Kuhfutter dank 700 PS

Mit dem 22-Tonnen-Maishäcksler auf dem Acker unterwegs

Ein Mähdrescher und ein Traktor arbeiten auf dem Feld
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Meter für Meter ziehen Florian Detert und seine Kollegen auf den Maisäckern derzeit ihre Bahnen.

Die Erntesaison geht auf die Zielgerade, so auch in Everinghausen, wo das Lohnunternehmen Freytag aus Horstedt Felder aberntet. Auf einem von ihnen ist Florian Detert mit dem Maishäcksler unterwegs.

Everinghausen – Die Glasscheibe hat etwas von der Kuppel einer Tauchglocke, und das „Eintauchen“ liegt auch nicht ganz so fern. Allerdings schwappt kein Wasser an die gebogene Scheibe, sondern die Auswüchse von Maispflanzen – jedenfalls ein bisschen mit den höchsten Spitzen. „Hier steht der Mais nicht so hoch, was anderes ist es, wenn die Pflanzen vier bis fünf Meter Höhe haben.

Dann sehe ich nichts anderes mehr“, sagt Florian Detert. Er lenkt den 22-Tonnen-Maishäcksler über ein Feld bei Everinghausen, und Meter für Meter verschwinden Maispflanzen zwischen den Messern des Fahrzeugs.

In der Fahrerkabine ist Konzentration gefordert.

Es ist einer der letzten Tage der Maisernte in diesem Jahr, vier Wochen lang hat Detert als Mitarbeiter des Horstedter Lohnunternehmens Freytag in der Fahrerkabine des Häckslers verbracht, zu Tages-, als auch zu Nachtzeiten, „in dieser Zeit mehr, als in meiner eigenen Wohnung“, sagt er mit einem Lachen. Immerhin – „die Felder, die wir an diesen Tagen machen, sind die letzten für dieses Jahr.“ Auch wenn das teure, und gerade erst zum Start dieser Erntesaison angeschaffte, Gefährt natürlich Eigentum seines Arbeitgebers ist: „So ein bisschen sehe ich es als ,meinen Häcksler‘ an – immerhin bin bisher nur ich damit gefahren“, sagt Detert mit ein wenig Stolz in der Stimme. Der 36-Jährige arbeitet seit zehn Jahren für die Horstedter Firma, für ihn macht vor allem die Arbeit mit großen Maschinen den Reiz des Ganzen aus. „Hier oben habe ich meine Ruhe – und ich weiß immer ganz genau, was ich zu tun habe.“

Ohne Internet wäre das alles schwieriger und umständlicher.

Florian Detert

Das ist deutlich, denn seine rechte Hand wandert immer zielstrebig zwischen einem Joystick und einem Bildschirm als Bedienpanel hin und her, drückt hier einen Knopf, öffnet dort ein Menü. Mit nur wenigen Schritten kann er die bereits gehäckselte Maismenge überprüfen, bekommt einen Überblick über bereits abgeerntete Quadratmeter. Seit Beginn der Saison und damit seit der Inbetriebnahme des Häckslers sind es rund 715 Hektar, auf denen Detert die Maispflanzen in bis zu etwa zwölf Millimeter große Einzelteile zerlegt hat – passend als Futter für Kühe. Überhaupt – Digitalisierung ist in der Landwirtschaft längst ein Muss: „Ohne Internet wäre das alles schwieriger und umständlicher“, sagt Detert. So braucht er nur einen Blick auf sein personalisiertes Diensttablet zu werfen und weiß, wo sich seine Kollegen befinden, welche Felder abgeerntet sind, und sogar die gezogenen Bahnen sind in Form von pinkfarbenen Linien auf dem Display deutlich sichtbar. In einer weiteren Halterung hängt sein Smartphone für schnelle Rücksprachen mit dem Unternehmen in Horstedt. Dazu liefert ein Display per mehrerer Kameras den Rundum-Blick – bis hinein in den Anhänger des Traktors, der parallel neben ihm fährt.

Kommunikation über Funk

Denn der fängt das Erntegut auf, das der Häcksler, der sich mit gut sechseinhalb Stundenkilometer über den Acker bewegt, über den sogenannten Turm auswirft. „Dass der Anhänger auf der richtigen Höhe des Turms ist, braucht schon ein bisschen Übung und Koordination“, sagt Detert. „Meine Geschwindigkeit steht, der Fahrer des Traktors muss sich anpassen.“ Neben der ganzen modernen Technik hilft hier Old-School-Equipment, nämlich das klassische Funkgerät: Immer wieder greift Detert zu dem kleinen Handmikrofon, das über der Scheibe hängt und gibt dem jeweiligen Fahrer kurze Anweisungen, ob dieser etwas schneller oder etwas langsamer fahren soll, oder welche Bahn als nächstes dran ist. Oder, wenn der Traktor Hilfe braucht – so wie in diesem Moment, als sich Deterts Kollege im leicht sumpfigen Untergrund festgefahren hat. Über das Display ist zu sehen, wie der Fahrer aussteigt und ein Abschleppseil zwischen Häcksler und Traktor spannt. Das Fahrzeug aus dem Modder zu ziehen – kein Problem für den 700-PS-Koloss.

Insgesamt sind heute neben Detert mit dem Maishäcksler drei Traktoren inklusive Fahrer unterwegs, die die vollen Anhänger zum vereinbarten Siloplatz bringen und leer wieder zurückkehren. Manchmal, je nach Verkehrslage, hat Detert wenige Minuten Wartezeit – oder ein leeres Fahrzeug reiht sich bereits zügig wieder hinter das noch nicht ganz volle wieder ein. Ist der Lieferort weiter entfernt, sind auch schon mal fünf Traktoren unterwegs. Denn bis so ein Anhänger voll ist, dauert es oft kaum mehr als dreieinhalb Minuten.

Per Tablet lassen sich alle Fahrten nachverfolgen.

Denn neun Meter ist das mit Klingen bewehrte sogenannte „Gebiss“ breit, zwölf Reihen Mais kann Detert damit auf einmal abernten. „Es geht natürlich noch größer, es gibt auch Maschinen, die ernten 13 oder 14 Reihen auf einmal. Aber die passen eher für die großen Betriebe in Brandenburg, als hier auf den Flächen, die wir abernten“, erklärt Detert. In dieser Region sind die Felder kleiner, je nach Größe sind es zwischen sechs und 15, die Detert und seine Kollegen an einem Tag abernten – alle in der Regel im Bereich Horstedt, Taaken und Sottrum. „Das sind meistens Direktkunden, weitere Fahrten haben wir eher bei Aufträgen für den Maschinenring“, erklärt er. Denn dieser schickt das Horstedter Unternehmen auch zu Aufträgen in Nachbarlandkreise oder in den Nordkreis nach Selsingen oder Bremervörde.

Die letzten Reihen in Everinghausen stehen an, bevor es für den 36-Jährigen und seine Kollegen zu den nächsten Kunden an diesem Tag geht. Erntezeit – das bedeutet für sie nicht nur lange Tage, sondern auch Nachtschichten. Detert stört das allerdings nicht: „Im landwirtschaftlichen Bereich mit großen Maschinen zu arbeiten, war schon immer mein Kindheitstraum – und dann ist es ganz egal, wie lang der Arbeitstag ist.“

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