Haaßel-Gegner im Endspurt

Ob der Landkreis von den Plänen für die Deponie in Haaßel abrückt, entscheidet sich am 26. September. Foto: Algermissen

Während Landrat Hermann Luttmann (CDU) eine Schadensersatzforderung in Millionenhöhe befürchtet und an den Plänen für die Bauschuttdeponie Haaßel festhalten will, werden die Töne bei den Gegnern vor der Entscheidung im Kreistag am 26. September rauer. Von „Arroganz“ und einem „ekelhaften Thema“ ist zu hören.

VON LUTZ HILKEN UND MICHAEL KRÜGER

Rotenburg – Volker Kullick erwartet „die spannendste Abstimmung in 20 Jahren“. In knapp zwei Wochen entscheidet der Kreistag darüber, ob er vom Kaufvertrag mit der Seedorfer Firma Kriete Kaltrecycling für das Deponiegelände in Haaßel zurücktritt, und für den Kritiker und Umweltpolitiker aus den Reihen der SPD ist der Ausgang ähnlich ungewiss wie für alle anderen Beteiligten. Es wird knapp, das ist schon klar, und die beiden Seiten stehen sich weitgehend unversöhnlich gegenüber.

Soll auf dem Gelände in der Gemeinde Selsingen, das einst als geeignet für eine Hausmülldeponie galt, eine Bauschuttdeponie errichtet werden können? Die Diskussion schwelt seit Jahren, erstmals könnte der Landkreis nun auf Basis des Rücktritt-Antrags von Reinhard Lindenberg (WFB) Fakten schaffen gegen das Projekt. Dass viele Bürger diesem Ansinnen folgen, ist auch am Donnerstagabend deutlich geworden. Die Bürgerinitiative (BI) gegen die Deponie hatte zu einem Informationsabend im Feuerwehrhaus in Haaßel geladen, der Zuspruch war riesig, und Sprecher Walter Lemmermann frohlockte: „Ich freue mich, dass nach all den Jahren immer noch so viele Leute kommen und sich für dieses ekelhafte Thema interessieren.“ Er berichtete noch einmal über die lange, wechselhafte Geschichte des Geländes und betonte, es sei das Ziel der Initiative, „eine wirklich faire Chance für Haaßel“ zu bekommen, den Unterschied zwischen einem richtigen und einem geeigneten Standort deutlich zu machen. Jeder Deponiestandort könne technisch „geeignet“ gemacht werden. Aber nicht jeder sei der richtige dafür, wie eben jener in Haaßel, unter anderem aus naturschutzfachlicher Sicht. Lemmermann forderte ein nachvollziehbares Suchverfahren. Denn in einem solchen von 1988 war es um eine Hausmülldeponie gegangen, nicht um eine Bauschuttdeponie. Und es seien damals viele Fehler gemacht worden, so sei etwa eine geologische Barriere nicht vollständig vorhanden, anders als in einem Gutachten erwähnt. „So etwas ärgert mich maßlos.“ Haaßel wäre bei fehlerfreier Auswertung seinerzeit „nicht die erste Wahl gewesen“.

Lemmermann glaubt, dass das Rücktrittsrecht bestehe – ohne Schadensersatzanspruch. Aus Angst vor diesen Zahlungen „einen falschen Standort bestehen“ zu lassen, könne auch kein Argument sein. „Ich halte es für eine hohe Tugend, einen Fehler zu erkennen, ihn einzusehen und zu korrigieren.“ Und der Standort Haaßel sei solch ein Fehler.

Politische Unterstützung erhält die BI auch aus Reihen der Kreisgrünen. Die haben mittlerweile den Petitionsausschuss des Landtags angerufen, um eine Ablehnung zu erreichen. Grünen-Kreissprecher Hans-Jürgen Schnellrieder spricht von „Geheimniskrämerei“ in der Standortfrage, die einer sachlichen Bewertung im Wege stehe. Die seinerzeit angewandten Suchkriterien „entsprechen insbesondere aus naturschutzfachlicher Sicht nicht mehr der heutigen Sicht.“ Der Landkreis müsse vom Verkauf der Fläche zurücktreten und ein neues, transparentes Suchverfahren starten. Warum Teile der Politik und die Kreisverwaltung an Haaßel festhalten, sei ihm unerklärlich. Schnellrieder: „Ist es Ignoranz, Arroganz, gegebene Versprechen oder schlicht Opportunismus?“

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