Maschinenfabrik Adolf Müller stellt „Geldmaschinen“ für die ganze Welt her

Der Scheeßeler Schnitt

In der Scheeßeler Firma Adolf Müller werden Maschinen hergestellt, um Sicherheitshologramme (unten rechts) in Banknoten einbringen zu können.

Scheessel - Von Wieland BonathWer seine zwei großen Biere mit der Fünf-Euro-Geldnote bezahlt, hat das möglicherweise mit einem Schein getan, an dessen Herstellung die Maschinenfabrik Adolf Müller ganz in der Nähe des Scheeßeler Bahnhofs beteiligt war.

Dipl.-Ingenieur Klaus Kampf (58), Inhaber des 105-jährigen Betriebes: „Wir stellen Schneidemaschinen für die Teilung des Banknotenpapiers her. Auf den Geldscheinen befinden sich Hologramme, die ebenfalls mit Müller-Maschinen geprüft und geschnitten werden.“

Der 150-Mitarbeiter-Betrieb hat in Deutschland verschwindend wenige Konkurrenten. Zu den Sicherheitsmerkmalen, die von den Maschinen aus Scheeßel mit rasender Geschwindigkeit und höchster Genauigkeit bearbeitet werden müssen, gehört weiter der Sicherheitsstreifen. Außerdem soll eine fluoreszierende Einfärbung der Papierfasern den Fälschern das Leben schwer machen. Ja, die Chancen der Fälscher, „kostenlos“ Geld zu verdienen, sind inzwischen verschwindend klein. Trotzdem arbeiten die Fachleute an einer zweiten Generation noch fälschungssicherer Euroscheine. Nach der großen Banken-Krise, so Kampf, sei inzwischen bei florierender Wirtschaft weltweit der Bedarf an Banknoten gestiegen. Mit der Konsequenz, dass die Auftragsbücher bei der Firma Müller und den Kollegen gut gefüllt sind. Wenige Stunden vor dem Fabrik-Besuch der RK/VN war beispielsweise nach fast halbjähriger Bauzeit eine Spezialmaschine für das Schneiden von Hologrammen auf einem Laster nach Paris gefahren. Die Kosten dieser „Geldmaschinen“ belaufen sich auf 500 000 Euro bis etwa 1,5 Millionen Euro.

Zu den Kunden gehören Abnehmer in fast allen europäischen Staaten und Russland. China mit seinem Yuan versorgt sich ausschließlich in Scheeßel mit den entsprechenden Maschinen, um seine Geldnoten herstellen zu können. Dipl.-Ing. Klaus Kampf, dessen Vorbild der große Maler und Erfinder Leonardo da Vinci ist: „Wir garantieren bei Sicherheitsstreifen eine Schnittgenauigkeit von 5/100 Millimeter. Das ist wesentlich weniger als ein menschliches Haar.“

Klaus Kampf erinnert sich, als er in Scheeßel als Erster den Auftrag zur Herstellung der Schmalschneidmaschine zur Verarbeitung der Sicherheitsstreifen für Geldscheine bekam: Entwickelt worden war das Modell aus einer schon viele Jahre lang bekannten und bewährten Maschine zur Ummantelung von Seekabeln. Dann der große Tag, als es darum ging, dass die fertige Maschine abgenommen werden sollte: Der ganze Betrieb war von bewaffneten Polizeibeamten umstellt. Jedes beim Schneideprozess auf den Boden gefallene Papierschnipselchen wurde von angereisten Fachleuten eingesammelt. Es sollte sich nicht die geringste Chance bieten, dass irgendetwas in falsche Hände geriet ... Inzwischen gibt es für den Chef andere Probleme: „Ich suche dringend Elektro-Ingenieure, die für die elektrische Antriebstechnik sorgen.“

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