Zwischen Tradition und Moderne

„Zur grünen Eiche“ in Sothel wird in vierter Generation betrieben

Ute Ostenfeld (2.v.l.) mit ihren Töchtern Ria-Sophie (v.l.) und Katharine sowie Ehemann Axel. Seit mehr als 100 Jahren ist der Gasthof „Zur grünen Eiche“ fest in der Hand der Familie.

Sothel - Immer interessant und neu sein, aber auch die eigene Geschichte zelebrieren – die Anforderungen an Traditionsgaststätten sind hoch. Da macht auch die „Grüne Eiche“ in Sothel keine Ausnahme. Deren Inhaberin Ute Ostenfeld führt das Gasthaus In vierter Generation. Welchen Stellenwert der Betrieb für das 200-Seelen-Dorf hat und wie es um dessen Zukunft bestellt ist, darüber haben wir uns mit der Sothelerin unterhalten.

Frau Ostenfeld, wann haben Sie die Verantwortung für die „Grüne Eiche“ von Ihren Eltern übernommen und seit wann gibt es den Betrieb überhaupt?
Ute Ostenfeld: Ich führe den Gasthof seit 2002 in der vierten Generation. Die Gastwirtschaft geht auf das Jahr 1913 zurück und wurde ursprünglich als Ergänzung des landwirtschaftlichen Betriebes geführt. Die Landwirtschaft ist jedoch schon längst aufgegeben worden.

Was waren Ihre Beweggründe, den Familienbetrieb weiterzuführen?
Ostenfeld: Lange Zeit hatte ich mir das nicht vorstellen können, obwohl ich im Lerchenkrug eine Lehre als Köchin abgeschlossen hatte und 17 Jahre lang in der Küche des Matthias-Claudius-Heims in Rotenburg gearbeitet habe. Als mein Vater sich Ende 2001 zurückziehen wollte, stand ich vor der Wahl, den Gasthof zu übernehmen oder mit anzusehen, dass er verkauft oder verpachtet würde. Es war letztlich mein Mann Axel, der mir zuredete, die Familientradition fortzusetzen. Außerdem versprach er, mir neben seinem Beruf als Kfz-Mechaniker kräftig zur Seite zu stehen. Dieses Versprechen hat er bis heute gehalten. Während ich in der Küche stehe, ist er im Service tätig.

Was ist Voraussetzung dafür, einen Gasthof in einem so kleinen Dorf so zu führen, dass man davon leben kann?
Ostenfeld: Das ist nur als Familienbetrieb und durch konstant gute Leistung in Küche und Service möglich. Neben meinem Vater, meinem Mann und mir beschäftigen wir fest nur eine Küchenhilfe mit 25 Wochenstunden. Zu größeren Veranstaltungen helfen auch unsere Töchter Katharina und Ria-Sophie mit. Außerdem können wir zu größeren Veranstaltungen auf etwa 15 Hilfen aus Sothel und den umliegenden Dörfern zurückgreifen. Ganz wichtig für uns war 2007 der Anbau eines Raumes für bis zu 100 Personen. Er ist geeignet für Familien- und Vereinsfeiern und wird, was das Wichtigste ist, bestens gebucht. Ohne diese Investition würde es die „Grüne Eiche“ wahrscheinlich heute nicht mehr geben.

Wie sehen Sie die Zukunft Ihres Betriebes? Wird es die „Grüne Eiche“ auch in der nächsten Generation noch geben?
Ostenfeld: Unsere beiden Töchter Katharina und Ria-Sophie würden für die Weiterführung beruflich beste Voraussetzungen mitbringen. Katharina ist Hotel- und Ria-Sophie Restaurantfachfrau. Ob eine von beiden jedoch einmal einsteigen wird, da bin ich skeptisch. Sollte es als Familienbetrieb weitergehen, dann würde das auch nicht ohne passenden Partner möglich sein. Realistisch ist, dass mein Mann und ich die Letzten sind, die die „Grüne Eiche“ betreiben, und dass das Dorf danach ohne Gastwirtschaft wird auskommen müssen. Denn einen Pächter oder Käufer zu finden, wird noch unwahrscheinlicher sein, als dass eine unserer Töchter tatsächlich einsteigt. Sollte es anders kommen, wären wir diejenigen, die sich am meisten freuen würden.

Von Karsten Müller-Scheeßel

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