Schirin Nowrousian und Madjid Mohit widmen sich persischem Neujahrsfest

Ein Abend für den Neubeginn

Der Iran sei ein bisschen zu einem Sehnsuchtsort geworden, „den man aber noch nicht kennt“, sagt die Stapeler Lyrikerin Schirin Nowrousian. Einen Eindruck davon bekommt man bald in der Rotenburger Cohn-Scheune. Foto: Röhrs

Stapel / Rotenburg – Wenn man so will, ist es eine kleine Geschichte von Zufällen. Zum einen ist es das Datum und das damit verbundene Thema einer Veranstaltung, die die Stapeler Lyrikerin, Autorin und Übersetzerin Schirin Nowrousian und ihr Verleger Madjid Mohit, Leiter des Sujet-Verlags aus Bremen, am 24. März in der Rotenburger Cohn-Scheune gestalten – auf Einladung des Fördervereins des jüdischen Museums. Der Terminvorschlag lag damals zufällig in der Nähe des persischen Neujahrs- und Frühlingsfestes Nowruz am 20. März, so Nowrousian, dessen Ähnlichkeit  ihres Namens – nun sind wir beim anderen – mit dem Fest ebenfalls reiner Zufall ist. Dieses ist die Feier eines Neubeginns, wie sie sie fast alle Kulturen auf der Welt abhalten. Eine Feier wird die Lesung von Gedichten mit Musik, an der Nowrousian und Mohit gerade arbeiten, eher nicht, aber auf jeden Fall ein Einblick in eine andere Kultur. Nowruz, frei mit „neuer Tag“ übersetzbar, bleibe dabei ein freudiger Aufhänger. „Das passt super“, sagt Nowrousian.

„Für uns beide ist es ein freudiges Fest“, sagt die Stapelerin. Wobei sie es selbst nicht orthodox feiere, erklärt sie lächelnd. Sie selbst ist im Ruhrgebiet aufgewachsen als Tochter eines Iraners und einer Deutschen. In ihrer Kindheit kam das Fest nur am Rande vor, denn schon damals standen ihren Worten nach eher Weihnachts- und Osterfest im Vordergrund. Auch heute würde ihr Vater keinen großen Wert auf Nowruz legen.

In Rotenburg werden sie und Mohit verschiedene Gedichte mehrerer Iraner vortragen. Der Verleger selbst wird zwischenzeitlich noch zur Gitarre greifen und persische Lieder singen. Auch eigene Gedichte will Nowrousian vortragen. Nicht zuletzt, weil der Titel des Abends – „Atash, Atash. Ins Feuer springt das Herz ...“ – aus ihrem aktuellen und vierten Band „Gläserne Fehde“ stamme. Dass der Iran überhaupt eine Rolle in ihrer Lyrik spielt, ist dagegen eine recht neue Entwicklung. Anfangs fand dieser nämlich überhaupt nicht statt. Erst als sie vor rund zehn Jahren nach Bremen gezogen war, änderte sich das allmählich.

Sie habe sich damals einfach bei Mohit im Verlag vorgestellt. Mit der Zeit kam sie immer mehr in Kontakt zu Menschen iranischer Herkunft. „Das Interesse und vielleicht auch die Verbundenheit haben sich vergrößert.“ Der Iran sei ein bisschen zu einem Sehnsuchtsort geworden, „den man aber noch nicht kennt“.

Ihr Interesse galt lange einem anderen Land: Frankreich. Nach dem Abitur in Essen studierte sie zunächst in Mainz und kam dadurch auch an die Universität von Dijon. Wie sie zur Lyrik gekommen ist, vergleicht sie auch mit der französischen Sprache. Sie sei sehr frankophil, sagt sie. Es sei einfach ein Antrieb. In Paris promovierte sie schließlich in Literatur- und Theaterwissenschaften. Danach ging es nach Brüssel, später nach Bremen und schließlich landete sie in Stapel, wobei sie auch eine Zeit lang an der Universität Vilnius Deutsch als Fremdsprache lehrte und forschte.

Mittlerweile verbindet sie und Mohit eine langjährige Freundschaft. Gemeinsame Auftritte sind keine Seltenheit. Das haben die Besucher der Cohn-Scheune schon einmal mitbekommen, als sie dort vor Jahren mit einem Lyrikprogramm nachhaltigen Eindruck hinterließen. Aktuell probe man für die Lesung Ende des Monats, die durchaus auch einem dramaturgischen Anspruch folge. Am 24. März wird es deutsche und persische Texte zu hören geben. Alles iranische Dichter. Manche leben dort, andere außerhalb. Es handele sich teils um aufrüttelnde Texte, die nachdenklich machen, und nicht ausschließlich um freudige. „Lyrik ist im Iran sehr präsent, stärker als hier“, weiß Nowrousian. Dort könne man in allen gesellschaftlichen Schichten Gedichte auswendig. Zum Nowruz-Fest wird es nicht allzu viel zu hören geben. Das gebe das Material nicht her.

Zeitgenössische Gedichte auf Deutsch und auf Persisch

Anlässlich des persischen Neujahrsfests Nowruz rezitieren der Verleger Madjid Mohit und die Lyrikerin und Übersetzerin Schirin Nowrousian am Dienstag, 24. März, von 19 Uhr an in der Rotenburger Cohn-Scheune zeitgenössische Gedichte auf Deutsch und Persisch. Mohit war einer Pressenotiz zufolge 1990 als politischer Flüchtling aus Teheran nach Deutschland gekommen, gründete 1996 den Sujet Verlag in Bremen. Sein Schwerpunkt ist heute grenzüberschreitende Literatur, verfasst von Autoren, die in zwei oder mehr Sprachen und Kulturen zu Hause sind. „Luftwurzelliteratur“, nennt Mohit sie. Nowrousian ist Autorin, Lyrikerin und Übersetzerin. Neben dem Schreiben und Übersetzen ist sie zudem auch als Dramaturgin, Moderatorin und Lehrerin tätig. Zuletzt erschien, im November 2019, ihr Gedichtband „Gläserne Fehde“. Der Eintritt zur Lesung kostet drei Euro, Schüler haben freien Zugang.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Die übelsten Fehltritte von Armin Laschet

Die übelsten Fehltritte von Armin Laschet

Die deutschen Bundeskanzler und die Bundeskanzlerin seit 1949

Die deutschen Bundeskanzler und die Bundeskanzlerin seit 1949

Die lustigsten Grimassen der Kanzlerin und Kanzlerkandidaten

Die lustigsten Grimassen der Kanzlerin und Kanzlerkandidaten

Wahrscheinlichste neue Ministerinnen und Minister

Wahrscheinlichste neue Ministerinnen und Minister

Meistgelesene Artikel

 Lars Klingbeil (SPD) verteidigt sein Direktmandat

Lars Klingbeil (SPD) verteidigt sein Direktmandat

Lars Klingbeil (SPD) verteidigt sein Direktmandat
Bürgermeisterwahl in Sottrum: Bahrenburg gewinnt Krimi

Bürgermeisterwahl in Sottrum: Bahrenburg gewinnt Krimi

Bürgermeisterwahl in Sottrum: Bahrenburg gewinnt Krimi
Carsten Büttinghaus verpasst Einzug in das Parlament

Carsten Büttinghaus verpasst Einzug in das Parlament

Carsten Büttinghaus verpasst Einzug in das Parlament
Bürgermeister-Stichwahl: Sven Maier wird neuer Rathauschef in der Samtgemeinde Fintel

Bürgermeister-Stichwahl: Sven Maier wird neuer Rathauschef in der Samtgemeinde Fintel

Bürgermeister-Stichwahl: Sven Maier wird neuer Rathauschef in der Samtgemeinde Fintel

Kommentare