Kreistag stimmt dem Kauf des Edelmann-Grundstücks für Lager Sandbostel zu

Gedenkstätte wird größer

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Gedenkstättenleiter Andreas Ehresmann sagt, die Gebäude auf dem Grundstück seien in Teilen stark verfallen, ihre Sicherung dringend nötig.

Rotenburg/Sandbostel - Von Rainer Klöfkorn. Die Gedenkstätte des ehemaligen NS-Kriegsgefangenenlagers Sandbostel wird erweitert. Bei sechs Gegenstimmen und zwei Enthaltungen hat der Rotenburger Kreistag beschlossen, der Stiftung Lager Sandbostel den Kaufpreis von 60000 Euro für das sogenannte Edelmann-Grundstück zu erstatten. Voraussetzung ist, dass die Stiftung das Gelände im Eingangsbereich der Gedenkstätte bis zum 31. Januar 2016 erwirbt.

Wie berichtet, hatte sich das Kuratorium einstimmig für den Kauf des 15000 Quadratmeter großen Grundstückes entschieden. Allerdings war zu diesem Zeitpunkt mit Landrat Hermann Luttmann (CDU), der in dem Gremium den Volksbund Deutsche Kriegsgräberstätte (VdK) vertritt, ein Gegner des Flächenankaufes nicht mehr anwesend. Er bleibe bei seiner Ablehnung, sagte der Landrat in der Kreistagssitzung am Freitag. Das von Gedenkstättenleiter Andreas Ehresmann aufgestellte Konzept zur Nutzung der Edelmann-Fläche, dessen Umsetzung eine Million Euro kosten werde, lasse sich aufgrund der Förderung durch das Land erst ab 2019 realisieren. Luttmann: „Die Stiftung braucht also das Gelände nicht vorher. In wenigen Jahren wäre es vom Eigentümer wesentlich günstiger angeboten worden.“ Jetzt, so der Landrat, „schenken Sie dem Militaria-Händler Edelmann Geld.“ Zur Bekräftigung seiner Aussage zitierte Luttmann aus einem Schreiben Ivar Buterfas von 2013. Der Hamburger, der sich vor zehn Jahren für die Errichtung einer Gedenkstätte einsetzte, habe ihm schon damals mitgeteilt, dass selbst 50000 Euro eine „unverschämte Preisvorstellung“ (Buterfas) des Eigentümers seien.

Auf dem Edelmann-Gelände stehen unter anderem vier Steinbaracken aus den Jahren 1939 und 1940. Bisher sind rund 3,2 Hektar im Besitz der Stiftung Lager Sandbostel. Das entspricht etwa einem Zehntel des ehemaligen Lagergeländes.

Aus den Reihen der Abgeordneten wurde der Landrat in der Debatte nicht unterstützt. Nur kurz meldete sich Volker Kullik (SPD), Initiator des Kaufes und Vertreter des Landkreises im Kuratorium, zu Wort. Damit der Status der Gedenkstätte nicht beschädigt werde, halte er sich zurück, sagte der Karlshöfener. Mit dem Kauf des Edelmann-Grundstückes beginne jetzt erst die Arbeit, richtete er den Blick in die Zukunft. Zur Finanzierung der Sicherstellung der maroden Baracken gebe es finanzielle Zusagen, unter anderem von der Reemtsma-Stiftung. Ausdrücklich bedankte sich Kullik bei dem Ersten Kreisrat Torsten Lühring, der es in den Verhandlungen geschafft habe, die Kaufsumme von zunächst 75000 auf 60000 Euro zu drücken.

Für die Grünen sprachen sich Reinhard Bussenius und Elke Twesten für den Grundstückskauf und die Förderung durch den Landkreis aus. Der „Schandfleck“ müsse unbedingt beseitigt werden, sagte Bussenius. „Wie groß wäre das Entsetzen in den Medien und der Öffentlichkeit, wenn wir heute das nicht beschließen würden“, warnte Twesten.

Als „Ort meiner persönlicher Erinnerungskultur“ bezeichnete Hans-Hermann Holsten (CDU) das ehemalige Kriegsgefangenen- und KZ-Auffanglager. Bei der Entscheidung sei abzuwägen zwischen der moralischen Verantwortung und den materiellen Grenzen des Engagements. Die Gegner des Ankaufes hätten durchaus ihre Gründe, ihre Motive sollten nicht geringer bewertet werden. Er persönlich habe entschieden, den immateriellen Wert höher zu bewerten als den materiellen Wert und damit dem Grundstückskauf zuzustimmen.

In der Abstimmung stimmten mit dem Landrat vier CDU-Abgeordnete sowie das NPD-Kreistagsmitglied gegen die Zahlung der Kaufsumme durch den Landkreis. Hinzu kamen zwei Enthaltungen.

bz

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