SPD-Internet-Sprecher Lars Klingbeil über den neuen Datenskandal

„Sie sind in Wahrheit nie komplett geschützt“

Lars Klingbeil setzt auf einen sensiblen Umgang mit privaten Daten: Wenn es im realen Leben manches Mal schon besser ist, still zu sein, sollte im Internet besondere Vorsicht vor allzu großer Freizügigkeit gelten. ·
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Lars Klingbeil setzt auf einen sensiblen Umgang mit privaten Daten: Wenn es im realen Leben manches Mal schon besser ist, still zu sein, sollte im Internet besondere Vorsicht vor allzu großer Freizügigkeit gelten.

Rotenburg - Von Michael Krüger. Mindestens acht Millionen Internet-Benutzerkonten sollen in Deutschland von kriminellen Hackern ausgespäht worden sein. Millionen Menschen sorgen sich nun darum, ob mit ihren Profilen und Passwörtern unter falschen Namen eingekauft oder in anderer Weise betrogen wird.

Forscher und Strafverfolger waren in sogenannten Botnetzen auf die Daten gestoßen. Im Interview zeigt sich der Rotenburger Bundestagsabgeordnete und netzpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Lars Klingbeil, wenig überrascht vom aktuellen Datenskandal.

Hat Sie der neue Datenklau überrascht?

Lars Klingbeil: Nein. Die Zahl von insgesamt 16 Millionen Datensätzen ist enorm. Aber nach Snowden kann mich momentan wenig überraschen. In letzter Zeit gab es so viele Momente, die ich für unfassbar hielt, dass mir klar wurde, dass das Thema Datensicherheit an die Position eins gehört.

Was habe ich als betroffener Nutzer zu befürchten?

Klingbeil: Ihre digitale Identität wurde geklaut. Sie kann für kriminelle Sachen eingesetzt werden. Da müssen Sie sich schon Sorgen machen. Vielleicht werden Ihre Datensätze gar nicht benutzt. Vielleicht aber doch: Es könnten Bestellungen bei großen Versandhäusern vorgenommen werden. Über die richtigen Passwörter kommen die Kriminellen auch an ihr Konto. Oder es kommuniziert in einem sozialen Netzwerk wie Facebook plötzlich jemand in Ihrem Namen.

Was sollte ich dann tun?

Klingbeil: Sie müssen Ihre Passwörter ändern. Sie sollten Ihren Computer mit aktuellen Scannern auf Viren untersuchen lassen. Öffnen Sie nie E-Mails mit Dateianhängen von Menschen, die Sie nicht kennen – auch wenn Ihnen jemand weismachen will, dass sie 43 Millionen Euro im Lotto gewonnen haben und nur einmal klicken müssen. Sie müssen bei einer Infizierung schnell handeln. Die Wahrheit ist aber: Sie sind nie komplett geschützt.

Wer sind die Täter?

Klingbeil: Das weiß bislang niemand. Wir werden diese Frage in der nächsten Sitzungswoche stellen. Wie wurden diese Daten eigentlich gesammelt? Stecken kriminelle Banden dahinter oder sogar Staaten? Ich bin mir ziemlich sicher: Es sind keine jugendlichen Einzeltäter, die sich so etwas in einer Garage ausdenken.

Was sind „Botnetze“, in denen die Daten steckten?

Klingbeil: Es sind Viren, die sich auf mehreren Rechnern niederlassen, alles genau beobachten und sogar steuern können. Diese Daten werden dann an Hauptrechner transferiert. Die infizierten Privatrechner werden vernetzt, um so gemeinsam Angriffe auf große Websites zu starten.

Sie werden im Februar den SPD-Vorsitz im neuen Ausschuss für Internet und die Digitale Agenda übernehmen. Ist dieser Fall ein Beleg für die Notwendigkeit einer anderen Politik?

Klingbeil: Es fallen immer mehr Daten an. Immer mehr Geschäftsmodelle basieren auf der Sammlung von Daten. Viele Menschen sind zu freizügig im Umgang mit persönlichen Angaben – da sollten wir handeln. Im Internet stellen sich viele Zukunftsfragen, die wir im Parlament behandeln müssen.

Brauchen wir zum Selbstschutz strengere Gesetze?

Klingbeil: Gesetzlich regeln lässt sich bei weltweiter Online-Kriminalität fast gar nichts. Das Wichtigste ist der aufgeklärte Nutzer: Die digitale Kompetenz der Bevölkerung muss steigen. Große Unternehmen müssen aber auch gesetzlich dazu gezwungen werden, hohe Sicherheitsstandards zu haben. Mit dem IT-Sicherheitsgesetz geht die große Koalition in diese Richtung. Wir verpflichten Unternehmen damit dazu, Angriffe auf ihre IT-Sicherheit zu melden. Zudem stärken wir die Forschung in Sicherheitstechnik.

Wer fürchtet, von dem massenhaften Datenklau betroffen zu sein, kann auf der Internetseite sicherheitstest.bsi.de seine E-Mail-Adresse prüfen lassen.

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