Grünen-Antrag auf Diskussion über Höllenberg-Stein ausgebremst / „Nicht Aufgabe der Stadtrats“

Schlageter: Politik bleibt untätig

Visselhoevede - Die Visselhöveder Stadtverwaltung und auch die Politik wird sich in naher Zukunft nicht mit dem Thema Schlageter-Denkmal auf dem Drögenbosteler Höllenberg befassen. Der Versuch der Grünen im Jugend- und Kulturausschuss, eine Diskussion anzuregen oder gar einen Standpunkt herbeizuführen, wurde schlichtweg geblockt.

Sowohl die Gruppe CDU/FDP als auch die Sozialdemokraten sehen es nicht als Aufgabe des Stadtrates oder der vorgeschalteten Ausschüsse an, sich mit dem Thema zu befassen.

Zum Hintergrund: Der Name des deutschen Nationalisten Leo Schlageter ist auf dem Höllenberg in mannshohen Granit gemeißelt, wobei das S wie ein Hakenkreuz gestaltet wurde. Der Visselhöveder Künstler Martin F. Wenner hatte das Hakenkreuz vor einigen Wochen abgeklopft, um eine Diskussion zum Denkmal in Gang zu bringen. Schon wenige Tage später war das Hakenkreuz wieder drauf – allerdings in schwarzer Farbe. Außerdem kam heraus, dass die Stadt das Grundstück pflegen lässt.

Die Grünen wollten daraufhin das Thema im politischen Raum diskutieren. Am Dienstagabend begründete Eckhard Langanke (CDU) im Ausschuss das Nichtbefassen ganz einfach: „Der Gedenkstein steht auf Privatgelände, darum ist keine Beratung nötig.“

Lothar Cordts (SPD) sieht es ebenfalls so, dass der Rat sich des Denkmals nicht annehmen müsse. „Auch weil die Gefahr besteht, dass Neonazis den Berg zu einem symbolträchtigen Ort werden lassen könnten.“

Cordts kann sich allerdings vorstellen, dass man „den Stein auf Stadtkosten entfernt, wenn die Eigentümer einverstanden sind“.

Standpunkte, die Hedi Schmidt (Grüne) nun ganz und gar nicht akzeptieren wollte: „Wir haben eine Verantwortung mit unserer Vergangenheit bewusst umzugehen und nachfolgende Generationen aufzuklären. Wenn nicht dieser Ausschuss für Jugend und Kultur, wer sollte dann zuständig sein?“

Es fehle ihr ganz eindeutig eine Botschaft von Seiten der Politik. „Es ist in Visselhövede 60 Jahre nicht gelungen, Stellung zum Schlageter-Stein zu beziehen“, so Schmidt. Es gehe nicht um Schlageter als Person und auch nicht darum, auf dem Höllenberg etwas auf- oder abzubauen, sondern „wir müssen uns in irgendeiner Form wie zum Beispiel durch Projekte für Jugendliche damit beschäftigen“.

Bürgermeisterin Franka Strehse (SPD) betonte, dass die Stadt keine Handlungsmöglichkeit habe, weil der Stein auf privaten Grund stünde. Ein Kaufangebot hätte die Eigentümer abgelehnt. „Die wollen einfach nur Ruhe auf dem Höllenberg.“

Diesen Zustand habe dem Stadtrat im Übrigen auch der Niedersächsische Verfassungsschutz während eines nichtöffentlichen Treffens geraten. „Die Fachleute empfahlen uns, das Thema ruhen zu lassen.“

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