Debatte über Erdgasbohrungen in Bötersen: Vertreter von Exxon im Interview

„Schlüssel ist Transparenz“

Sottrum - Von Lars WarneckeBÖTERSEN · „Kein Gift in unsere Erde“, „Fracking? Nein, danke!“– die Parolen, mit denen die Bötersener Bürger seit einigen Wochen öffentlich gegen das umstrittene Fracking am Bohrloch Z11 protestieren, sprechen eine deutliche Sprache. Inzwischen hat auch die Samtgemeinde Bedenken geäußert und, bis die angekündigten Studien vorliegen, ein Moratorium gefordert (wir berichteten). All dies bekommt das Unternehmen ExxonMobil natürlich mit – und will die Debatte um die Erdgasgewinnung versachlichen, wie Konzernsprecherin Dr. Ritva Westendorf-Lahouse und Dipl. Volkswirt Olaf Martins, bei Exxon für Energiefragen zuständig, im Gespräch mit unserer Redaktion erläutern.

Herr Martins, Frau Dr. Westendorf-Lahouse, seit Jahren fördert Ihr Konzern in Niedersachsen Erdgas. Nur selten gab es Ärger, Probleme eigentlich nie. Worauf führen Sie diese plötzliche Anti-Stimmung, wie sie sich derzeit in Bötersen zusammenbraut, zurück?

Olaf Martins: Wir erhalten viel positiven Rückenwind. Aber richtig, es gibt auch kritische Fragen. Ursache hierfür sind zu einem wesentlichen Teil Bilder und Berichte über Umweltschäden im Zusammenhang mit der Erdgasförderung in den USA. Unsere Verantwortung ist es, klar zu stellen, dass es solche Bilder in Deutschland nicht gibt und nicht geben wird.

ExxonMobil wird und wurde mitunter mangelhafte Kommunikation hinsichtlich des Frackings vorgeworfen. Eine berechtigte Kritik?

Dr. Ritva Westendorf-Lahouse: Der Vorwurf ist leicht gemacht, geht aber fehl. Wir haben eine Vielzahl von Informationsveranstaltungen zu diesem Thema gemacht, auch in Bötersen, stellen uns allen kritischen Fragen und veröffentlichen die detaillierte Zusammensetzung der bei Fracs eingesetzten Flüssigkeiten. Wer, wie wir, eine sachliche Debatte zu dem Thema führen will, der muss Fakten liefern. Das tun wir.

Wie wollen Sie konkret die Akzeptanz für die Erdgas-Suche am Beispiel Bötersen schaffen?

Martins: Wir müssen Fakten liefern, die Verfahren erläutern, Missverständnisse ausräumen. Der Schlüssel ist Transparenz. Dem stellen wir uns.

Nur scheint diese Strategie in Bötersen und auch im übrigen Kreis Rotenburg nicht zu greifen. Längst ist die Debatte ums heimische Erdgas emotionalisiert. Eine sachliche Debatte scheint gar nicht mehr möglich zu sein. Macht Sie das nicht ratlos?

Westendorf-Lahouse: Den Eindruck kann ich nicht teilen. Die große Mehrheit der Menschen, mit denen wir sprechen, wollen sich informieren und sich auf Basis von Fakten ihre Meinung bilden. In diesen Gesprächen erläutern wir, wie nach Erdgas gebohrt wird, wann und warum das Frac-Verfahren zum Einsatz kommt, wie es funktioniert, welche Behörden in Genehmigungsverfahren eingebunden sind und vor allem, wie die Umwelt- und Sicherheitsstandards aussehen.

Brauchen wir überhaupt Erdgas, gewonnen quasi vor der eigenen Haustür?

Martins: Wir sind mitten in der Energiewende, das heißt, die Erneuerbaren Energien werden ausgebaut, decken aber derzeit nur rund zehn Prozent des Energiebedarfs und werden auch auf absehbare Zeit noch nicht das Ruder übernehmen können. Erdgas, das heute rund ein Viertel des deutschen Energiebedarfs deckt, ist hier ein wichtiger Partner. Und der wird noch an Bedeutung gewinnen, gerade mit Blick auf den Ausstieg aus der Kernenergie und die Vorteile von Erdgas im Vergleich zur Kohle. Die Gretchenfrage ist also: Produzieren wir Erdgas dort, wo wir es auch verbrauchen, mit hohen Umwelt- und Sicherheitsstandards und ohne lange und CO2 intensive Transportwege - oder lasse ich es unter ungewissen Bedingungen woanders produzieren und transportiere es über weite Wege hierher? Gerade aus Umweltgesichtspunkten spricht alles für eine Produktion vor Ort. In Deutschland produziertes Erdgas liefert zudem Förderabgaben und Gewerbesteuer.

Wie steht es denn nun tatsächlich um die Umwelt-Risiken? Können Gefahren für die Grundwasserbeschaffenheit und für die Trinkwassergewinnung entstehen?

Westendorf-Lahouse: Der Preis für sauberes Erdgas darf nicht schmutziges Trinkwasser sein, da kann es keinen Dissens geben. Daher wird der Bohrplatz versiegelt, das Bohrloch über mehrere Schichten von Stahl und Zement gegenüber den Gesteinsschichten abgedichtet und jede Frac-Maßnahme ausführlich geplant, simuliert und überwacht. Die dabei verwendete Flüssigkeit besteht zu rund 98 Prozent aus Wasser und Sand. Sie ist weder giftig, noch umweltgefährdend und auch kein Gefahrgut. Dennoch muss natürlich dafür Sorge getragen werden, dass sie nicht ins Trinkwasser gelangt. Dazu dienen die gerade beschriebenen Maßnahmen. Schauen wir auf die Fakten: In Deutschland hat es allein bei der Erdgasproduktion bisher 300 Fracs gegeben, allein ExxonMobil hat im Landkreis Rotenburg rund 60 Fracs durchgeführt. In keinem einzigen Fall hat es einen Umweltschaden gegeben.

Dennoch hat sich die Samt gemeinde Sottrum unlängst für ein Moratorium ausgesprochen, welches für Sie die Suche in Bötersen ins Stocken bringen könnte. Wie stehen Sie zu dieser „Vorsichtsmaßnahme“?

Westendorf-Lahouse: Ich kann verstehen, dass Menschen Fragen haben, und es ist unsere Verantwortung, diese auch zu beantworten. Für derartige Vorsichtsmaßnahmen habe ich dort Verständnis, wo eine neue Technik zum Einsatz kommt, die unerprobt ist. Das Frac-Verfahren blickt in Deutschland aber schon auf 50 Jahre Erfolgsgeschichte zurück.

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