Alle drei Tage im Einsatz

Sottrums Gemeindebrandmeister Björn Becker blickt auf das vergangene Jahr zurück. Fotos: Holsten-Körner

Während in vielen Städten Berufsfeuerwehren die Aufgaben „Retten, löschen, bergen, schützen“ übernehmen, sind in der Samtgemeinde Sottrum 15 Freiwillige Feuerwehren dafür zuständig. Obwohl es ein ehrenamtliches Engagement ist, mussten sie im vergangenen Jahr insgesamt 122 Mal – also durchschnittlich jeden dritten Tag – ausrücken.

VON ANTJE HOLSTEN-KÖRNER

Sottrum – Das Jahr fing eigentlich ruhig für die Freiwilligen Feuerwehren in der Samtgemeinde Sottrum. Die erste Alarmierung kam erst zwei Wochen nach Neujahr, genauer am 14. Januar. Die zu einem Seniorenheim ausrückenden Wehren aus Sottrum, Hassendorf und Stuckenborstel konnten aber schon nach kurzer Zeit wieder fahren, denn das angebliche Feuer war ein Fehler der Brandmeldeanlage. Auch der zweite Einsatz am 21. Januar stellte sich harmloser heraus, als es bei der Meldung „Gasaustritt“ anzunehmen war. Dennoch: Zwei Einsätze in drei Wochen, ein ruhiger Schnitt, der übers Jahr hinweg bei Weitem nicht zu halten war. Das geht aus der Bilanz über das vergangene Einsatzjahr hervor, die Gemeindebrandmeister Björn Becker mit der Kreiszeitung aufgestellt hat. Am Ende des vergangenen Jahres sollten die Wehren zu insgesamt 122 Einsätzen ausgerückt sein.

Schon im April machte sich die Trockenheit bemerkbar, denn ab 9. April standen zahlreiche Flächenbrände im Fokus der Wehren. Am 23. April mussten die Freiwilligen Feuerwehren nicht nur zum Brand einer Tannenschonung bei Hellwege ausrücken, sondern wurden an diesem Tag auch noch zu einem Feuer in einem landwirtschaftlichen Gebäude nach Höperhöfen gerufen. Noch dicker kam es am 29. Juni. „Innerhalb von acht Stunden wurden wir zu vier Flächenbränden alarmiert“, erinnert sich Becker.

Einen Tag später, noch während die offizielle Feier zum Samtgemeindejubiläum lief, schlugen die Melder erneut Alarm. „Kurz vor dem Essen mussten wir nach Taaken, wo ein Getreidefeld brannte.“ Hier kam den Brandschützern zugute, dass ein Landwirt einen Grubber, zur Verfügung stellte, mit dem ein Schutzstreifen gezogen werden konnte. Bei anderen Bränden profitierten die Wehren von der Weitsicht einiger Landwirte. „Sie haben mit Wasser gefüllte Güllefässer aufgestellt. Ohne diese Maßnahmen hätte es manchmal wesentlich höhere Schäden gegeben“, ist der Gemeindebrandmeister dankbar.

Noch einen Schritt weiter gingen einige Horstedter. Unter Federführung von Christoph Engelken wurde ein sogenannter IBC-Behälter, der einen Kubikmeter Wasser fassen kann, auf einem Anhänger installiert und mit einer Pumpe ausgestattet. „Der Behälter steht bei Erntearbeiten am Feldrand“, erklärt Becker diese Idee. Zu den größten Einsätzen im vergangenen Jahr zählte allerdings der Wohnhausbrand an der Großen Straße in Sottrum Anfang Juni. Durch den langwierigen Einsatz konnte der ursprüngliche Plan, Werbung in eigener Sache beim Markt an der Wieste zu machen, nicht realisiert werden. „Die meisten Besucher hatten Verständnis, dass der Stand unbesetzt blieb“, so Becker.

Für die 122 Einsätze – davon 36 Brände, 64 Hilfeleistungen, acht Fehlalarme und 14 Einsätze außerhalb der Samtgemeinde – wurden insgesamt 5 710 Stunden aufgewendet. Dafür standen in den 15 Ortswehren 585 aktive Feuerwehrleute bereit. „Die Anzahl ist bei 32 Neueintritten und 23 Austritten relativ konstant geblieben“, bilanziert Becker, der jüngst seine Ernennung zu weiteren sechs Jahren als Gemeindebrandmeister bekam.

Damit die Arbeit der Freiwilligen Feuerwehren weiterhin gewährleistet ist, wurde und wird vom Samtgemeinderat wieder reichlich Geld in die Hand genommen. So konnten jeweils drei Wärmebildkameras und Gaswarngeräte angeschafft werden. In Ahausen steht bereits ein gebrauchtes, aber hervorragend erhaltenes Tanklöschfahrzeug zur Verfügung; die Auslieferung eines wasserführenden Tragkraftspritzenfahrzeugs an die Freiwillige Feuerwehr Stapel soll noch im ersten Halbjahr erfolgen. Während der Umbau am Horstedter Feuerwehrgebäude bereits abgeschlossen ist, geht Becker in Stapel von einer Einweihung nach der Erweiterung der Halle im Sommer aus.

Von der guten Zusammenarbeit mit den Kommunalpolitikern ist nicht nur er angetan. „Samtgemeindebürgermeister Peter Freytag lobte bei meiner wiederholten Ernennung die harmonische Zusammenarbeit von Verwaltung, Politik und Feuerwehren“, sagt der Gemeindebrandmeister, der bei dieser Gelegenheit allen dankt, „die im Vorder- oder Hintergrund alles dafür tun, damit Feuerwehr funktioniert.“

Trotz der vielen positiven Nachrichten gibt es einen Umstand, der ihm Sorgen bereitet. „Wir brauchen unbedingt Feuerwehrleute, die auch tagsüber verfügbar sind“, betont er. Angesprochen fühlen sollen sich nicht nur alle Hausfrauen und Hausmänner, sondern auch Schichtarbeiter und andere Bürger, die sich während des Tages in der Samtgemeinde aufhalten.

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