Ulrich Jahr hält nichts von den neuen Spuren, die die „Soko Dennis“ erreichen

„Schrottaussagen, die zu nichts führen werden“

Rotenburg - Von Guido MenkerSCHEESSEL / VERDEN · Wer hat Stefan Jahr getötet? Eine Frage, die Ulrich Jahr, den Vater des Jungen, der am 31. März 1992 aus dem Internat der Scheeßeler Eichenschule verschwunden war und am 3. Mai 1992 in Verden aufgefunden wurde, seit fast genau 19 Jahren beschäftigt. War der damals 13-Jährige Opfer eines Serienmörders? Die Ermittler gehen davon aus und setzen jetzt auf einen neuen Zeugen. Ulrich Jahr hat allerdings so seine Zweifel ...

Seit gut einer Woche ist die „Soko Dennis“ wieder in den Fokus der Öffentlichkeit zurückgekehrt. Grund dafür sind Hinweise eines Zeugen, der sich nach neun Jahren bei der Polizei gemeldet hat und Angaben zum vermeintlichen Fahrzeug jenes Mannes machte, der möglicherweise fünf Jungen getötet und 40 weitere missbraucht hat. Zu den Opfern dieser Serie könnte neben Dennis eben auch Stefan Jahr gehören. Bis heute hofft sein Vater Ulrich, dass der Täter gefunden wird. Er sei bereits Mitte Dezember von Spiegel TV angesprochen worden, habe es aber abgelehnt, bei einem Filmbeitrag mitzuwirken. „Heute sehe ich mich darin bestätigt.“ Ulrich Jahr wirkt skeptisch und bringt das auch zum Ausdruck: „Ich halte nichts von Zeugen, die sich nach neun Jahren erinnern – obwohl er damals keinen Grund hatte, sich den Wagen zu merken.“ Deshalb sei es auch abwegig, „dass die Polizei damit an die Öffentlichkeit geht“, so Ulrich Jahr im RK/VN-Gespräch. Aber sie ging an die Öffentlichkeit – und hatte binnen weniger Tage rund 300 neue Hinweise auf dem Tisch. Ulrich Jahr: „Schrottaussagen, die zu nichts führen werden.“ Nicht zuletzt deshalb verbindet Jahr mit den Hinweisen auf das Täterfahrzeug im Zusammenhang mit dem Mord an Dennis auch keine Hoffnung: „Für mich ist das Blödsinn, das kann man ausschließen.“ Und doch gibt Stefans Vater nicht auf. Seit fast genau 19 Jahren wünscht er sich, dass der Täter dingfest gemacht wird. „Immer, wenn was Neues kommt, beschäftige ich mich damit“, sagt er. So wie auch 2008, als er im Zusammenhang mit einem geplanten DNA-Test Hinweise zu zwei Personen gab, die unbedingt mit einbezogen werden sollten. Das geschah nicht – und hat ein Nachspiel. Jahr erstattete im vergangenen September Anzeigen gegen ermittelnde Beamte und gegen Vertreter der Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der Strafvereitelung im Amt. Ermittlungen sind bis heute nicht eingeleitet worden – die Sache liegt inzwischen beim Justizminister in Hannover, der sich berichten lassen und später bei Ulrich Jahr melden will. Bis jetzt habe er es nicht getan, so der Vater, der selbst sagt, dass man zwar nicht ewig trauern könne. „Wir haben uns eingerichtet, aber befriedigend ist das natürlich nicht.“ Frieden kann Ulrich Jahr wohl erst dann finden, wenn der Täter gefasst wird, der seinem Sohn vor 19 Jahren und danach möglicherweise vier weiteren Jungen das Leben genommen hat.

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