Johann Christian von Düring hat deutliche Spuren hinterlassen

Seiner Zeit voraus

Der Gedenkstein im Wald für den Mann, der hier seine Spuren hinterlassen hat. 
Fotos: Krüger, Menker
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Der Gedenkstein im Wald für den Mann, der hier seine Spuren hinterlassen hat. Fotos: Krüger, Menker
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Rotenburg – Lent? Geschichte! Und doch sind in der Kreisstadt tatsächlich Stimmen zu vernehmen von Menschen, die ganz deutlich sagen: „Für mich wird es immer die Lent-Kaserne bleiben.“ Dahinter mag die Ansicht stecken, dass Helmut Lent eben doch als Namensgeber taugt. Es könnte allerdings auch die Tatsache ausdrücken, wie schwer es ist, sich an einen neuen Namen zu gewöhnen. Wie dem auch sei: Die Freude ist groß.

Die Kaserne in Rotenburg trägt jetzt den Namen eines Mannes, der sich im 19. Jahrhundert sehr um die heutige Kreisstadt verdient gemacht hat und hier auch begraben ist – auf dem Gelände der Von-Düring-Kaserne. Johann Christian von Düring war königlich hannoverscher Oberforstmeister unter anderem in der Forstinspektion Rotenburg, Geheimrat, Generalleutnant und Exzellenz sowie leidenschaftlicher Jäger. Er war ausgestattet mit einer starken Heimatverbundenheit, einer großen Liebe zu seiner Familie und einem großen Mut und Tatendrang, der ihn schon im Alter von 20 Jahren ein Jägercorps aus Freiwilligen aufstellen ließ, um im Raum Hamburg gegen Napoleons aus Russland zurückkehrende Truppen zu kämpfen. Genau das hat Bürgermeister Andreas Weber (SPD) in seiner Rede am Montag kurz vor der Enthüllung des neuen Namensschildes vor dem Eingang der Kaserne deutlich gemacht.

„Schon mit 21 Jahren wurde er zum Hauptmann und Chef der 1. Kompanie der Kielmannsegger Jäger ernannt. Auch in der Schlacht von Waterloo führte er am 18. Juni 1815 seine Jäger erfolgreich“, so Weber. Trotz dieser Erfolge sei er der Forstwirtschaft sehr verbunden gewesen und habe diese in Göttingen studiert. 1820 übernahm er die Forstinspektion Rotenburg (Hannover), die sich nach seinem eigenen Bekunden in einem desaströsen Zustand befand.

Genau darauf spielte am Montag auch Revierförster Henning Küper an, als er nur wenige Meter vom Denkmal für von Düring sowie dessen Grabstelle ganz besonders aus forsthistorischer Sicht über den neuen Namensgeber der Kaserne sprach. Interessant: Als Küper selbst vor mehr als 30 Jahren nach Luhne kam, habe ihm sein Vorgänger aufgetragen, „wenigstens einmal im Jahr nach dem Denkmal und der Grabstätte zu schauen“. Dies sei eine Tradition, die seit der Errichtung des Denkmals auf jeden Stelleninhaber der Försterei Luhne übertragen werde. „Drei Fragen habe ich mir gestellt“, so Küper. Welche besondere Leistungen hat Oberforstmeister von Düring erbracht, dass wir hier dieses Ensemble haben? Warum ist es gerade hier im Luhner Forst errichtet worden? Und: Gibt es an anderen Stellen in den niedersächsischen Forsten etwas Ähnliches?“

Seines Wissens nach gibt es etwas Vergleichbares nicht, betonte Küper. „Zwar finden wir vereinzelt Beisetzungen verdienter Förster im Wald, aber eine Grabstelle wie diese mit dem Denkmal gibt es nicht noch einmal.“ Dieses Ensemble im Luhner Forst bringe die „tiefe Verbundenheit zum Ausdruck, die die Familie von Johann Christian von Düring zur Rotenburger Gemeinde hatte.

Laut Küper an die besonderen Leistungen von Dürings, sei festzustellen: „Er war seiner Zeit voraus, ein absolut loyaler Mann, der mit großem Fleiß sich für den Wald und für die unter ihm arbeitenden Menschen eingesetzt hat.“ Die Liebe für den Wald habe sich in seinem Elternhaus entwickelt. In seinem zehnten Lebensjahr erfüllten sich seine „glühendsten Wünsche“, so Küper – der Besitz eines eigenen Pferdes und eines Gewehres sowie die Erlegung des ersten Hasens. 1810 nahm er als Zuschauer an drei Jagden des württembergischen Hofes teil. „Was er dort erlebt hat, hat dem im Sinne der Waidgerechtigkeit erzogenen von Düring zutiefst abgestoßen, und er bezeichnete die Jagden als der reinen Mordlust entsprungen.“ Später, als sein freiwilliges Jägerkorps aufgelöst wurde, setzte er sich für seine Jäger ein und erreichte, dass das Korps mit 200 Mann in eine forstliche Schule übergeht und die Forstaspiranten eine fundierte Ausbildung bekommen, erklärte Küper. Von Düring selbst behielt als Kapitän das Kommando.

Nach seiner Ernennung zum Forstmeister 1820 wurde von Düring in Rotenburg tätig. Er fand die Wälder laut Küper in „einem sehr schlechten Zustand vor und ging mit viel Elan an die notwendigen Aufforstungen“. In seiner 17-jährigen Dienstzeit seien rund 2 600 Hektar neu aufgeforstet worden. „Und zwar meist mit Kiefern und Buchen, doch tunlichst mit Eichen“, so Küper. Mehrere Akten gäben darüber Auskunft. Die letzte Kulturmaßnahme, die von Düring durchgeführt habe, sei die Anpflanzung von 25 000 Kiefern auf einer Heidblöße gewesen. Küper: „Die Kiefern stehen heute noch.“ Und wer durch den Weichel wandere, werde genau hier den Gedenkstein finden, der von der Familie von Düring aufgestellt worden sei.

„Welches Vorbild aber kann Johann Christian von Düring den Angehörigen unserer Streitkräfte heute sein? Zweifellos war von Düring Patriot. Es war ihm nicht gleich, dass seine Heimat unter der französischen Fremdherrschaft litt.“ Das sagte Peter Tauber am Montag vor dem Kasernentor. Der Parlamentarische Staatsskretär bei der Bundesministerin für Vereidigung hob weitere Tugenden von Dürings hervor. Als dieser 1820 einen Aufstand rebellischer Studenten unterbinden sollte, die revolutionäre Ideen von politischem Wandel, Freiheit und Nationalstaat verbreiteten, habe von Düring einen kühlen Kopf und das rechte Maß bewahrt, „wohl auch, weil er den Forderungen der Studenten gewisse Sympathien entgegenbrachte. Ohne Gewalt wurde er der Situation in Göttingen Herr.“ Tauber ließ den Hinweis einfließen, dass es einem Mann wie Donald Trump gut zu Gesicht stünde, sich angesichts der Anti-Rassismus-Bewegung in den USA an von Düring ein Beispiel zu nehmen. Und der Staatssekretär wies darauf hin, dass von Düring auch durch die Forderung aufgefallen war, die Laufbahn der Forstbeamten künftig nicht mehr dem Adel vorzubehalten, sondern all denjenigen zu öffnen, die sich durch Leistung und Bildung hervortaten. Tauber: „Für uns ist das ein selbstverständliches Prinzip, aber es war zur damaligen Zeit bemerkenswert. Und wir schlagen damit den Bogen, warum von Düring neben seiner militärischen Tapferkeit und Leistung auch heute für unsere Bundeswehr traditionsbildend ist.“ Johann Christian von Düring habe im besten Sinne den Anspruch verkörpert, „den die Innere Führung an die Soldatinnen und Soldaten unserer Bundeswehr stellt: Er war freier Mensch, guter Staatsbürger und vollwertiger Soldat zugleich“, so Tauber.

Jetzt gilt es abzuwarten, wie lange es dauert, bis sich die Rotenburger an ihre Von-Düring-Kaserne gewöhnen. Denn Lent ist endgültig Geschichte.  men

Nachfahre: Hasso von Düring vorm Denkmal.
Revierförster Henning Küper bei seiner Rede.

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