Herbert Meibohm will mit seinem selbst gebauten Gefährt bis ans Nordkap

Biobauer im Zirkuswagen

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Herbert Meibohm mit „Herrn Schmidt“ und dem selbstgebauten Zirkuswagen.

Sittensen - Von Wieland Bonath. Wenn die Fahrt losgeht, dann ist dies das Bild: „Herr Schmidt“, der große Rauhaardackel, sitzt auf seinem bequemen, angestammten Platz über dem wuchtigen Treckerrad. Am Lenker Biolandwirt Herbert Meibohm (62) aus dem winzigen Ahrenswohlde im Kreis Stade, gut zwei Kilometer von der Rotenburger Kreisgrenze entfernt. Den Mann, den viele in Rotenburg kennen, wenn er Woche für Woche mit seinem Bäckerei-Verkaufswagen vorbeikommt.

So ganz nebenher hat der freundliche Tüftler und Biobauer vor sechs Jahren damit begonnen, eine alte Idee Wirklichkeit werden zu lassen. Er hat einen funkelnagelneuen Zirkuswagen, Holzlatte für Holzlatte und mit 2200 Messingschrauben, mit allen Schikanen gebaut. Mit diesem Zirkuswagen startet Herbert zu seiner Jungfernreise – entweder in die Lüneburger Heide, in das Wendland oder nach Berlin. Seine Frau Elisabeth Alfken-Meibohm (62), die zu Hause den Biobäckerofen bedient, fährt mit dem Fahrrad hinterher. Denn fest steht: „Herr Schmidt“ sitzt auf dem Treckerrad.

Wenn abends pausiert wird, dann ist das Trio beisammen und genießt auf dem Balkon den Luxus des Zirkuswagens.

Im August soll die ungewöhnliche rollende Behausung jetzt garantiert fertig sein, entstanden ohne Bauzeichnung. Nur das Untergestell mit den vier Gummirädern hat Biobauer Meibohm im Internet gekauft. Und dann ging es los, immer wenn der geschickte Familienvater ein paar Stunden seiner knapp bemessenen Zeit abknapsen konnte, hat er an seinem Zirkuswagen gebaut. Der 62-Jährige: „Jetzt wird es aber auch Zeit.“

Sechs Tonnen schwer ist das zehn Meter lange Gefährt. Die Kosten belaufen sich auf 20000 bis 25000 Euro. Dafür schaffte Herbert Meibohm ein „rollendes Kleinod“. Mit Kupferblech eingefasste Fenster. Auf den 22 Quadratmeter Fläche, ausgelegt mit OSB-Platten, gibt es ein Badezimmer mit Dusche und eine Küche, die Hausfrauenherzen höher schlagen lässt: Mit Kühlschrank, Gasherd und anderem. Für die Unterhaltung gibt es das Radio und einen Fernseher, dazu ein holzbefeuerter kleiner Ofen. An Bord sind 300 Liter Frischwasser. 270 Liter Abwasser werden gespeichert. 44 Kilogramm Gas stehen zur Verfügung. Die elektrische Versorgung läuft über den 80-PS-Trecker. Lebenskünstler Meibohm: „Wenn ich auf der Terrasse sitze und den Grill anschmeiße, dann beobachte ich die Leute wie sie darüber sprechen, was denn das für ein Bescheuerter ist...“ Auf jeden Fall sieht die Endmontage im Augenblick sehr gut aus. Jetzt fehlt nur noch das grüne Licht des Tüv.

Auf der Reisewunschliste des 62-Jährigen steht unter anderem auch eine Fahrt mit dem selbst gebauten Zirkuswagen und „Herrn Schmidt“ bis zum Nordkap. Als Landwirt weiß er dies: „Unter Berufskollegen gelten wir als Exoten.“

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