Über Anfänge und Verbindungen in den Landkreis

Schauspieler Werner Wölbern: „Verbindung wird nie abreißen“

Werner Wölbern wurde 1961 in Zeven geboren und ist mittlerweile ein bekannter Schauspieler.

Wohnste - Von Matthias Röhrs. Werner Wölbern ist mittlerweile nicht nur in den deutschsprachigen Theatern ein bekanntes Gesicht, auch viele Fernsehzuschauer kennen und schätzen seine Arbeit. Angefangen hat dabei alles im Landkreis Rotenburg – in seiner Heimat Wohnste und in seiner Geburtsstadt Zeven.

Im Interview am Wochenende spricht er über seinen Werdegang und welche Verbindungen er noch heute in seine Heimat hat.

Herr Wölbern, können Sie sich noch an Ihren ersten Auftritt auf einer Bühne erinnern?

Werner Wölbern: Das allererste Mal war ich in der Grundschule auf der Bühne, in Klein Meckelsen, als Josef im Krippenspiel. Daran erinnere ich mich sonderbarerweise noch sehr genau; muss ein einschneidendes Erlebnis gewesen sein.

War es schon abzusehen, dass Sie irgendwann als Schauspieler auf großen Bühnen und im Fernsehen auftreten?

Wölbern: Nein, natürlich nicht. Das hat sich erst im Verlauf der späteren Jahre herausgebildet. Ein großer Schub war sicherlich die Theater-AG am St.-Viti-Gymnasium in Zeven; da war ich schon 16 oder 17 Jahre alt.

Gibt es jemanden, der Sie besonders motiviert hat?

Wölbern: Mich haben immer Menschen beeindruckt, die 100-prozentig hinter einer Sache stehen und dafür arbeiten und kämpfen – ohne dabei den Blick für die Kollegen, Mitspieler und Mitmenschen zu verlieren. Das ist auch bis heute so geblieben.

Hat Sie jemand besonders gefördert?

Wölbern: Viele Menschen: Während der Schauspielausbildung an der Folkwangschule in Essen gab es zwei, drei Lehrer, die sich besonders um mich bemüht haben, mein erster Intendant in Heilbronn, Klaus Wagner, hat mir sehr vertraut und gleich große Hauptrollen gegeben, Jürgen Flimm hat mich irgendwann ans Thalia Theater nach Hamburg geholt, weil er an mich geglaubt hat, später war die Zusammenarbeit mit Regisseuren wie Dimiter Gotscheff und Martin Kusej enorm wertvoll. Es ist wichtig herausgefordert zu werden, um für sich selber zu prüfen, ob man es wirklich ernst meint und bereit ist, für seine Sache einzustehen.

Die Gegenfrage: Gab es damals Vorbehalte gegenüber Ihrer Berufswahl?

Wölbern: Nicht, dass ich wüsste. Meine Eltern fanden es vielleicht anfangs nicht so toll, dass ich eine Schauspielausbildung beginne; mit einem Einser-Abi hatten sie sich vielleicht was anderes vorgestellt, aber sie haben es mich nie spüren lassen und hatten letztlich großes Vertrauen, dass ich meinen Weg gehe. Ich denke, dass sie heute mit meiner Entscheidung auch sehr gut leben können.

Hatten Sie einen „Plan B“?

Wölbern: Ich hatte begonnen, Theaterwissenschaften und Biologie zu studieren. Ich weiß, eine etwas eigenwillige Kombination. Das war aber eigentlich kein Plan B, denn im Grunde wollte ich immer zur Bühne und zum Fernsehen. Wenn es mit der staatlichen Schauspielausbildung nicht geklappt hätte? Keine Ahnung, was dann passiert wäre. Vielleicht wäre ich jetzt irgendwo Bio-Lehrer.

Glauben Sie, dass es „als junger Mann vom Land“ schwieriger ist, sich als Schauspieler zu etablieren?

Wölbern: Nein. Wenn du für eine Sache brennst und daran glaubst, dann ist es nicht wichtig, woher zu kommst – wichtig ist allerdings, im späteren Lebensverlauf nie zu vergessen, wo man herkommt; das hilft sehr, um die Erdung nicht zu verlieren.

Sie sind in Zeven geboren, haben dort die Schule besucht. Erst vor Kurzem haben Sie dort eine Lesung gehalten, sind als Schauspieler aber natürlich zeitgleich viel unterwegs. Wieviel Zeit bleibt Ihnen für die Heimat?

Wölbern: Ich versuche, so oft wie möglich bei meinen Eltern in Wohnste aufzutauchen: auf einen Kaffee, bisschen „schnacken“ über dies und das, Spaziergang mit dem Hund und so weiter. Manchmal gibt es Zeiten, in denen das etwas schwieriger ist, aber die Verbindung reißt nie ab und das wird sie wohl auch nie.

Welchen Stellenwert hat Heimat denn für Sie?

Wölbern: Wer seine Herkunft und Heimat verliert – oder sogar negiert – , verliert den Boden unter den Füßen.

Verfolgen Sie, was hier passiert?

Wölbern: Natürlich nicht in aller Komplexität, aber ich weiß ganz gut Bescheid. Vor allem über meinen Bruder bin ich insgesamt ganz gut informiert, denke ich.

Ihr Bruder Bernd sitzt für die SPD im Kreistag des Landkreises Rotenburg. Verfolgen Sie seine politische Arbeit?

Wölbern: Aus der Ferne und mit Interesse, ja.

Mischen Sie sich auch selbst mit ein?

Wölbern: In die Lokalpolitik? Nein. Das wäre anmaßend, dazu fehlt mir sicher die alltägliche Begegnung mit den Gegebenheiten vor Ort.

Inwieweit sehen Sie sich auch als politischer Mensch? Privat und als Schauspieler.

Wölbern: Ein Mensch kann nicht unpolitisch sein. Ich mische mich viel und gerne ein, Parteipolitik interessiert mich weniger, aber ich bin sehr ungehalten, wenn Menschen dumm und hohl Parolen verbreiten und manipulativ werden. Wir dürfen stolz sein auf unsere Demokratie, auf Europa, auf alles, was in den letzten 50, 60 Jahren entstanden ist. Und wir sollten sehr demütig bleiben und vor allem achtsam sein: Das ist eine zarte, wertvolle Pflanze, um die wir uns kümmern müssen. 

Vor allem im Alltag und in den kleinen Dingen. Wenn ich zum Beispiel erfahre, dass der MTV Wohnste versucht, Flüchtlinge in den Trainingsbetrieb zu integrieren, mit viel Engagement und Eigeninitiative, und dies in vielen Bereichen gut funktioniert, dann macht mich das stolz; denn da komme ich her. Das finde ich toll. Das ist reale Politik.

Nimmt ein Schauspieler eigentlich jede Rolle an?

Wölbern: Ich weiß nicht, was „ein Schauspieler“ macht. Doch was mich betrifft: Nein, ich nehme nicht jede Rolle an, die Rollenfigur muss mich an irgend einem Punkt interessieren, ich muss eine Spielidee dazu haben, ein Anliegen. Andernfalls wäre es Prostitution.

Wonach wählen Sie denn Ihre Rollen aus?

Wölbern: Wie gesagt: Wenn ich eine Chance sehe, aus etwas Geschriebenem heraus einen Menschen zu entwickeln, wenn mich die Konflikte und Abgründe einer Rolle interessieren und ich eine Fantasie dazu habe, dann ist alles gut.

Wieviel Werner Wölbern steckt in den Rollen, die Sie spielen? Oder blenden Sie Ihre eigene Persönlichkeit aus?

Wölbern: Das kann ich nicht beantworten. Ich fange bei jeder neuen Rollenarbeit bei „Null“ an, aber wieviel Wölbern in dieser oder jener Rolle steckt: das weiß ich nicht, das interessiert mich auch nicht, es ist völlig unwichtig.

Viele Ihrer Kollegen sind beispielsweise bekannt dafür, immer „die Bösen“ zu spielen. Ist es sinnvoll, sich als Schauspieler auf einen bestimmten Charakter zu fokussieren?

Wölbern: Nein, warum sollte es? Möglicherweise wird man immer wieder mal für bestimmte „Typen“ besetzt, aber die Entscheidung, dieses oder jenes zu spielen oder nicht zu spielen, liegt letztendlich beim Schauspieler. Warum sollte man ohne Not seinen Spielraum eingrenzen? „Jeder Mensch ist ein Abgrund, es schwindelt einem, wenn man hinabsieht“, schreibt Georg Büchner. In diesem Sinne, ja: Die sogenannten „Bösen“ sind oft die spannenderen wegen der vielschichtigeren Herausforderungen.

Welche Rolle müssen Sie unbedingt noch spielen?

Wölbern: Ich habe keine Pläne, was das betrifft. Wie sagte schon Sepp Herberger? „Das nächste Spiel ist immer das schwerste“. Ich würde hinzufügen: „... und das schönste“.

Zur Person

Geboren wurde Werner Wölbern 1961 in Zeven. Er wuchs mit seinen beiden Brüdern Bernd und Ingo in Wohnste auf. Seine Schauspielausbildung machte er von 1984 bis 1988 an der Essener Folkwanghochschule, es folgten zahlreiche Engagements auf Bühnen in Österreich und Deutschland, unter anderem am Thalia Theater in Hamburg, am Wiener Burgtheater und am Residenztheater in München. 

Sein Debüt gab er 1988 am Theater Heilbronn, zehn Jahre später machte Wölbern dann den Schritt ins Fernsehen. Dort ist er vor allem in Produktionen der ARD und des ZDF zu sehen. Zuletzt im Kölner Tatort „Nachbarn“, der am 26. März dieses Jahres ausgestrahlt wurde.

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