Gedenkstättenleiter vom Lager Sandbostel hofft auf Kauf des Edelmann-Grundstückes

Die Zeit drängt

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Der Zahn der Zeit nagt an den Baracken auf dem Edelmann-Gelände: Ein zügiger Kauf ist damit nicht nur nach Meinung von Gedenkstättenleiter Andreas Ehresmann notwendig.

Sandbostel - Von Rainer Klöfkorn. Die Gedenkstätte Lager Sandbostel möchte größer werden. Der Kreisausschuss des Kreistages entscheidet am Mittwoch, ob der Landkreis Rotenburg das sogenannte Edelmann-Grundstück neben dem ehemaligen Kriegsgefangenenlager erwirbt und es der Gedenkstätte überlässt. Mit dem Grundstück werde die Anlage abgerundet, der Gesamteindruck verbessert. Auch finanziell sei die weitere Gestaltung des Geländes zu stemmen, ist deren Leiter Andreas Ehresmann überzeugt.

Immer wieder werden die Mitarbeiter der Gedenkstätte von Besuchern auf den Zustand der Nachbarfläche angesprochen. „Wir weisen dann immer darauf hin, dass uns dieser Bereich nicht gehört und wir infolgedessen daran leider nichts ändern können“, sagt Ehresmann.

Dieser Umstand könnte sich jetzt ändern. Die Mehrheitsgruppe im Kreistag aus SPD, Grünen und WFB hat beantragt, dass der Landkreis die im diesjährigen Haushaltsplan eingeplanten 75000 Euro für den Grundstückskauf freigibt. Widerstand gibt es von Landrat Hermann Luttmann (CDU). Ihm ist nicht nur der Preis zu hoch. Er befürchtet auch hohe Folgekosten und ist der Auffassung, dass die Nutzung eine Nummer zu groß für die Gedenkstättenstiftung sei.

Als Vertreter des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberstätten (VDK) gehört Luttmann dem Kuratorium der Stiftung an. Die von ihm und anderen Mitgliedern mehrheitlich herbeigeführte Ablehnung des Grundstückskaufes bedauert Ehresmann: „Ich hätte mir eine einvernehmliche Lösung gewünscht.“ Natürlich seien 75000 Euro sehr viel Geld für das Gelände, doch sei der immaterielle Wert des Edelmann-Grundstücks wesentlich höher. Sollten die Gremien dem Kauf und der Schenkung zustimmen, kann das Kuratorium der Schenkung zustimmen oder sie ablehnen.

Für die Arbeit der Historiker besonders interessant: Auf dem etwa 1500 Quadratmeter großen – und komplett von Flächen im Eigentum der Gedenkstättenstiftung umschlossenen – Gelände befinden sich vier Steinbaracken aus den Jahren 1939 und 1940. Weiterhin steht auf der Fläche ein Gebäudekomplex, bestehend aus der ehemaligen Gemeinschaftslatrine für die vier Unterkunftsbaracken, die katholische Lagerkirche und das „Haus Altenburg“ – beide aus dem Jahr 1957. Das „Haus Altenburg“ hat die Stiftung gemietet.

Auf der Außenwand einer der Baracken sind die Umrisse eines Wandbildes zu erkennen, das von französischen Gefangenen gemalt wurde und einen unschätzbaren kulturgeschichtlichen Wert aufweist. 14 Farben sind für das Triptychon verwendet worden, hat eine Expertin festgestellt. „Es wäre möglich, die Farbe, mit der es übermalt wurde, abzutragen und das Bild zu restaurieren“, sagt Ehresmann. Doch die Zeit drängt: „Wir können nicht mehr allzu lange warten.“

Bei den Überlegungen zur künftigen Nutzung des Grundstückes sei der Gedenkstätte bewusst, dass erst 2019 mit Zuschüssen vom Land für regionale Gedenkstätten zu rechnen sei. Von daher werde er, so Ehresmann, sein ursprüngliches Konzept nicht weiter verfolgen. Er plädiere für eine „schlankere“ Lösung.

Die sieht vor, dass das Grundstück zunächst gesichert und begehbar gemacht werden soll. Wichtig sei, den Verfall der Bausubstanz der historischen Gebäude aufzuhalten. Die Baracken sollen nicht wieder in den ursprünglichen Zustand versetzt werden. Das Gelände solle aber künftig einen „würdigen Eindruck“ auf die Besucher machen, ist den Verantwortlichen der Gedenkstätte wichtig. Diese Arbeiten seien finanziell abgesichert, so Ehresmann. Zwei Stiftungen hätten zugesagt, das nötige Geld zur Verfügung zu stellen. „Beide erkennen die Bedeutung dieser Fläche für die Gedenkstätte an und haben uns eine hohe Qualität im Umgang mit historischer Bausubstanz bescheinigt“, sagt er.

Die dann folgende Unterhaltung der Fläche stelle kein großes Problem dar, sondern sei ebenfalls finanziell zu meistern, fügt Ehresmann hinzu. Und ab dem Jahr 2019, wenn wieder Zuschüsse zur Verfügung stehen sollten, könnte in Ruhe über eine Weiterentwicklung nachgedacht werden. „Bis dahin sind es aber noch vier Jahre“, macht der Gedenkstättenleiter deutlich, dass dies derzeit keine Priorität hat.

Insofern sei er zuversichtlich, sagt der Gedenkstättenleiter, dass der Kreisausschuss den Grundstückskauf beschließt. „In der Vergangenheit ist unsere Arbeit parteiübergreifend anerkannt worden.“ Das hätten ihm gerade erst wieder die Mitglieder des Kulturausschusses des Kreistages bei einem Sandbostel-Besuch bescheinigt. Und auch, dass die Gedenkstätte eine qualitativ hohe Arbeit leiste, viele Besucher anziehe und sehr verantwortungsvoll mit Fördergeldern umgehe.

bz

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