Josephine Kaskel und Jakob Honke bauen Jugendhilfeeinrichtung auf

Ahauser Miteinander

Jakob Honke und Josephine Kaskel bauen in Ahausen gerade eine Jugendhilfeeinrichtung auf, in der sie einen aktiven Ansatz verfolgen. Auch Sport soll nicht zu kurz kommen. - Foto: Quebe

Ahausen - Von Inken Quebe. Seit drei Jahren arbeiten sie darauf hin, und so langsam nimmt der „Hof Elementa“ Form an: In mühevoller Renovierungsarbeit haben Josephine Kaskel und Jakob Honke das Haus mit dem ehemaligen Kuhstall an der Hauptstraße 7 in Ahausen auf Vordermann gebracht. In ihrer Kinder- und Jugendhilfeeinrichtung sollen schon im Juni die ersten Jugendlichen einziehen. Ein bisschen Zeit bleibt also noch, Vorurteilen vorzubeugen, und so einen guten Start zu ermöglichen.

Wer an eine Jugendhilfeeinrichtung denkt, hat manchmal bereits ein festes Bild im Kopf: Da leben „Problem-Jugendliche“. Weil auch Kaskel und Honke solche Vorbehalte kennen, wollen sie Sorgen in der Bevölkerung schon vor dem Start aus dem Weg räumen. „Das sind ganz normale Jugendliche“, betont der 33-jährige Honke, der auch anbietet, sich bei Fragen direkt auf dem „Hof Elementa“ zu melden. Das Paar plant, Jugendliche aufzunehmen, die einen Schulabschluss haben oder gerade dabei sind, diesen zu erlangen, und auf eine Ausbildung zugehen.

Hinter den beiden liegt ein „langer Weg mit vielen Hürden und Voraussetzungen, die wir erfüllen mussten“, sagt die 25-jährige Kaskel, die aktuell noch Sozialpädagogik in Hamburg studiert. Ein Weg, von dem beide finden: es war gut, dass der so lang war. So habe es genügend Zeit gegeben, festzustellen, dass beide das auch wirklich wollen und die nötige Ausdauer für so ein Projekt haben. „Wir haben einen besonderen Bezug zu dem, was wir hier machen. Es soll ein Miteinander entstehen“, beschreibt Honke, der Theater- und Erlebnispädagoge sowie Erzieher ist, die Vision. Und Kaskel sagt: „Wir wollen Leben und Arbeiten miteinander verbinden.“ Deshalb leben sie mit ihrem dreijährigen Sohn auf dem Hof, auf den auch bald vier Jugendliche ziehen.

„Wir haben uns im Vorfeld viele Einrichtungen angeschaut und für uns entschieden: Wir wollen das anders machen“, erklärt Honke. Einrichtungen, die schon zu Beginn 20 Kinder und Jugendlichen aufgenommen haben, haben Kaskel und Honke nicht gefallen. Sie glauben, man kann den Heranwachsenden in seiner Individualität so nicht gerecht werden.

Darum nehmen sie nur vier Jugendliche zwischen 16 und 18 Jahren auf, die in einer „Trainingswohnung“ leben. Gerade in diesem Alter hätten viele von ihnen mit Identitätsproblemen und der eigenen Biografie zu kämpfen. Die Vermittlung läuft über die Jugendämter, die diese Sozialleistung auch finanzieren und entscheiden, welche Förderung benötigt wird. „Da gibt es feste Verfahren“, erklärt Kaskel.

Im Fokus sollen junge Menschen stehen, die Probleme mit ihren Eltern haben, weil die zum Beispiel zu wenig Zeit für ihre Kinder haben. Auch Jugendliche aus Wohngruppen können dort leben, wenn sie eigentlich schon selbstständig genug sind und keinen ganz so geregelten Tagesablauf, aber trotzdem Unterstützung brauchen. „Sie sollen noch selbstständiger werden. Das fängt schon bei Kleinigkeiten an“, erklärt Honke.

Vormachen, mitmachen, selbermachen

Gemeinsam mit den Jugendlichen stellen die Pädagogen Pläne auf, die speziell auf die jeweiligen Ziele und Interessen abgestimmt ist. „Wir wollen ihnen am Anfang der Eingliederung zeigen, wie wir etwas machen, zum Beispiel Einkaufen“, schildert Honke die Idee, und Kaskel ergänzt: „Vormachen, mitmachen, selbermachen.“ Nach und nach ziehen sich die Pädagogen – insgesamt hat die Einrichtung vier Mitarbeiter –  zurück. Die Jugendlichen sollen lernen, selbst Verantwortung zu tragen. Es seien aber immer zwei Betreuer im Haus.

Das Paar hat aber noch einen weiteren Ansatz. Sie haben Sport, Erlebnis und Garten in ihrem pädagogischen Konzept verankert. „Die Basis ist zu lernen, wie sie ihr Leben gestalten möchten. Aber der Körper benötigt noch mehr“, sagt Honke. Die Jugendlichen können auf dem Gelände beispielsweise Holz hacken und Salat anbauen, und es sind Ausflüge geplant. „Es gibt auf dem Hof viele Beschäftigungsmöglichkeiten. Wir zwingen niemanden zu etwas. Aber sie können es kennenlernen“, erklärt Honke. Gleichzeitig hoffen beide, dass es den Jugendlichen, die auch aus Hamburg oder Bremen kommen könnten, durch das aktive Vereinsleben in Ahausen leicht fällt, sich in das Dorfleben zu integrieren. Um das zu fördern, soll es irgendwann auch offene Sport- und Freizeitangebote auf dem Hof geben.

Schon bevor es also richtig losgeht, hat das Paar bereits eine Vision, wie es einmal weitergehen könnte. Sie wissen, dass die Betreuung nicht immer mit dem Erwachsenwerden aufhört. „Langfristigkeit ist wichtig“, betont Honke. Und so denken sie schon jetzt darüber nach, jungen Erwachsenen, die bei ihnen aufgewachsen sind, perspektivisch ambulante Betreuung anzubieten. Ein Ziel haben sie dabei immer klar vor Augen. Josephine Kaskel: „Wenn uns die Jugendlichen nicht mehr brauchen, dann haben wir alles richtig gemacht.“

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