anderen Verarbeitungsstufe der Wolle Hand anlegen.

Danach geht es weiter zu den Damen, die stricken, klöppeln oder Occhi herstellen. Mit letztgenannter Handwerkstechnik aus Italien, die dem einen oder anderen vielleicht auch als Schiffchenarbeit oder Frivolité bekannt ist, lassen sich außergewöhnliche, filigrane, verspielte Spitzenwerkstücke herstellen. Zu sehen sind diese Arbeiten selbst bei modernen Schmuckkreationen, da sie in erster Linie zur Verzierung dienen. Ganze Tischdecken können allerdings ebenfalls entstehen, da die Spitzenarbeit aus vielen kleinen Ringen zusammengefügt wird. Daher hat sie auch ihren Namen: Occhi steht im italienischen für „Auge“.

Im Gegensatz zum Occhi, wo das Garn mittels eines kleinen Holzschiffchens verarbeitet wird, befindet sich der Faden beim Klöppeln auf spindelförmigen Spulen, den Klöppeln, die meist ebenfalls aus Holz sind. Die Handklöppelspitze, so der Name des Resultats, entsteht durch einen systematischen Wechsel von verdrehen, -knüpfen und -schlingen von mehreren Fäden gleichzeitig.

Auch ein Blick in den Schaukasten lohnt sich.

Was zum Bedauern des Vereinsvorsitzenden Carsten Kaßburg beim Debüt fehlt: ein Webstuhl. Der Verein besitzt mehrere Exemplare und würde gerne einen im Dachgeschoss der Durchfahrtlängsscheune aufbauen, wenn es fertig ist. Aber nicht nur als Ausstellungsstück, sondern als lebendiges Utensil, an dem gearbeitet wird. Das alles ist noch in Arbeit und stellt ein weiteres Ziel des Vereins dar.

Was noch zu sehen und zu erleben ist am Samstag: Wie früher Wäsche gewaschen und gemangelt wurde, ein Steinsetzer in Aktion, Stuhlflechten mit Binsen, Holzschnitzen und Herstellen von Holznägeln sowie das Dengeln von Sensen. Je nachdem, wie gut der Graswuchs die kommenden Tage ist, zeigen die Verantwortlichen eventuell auch, wie gesenst wird.

Im Obergeschoss des Backhauses haben die Besucher die Möglichkeit, an diesem Tag ein Teil des Antiquariats zu besichtigen. Unten wird derweil gebacken, da parallel der öffentliche Backtag des Vereins stattfindet, wie übrigens jeden dritten Samstag im Monat.

Erstanden werden kann an diesem Tag nichts von den Leckereien aus dem Ofen. Wer aber Lust hat, ein Brot oder Kuchen mal im Holzbackofen garen zu lassen, der kann gerne mit seinem Rohling oder dem Blech vorbeikommen. Angeliefert sein muss alles bis 14 Uhr. Für die Backzeit stehen Sitzgelegenheiten zur Unterstützung des geselligen Beisammenseins zur Verfügung. Für Fragen zum „Backen für jedermann“ einfach mal auf der Homepage des Vereins nachgucken oder eine E-Mail an das Backteam schicken: backteam@ahauser-heimatverein.de.

www.ahauser-heimatverein.de

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